Schopfheim Bei der Kirchengemeinde saß der Schock tief

Schopfheim - In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli vor 25 Jahren verwüstete ein Brand die Stadtkirche Schopfheim. Schon bald stand fest: Es war Brandstiftung. Der Schaden wurde seinerzeit mit vier Millionen D-Mark beziffert.

Es war eine unheimliche Brandserie, die Schopfheim und die umliegenden Orte in den Sommermonaten des Jahres 1996 erschütterte, bei denen Menschen ihr ganzes Hab und Gut verloren und Sachschaden in Millionenhöhe entstand. In der Stadt und den Umlandgemeinden ging die Angst vor dem „Feuerteufel“ um. Und der scheute nicht mal das Weihwasser.

In der Nacht von Samstag, 20., auf Sonntag, 21. Juli 1996, verwüstete ein verheerendes Feuer die evangelische Stadtkirche. Nicht nur die hölzerne Empore im rechten Seitenschiff, die Bänke und kostbare Kirchenfenster, auch die neue Schuke-Orgel wurde ein Raub der Flammen. Deren Pfeifen schmolzen in der Glut der Flammen.

Kurz nach Mitternacht hatten in der Stadt die Sirenen geheult. Wegen der enormen Hitze konnte die Feuerwehr, die damals unter dem Kommando von Bernd Schwöble stand und mit zehn Fahrzeugen und über 50 Mann im Einsatz war, zunächst nicht in das Kircheninnere vordringen.

Fassungslos standen Dekan Helfried Heidler, Pfarrer Michael Hoffmann und Mitglieder des Kirchengemeinderats vor dem, was die Flammen im Gotteshaus angerichtet hatten.

Dass es Brandstiftung gewesen sein muss, ein Feuerteufel am Werk gewesen sein muss, war den Brandsachverständigen rasch klar, denn 24 Stunden nach dem Kirchenbrand loderten in der Schopfheimer Altstadt erneut die Flammen.

Mit einem Flugblatt wurde die Bevölkerung im Zusammenhang mit der Brandserie um Hinweise gebeten und eine Belohnung von 5000 D-Mark ausgelobt. Später wurde die Summe auf 15 000 D-Mark aufgestockt.

Mitte August wurde nach einem Brand in Fahrnau ein Tatverdächtiger vorläufig festgenommen. Dieser räumte Brandstiftung in neun Fällen ein, darunter auch die in der Stadtkirche. Die Erleichterung war dem damaligen Bürgermeister Klaus Fleck und dem Feuerwehrkommandanten Bernd Schwöble nach der Festnahme des mutmaßlichen Brandstifters anzumerken. Ein knappes Jahr nach der Brandserie hatte das Landgericht Waldshut-Tiengen den angeklagten Serienbrandstifter zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verurteilt.

Bei der Kirchengemeinde saß der Schock nach dem verheerenden Brand tief. Dass es Brandstiftung war, hat die Kirchengemeinde besonders hart getroffen. Auch Landesbischof Klaus Engelhardt zeigte sich „tief erschrocken“ über den Brand der evangelischen Stadtkirche. Ein Trost war immerhin die Welle der Hilfsbereitschaft, die anrollte. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, und für Gottesdienste wurde bis zum „Wiederaufbau“ der Stadtkirche die Alte Kirche St. Michael genutzt.

Ein Lichtblick in dieser für die Gläubigen „dunklen Zeit“ war die Zusage des Landes Baden-Württemberg, den Löwenanteil der Wiederherstellungskosten zu übernehmen. Als Glücksfall erwies sich auch, dass die Kirche gut versichert war.

Im Zuge der Wiederherstellung musste nicht nur die Empore des rechten Seitenschiffs rekonstruiert und wiederaufgebaut werden. Fenster mussten ebenso ersetzt werden wie die verkohlten Holzbänke. Hinzu kam, dass der gesamte Innenraum von Ruß und Schmutz befreit werden musste.

Bereits im 18. Jahrhundert bemühte sich die evangelische Gemeinde Schopfheims um eine Vergrößerung der Alten Stadtkirche. Dieses Vorhaben zog sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein.

Als ein Kaufgesuch der deutlich kleineren katholischen Gemeinde nicht zeitnah entschieden wurde und diese in den 1870er Jahren mit der katholischen Pfarrkirche St. Bernhard ihre eigene erbaute, nahmen die Pläne erst 1880 konkrete Gestalt an. Diese sahen vor, neben der Alten Stadtkirche eine neue zu errichten.

In der ersten Planungsphase gab es fünf verschiedene Varianten, was das Platzangebot und das Grundstück anbelangte. Ein ambitionierter Plan sah vor, eine Kirche mit 1780 Sitzplätzen zu errichten. Dieser wurde jedoch als zu aufwendig verworfen. Ein Expertengremium forderte 1886, die Pläne entsprechend umzuarbeiten. Ein Jahr später lagen die endgültigen Pläne von Baudirektor Josef Durm (1837–1919) vor und 1889 konnte im Beisein des Badischen Großherzogs mit dem Bau begonnen werden. Die Einweihung erfolgte am 3. Juli 1892.

                                          (Quelle: Wikipedia)

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