Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Lieben Sie Brahms? Die Frage aus dem Film nach dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan, mit der Philip (Anthony Perkins) Paula (Ingrid Bergmann) zu einem Brahms-Konzert einlädt, ist längst zum geflügelten Wort geworden. Und jedes Publikum, auch das bei „Klassik im Krafft-Areal“, würde sie eindeutig mit Ja beantworten.

Hört man sich in der Pause dieses reinen Brahms-Abends in der Reihe der Stiftungskonzerte in der Fahrnauer Tonhalle um, so lautet durchgängig die Meinung: Brahms ist halt etwas Schönes!

Kammermusik von Brahms erschließt sich leichter als die Schumanns. Aber natürlich hängt das auch mit der Interpretation zusammen. Die vier Musiker um den Geiger Christian Ostertag spielen Brahms romantisch, lebendig, mit großer Intensität in idealer Balance. Gleich zu Beginn eine wunderbar klingende, musikalisch überzeugende Darstellung der ersten Brahms-Violinsonate. Das Werk mit dem Beinamen „Regenlied-Sonate“ erklingt in vollendeter kammermusikalischer Intention.

Ostertag und Tilman Krämer am Flügel streben zielbewusst eine kammermusikalisch intime Sichtweise an. Das Adagio ruht in sich selbst, die schnellen Ecksätze haben kraftvolle Energie und Dynamik. Das Zusammenspiel ist ungemein organisch, natürlich und fein abgestimmt. So war der ganze Abend. Im Zentrum stand das Horn. Brahms’ Horntrio gehört zu den leidenschaftlicheren Werken aus der ersten Schaffensperiode, dessen Realisierung sowohl an den Hornisten als auch an den Geiger hohe Anforderungen stellt.

Ostertag und Bruno Schneider, erfahrener Solo-Hornist in Spitzenorchestern, stehen sich beim Spielen gegenüber, was den musikalischen Dialog verstärkt. Der Ton der Geige kann so voll und blühend neben dem des Horns bestehen. Die sehr gefühlsbetonte Musik, idyllisch bis abgeklärt, ist durch das lyrische Hineinversenken der Interpreten voll weich getönter Farbstimmungen, aber auch von gespannter innerer Erregung (Scherzo).

Das erste Klaviertrio op. 8, eine halbe Sinfonie, ist dem Beethoven und Schubert vertrauten Zuhörer musikalisch verständlich. Spätestens jetzt muss bei dem furios gespielten Werk näher auf den Pianisten eingegangen werden. Krämer ist ein herausragender Brahms-Spieler, mit viel Gestaltungskraft. Sein Brahms klingt spannungsintensiv und kontrastreich, mit rundem warmem Ton und differenziert im Detail. Der französische Cellist Francis Gouton bringt sich mit einem schön aussingenden Celloklang ein. Wiederum gefällt der gut geführte, essenzielle Ton der Geige, nicht mit großem solistischem Vibrato, aber gleichwohl sehr intensiv.

So wird in diesem Frühwerk, das Brahms später revidierte, ein Klangrausch bis in den finalen Furor entfacht. Da herrschen Vehemenz und Intensität, Kraft und Wucht in jedem Takt – dabei alles in vollendetem Gleichklang. Ereignishaft.