Schopfheim „Becken-Bauer“ fürs Auslaufmodell

„Von schlechten Eltern war der dieses Mal nicht“, staunte ein Narr und meinte den Zunftabend der Farifa-Narren, der am Samstag laut Christian Leisinger, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Fahrnau (FGF), „zweihundert un e paar ungerade“ Gäste ins ausverkaufte Narrenhaus in der Turmstraße lockte.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim-Fahrnau. „Es geht wieder aufwärts“, stellte auch „Putzfrau“ Martin Gerner fest, der mit seiner Kollegin, dem „flotten Feger“ Sabine Mingo, mit viel Humor locker vom Hocker durchs vierstündige Programm führte.

Alles, was im Farifaland närrischen Rang und Namen hat, war willkommen, auch die Schopfheimer Zunft, die mit gleich zwei Statthaltern auf die Bühne stürmte. Der eine, große war „Frank vo de Hanfi“, der andere „Jacob“, der junge Gipfelstürmer, den Oberzunftmeister Hanspeter Meier „in seinem jugendlichen Übermut nur sehr schwer zu bändigen“ versteht und den später Reinhold Fetscher als „Jacobs Krönung“ ins Visier nahm.

Dabei hätte es nach Meinung der Fahrnauer den doppelten Statthalter gar nicht gebraucht, wie es später aus der Bütt tönte, in der Kevin Kraft meinte: „Statt eines Kinderstatthalters könnte der „Öhrli“ (Anmerkung: Der „kleinformatige“ Statthalter des vergangenen Jahres) rasiert glatt e zweiti Kampagne mache.“

Ausgelassener Abend

Dann startete die ausgelassene Gesellschaft auf, hinter und vor der Bühne in einen überaus unterhaltsamen, fröhlichen Abend zunächst mit der „Bättelsackmusik“, dann mit den Farifakids. „Kevin (Kraft) us em Düfzelwald“ plauderte im Duett mit seiner Schwester Leonie über all das, was in den Fahrnauer Wäldern geschieht. Schließlich bewiesen Martin Gerner und Sabine Mingo „z’Schopfe uff em Fundbüro“, wie zwei grundverschiedene Menschen auf der Suche nach etwas Verlorenem permanent aneinander vorbeireden können.

Und dann glänzte einer, der viel Erfahrung auf den Bühnen weit über die Region hinaus hat, unter anderem FGZ-Präsident, Büttenredner, Ehrendüfzel sowie Statthalter in Schopfheim war und sich (auch zusammen mit seinen Töchtern Jennifer und Jessica) seine Lorbeeren als bekannter und beliebter Kabarettist verdient, zu seinem 40-jährigen Jubiläum wieder einmal in der FGF-Bütt: Reinhold Fetscher.

Der knöpfte sich wie gewohnt erst einmal die Gäste im Saal vor, begrüßte Christof Nitz, den Eventmanager im Körper eines Bürgermeisters, Mark Leimgruber, das „Markklößchen in der Kunstrasensuppe des Fußballvereins“ oder die „zabelhafte Marianne mit ihrem Günter, dem Goldfinger von Fahrnau“ auf das Herzlichste, um sich dann „kommunal fatal im Wiesental“ zu kümmern, allem voran das Zentralklinikum, dem „medizynischen Allheulmittel“, das dem „Lörrach first“ zum Opfer fiel. Es liege auf der Hand: „Bewertungsmatrixen heißen so, weil man bei der Bewertung auch mal trixen kann.“

Im Saal saß auch Stadtkämmerer Thomas Spohn, „der Garant für spo(h)ntane Geldausgaben im – nicht zuletzt wegen des undichten Schwimmbades – „Auslaufmodell Bad Schopfheim“, in dem angesichts massiver Probleme wohl „ein Becken-Bauer“ benötigt werde.

Sonst ist dem Tatendrang der Gemeinderäte kein Kraut gewachsen: „Ja ja ja jetz wird wieder in die Akten gespickt. Wir steigern das Schopfheimer Defizit.“ Fetscher ermunterte die Gäste, den Burgi singend zu ermuntern, noch einmal bei den Burgi-Wahlen anzutreten.

Nach den schlagfertigen Wortspielereien des Profis und dem Auftritt des kleinen, aber feinen Fanfarenzuges kümmerten sich Frieder Burger und Nico Turturro um die „Bühnenumkonstruktion“ und sorgten mit Witzen über und unter der Gürtellinie für Gelächter. Dann stiegen die Düfzelgeister im Toto-Lotto-Kiosk Schwald ins Dorfgeschehen ein und zogen nicht nur den guten Udo Sickau, sondern den Metzger, die Sparkassen-Mitarbeiter, einen ehemaligen Taxifahrer, den Burgi, einen Klempner, den Brand im Uehlinareal und das Leck im Freibad durch den Kakao.

Palast-Schelte

Die „Düfzelsack Dancers“ begeisterten mit einem bemerkenswerten Auftritt als schottisches Dudelsack-Ballett, dem Dudelsack-Virtuose Andreas Mühlhaupt aus Maulburg den Marsch spielte und dem die „Queen“ (Werner Hilf) mit ein paar verbalen Ohrfeigen für ihre Leute im Buckingham-Palast einen Stempel aufdrückte. Oder auch die „Fahrnauer Boy Band Boys“ aus dem wohl unerschöpflichen Lager der Düfzelgeister, die sich mit selbst komponierten und getexteten Liedern zur Fasnacht einmal mehr ein Denkmal setzten, bevor die Farifa-Band mit Dominik Hoyer zum großen Finale blies.

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