Schopfheim Bunte Gefühlswelt als Erbinformation

Künstler-Collaboration: Priska Medam und Oliver Fauser in der Ausstellung „DNArt 2014“ in der Kulturfabrik. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Jürgen Scharf

Schopfheim. DNA haben wir alle in uns. Sie ist der Träger der Erbsubstanz, der Gene. Der Name „DNArt“ passt also gut, wenn es um Menschen geht. Nun muss man bei dieser losen Künstlergruppe um den Schopfheimer Oliver Fauser nicht erst die Grundlagen der Genetik studieren, um hinter dieses „Chromosom Kunst“ zu kommen.

Denn die neue Ausstellung von VHS & Kultur Schopfheim ist abwechslungsreich, bunt, anregend, vielfach plakativ und poppig. „Zauber der Lust“ oder „Die Matrix der Gefühlswelt“ ist der Untertitel dieser „DNArt 2014“, mit der Oliver Fauser als Initiator und Kurator nach seiner letzten Einzelschau „Planeterra“ vor fünf Jahren wieder in die Räume der Kulturfabrik zurückkehrt. Diesmal zusammen mit drei befreundeten Künstlern aus Basel, die in ganz verschiedenen Stilen arbeiten.

Fausers eigenwillige Arbeiten dominieren die Schau durch ihre optischen Eindrücke und Finessen. Ungewöhnlich ist seine Arbeitsweise: Fauser malt nicht, er „skulptiert“ auf Leinwand, klebt Einzelteile, kleine Steinchen, die alle aus dem gleichen Material: Wärmedämmplatten, stammen, wie Mosaike zusammen, spachtelt und lackiert sie.

In einer Serie auffallender Pop-Art-Porträts huldigt er Rockstars. Es sind ikonenhafte, ganz bekannte Bilder darunter, wie das von Jim Morrison mit ausgebreiteten Armen, idiomatische Porträts von John Lennon, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Bob Marley oder dem Schauspieler Jack Nicholson. Manche Bilder sind auch mal nur gespachtelt (wie das von Udo Lindenberg oder David Bowie). Hat Fauser früher mehr in Grau gemalt, ist er jetzt äußerst poppig-farbig. Doch er kommt wieder zum Schwarz-Weißen zurück, Beweis dafür sind die „Series of Women“, eine Reihe von Frauenbildern.

Die Arbeiten seiner drei Mitaussteller sind leiser, intimer, nachdenklicher, verraten sehr variable künstlerische Identitäten. Priska Medam - sie ist auch Galeristin und Kunstevent-Managerin - lässt in ihren Werken Farben und Formen gefühlsmäßig und intuitiv aus dem Inneren entstehen. Ihre Schattenmenschen („Golden Shadows“) sind schemenhafte Gestalten, die gleichsam Tagträume visualisieren mögen. Zu sehen sind auch zwei Gemeinschaftsarbeiten von ihr und Fauser: Von Medam stammen die plastischen Figurationen, von ihm die pastose Hintergrundstruktur – eine gelungene „Collaboration“. An der „Scope Basel“ im Juni (während der Kunstmesse „Art“) werden beide gemeinsam ausstellen.

Eyecatcher sind in dieser Gruppenschau aber nicht minder die fotorealistischen sinnlichen Rosenbilder von Sandra Poncioni-Candappa. Sie malt Blüten im Detail, wie Makroaufnahmen, die einen mit ihrem erotischen Gestus an die Malerei einer Georgia O’Keeffe erinnern. Viel Sinnlichkeit legt sie auch in ihre Frauenakte.

Poncioni ist vielseitig, experimentiert gern, wie man an den Rosenmotiven sieht, die von der zartfarbenen „Rose Umbra“ bis zur auf Alu wetterfest lackierten „Rose Metallic“ reichen. Mensch, Raum und Natur interessiert sie, und von allen diesen Themenbereichen sieht man Werkbeispiele. Zahlen, Buchstaben, Schrift und Chiffren finden sich in den Collagen von Philipp Felle, die nicht zufällig als eine Reihung, eine Folge von symbolischen Bildern im Raum hängen – nach dem Motto des Künstlers „Vom Hochglanz zum Organischen“, quasi als Gegentrend zu Photo­shop.

Augen sind für ihn ein wichtiges Motiv als Symbol für das Sehen. In „Face it“ zeigt er einen kopflosen Politiker auf einem Wahlplakat, in anderen Bildern thematisiert er Vergänglichkeit auf spielerische wie auch auf kritische Art. Es gibt also in dieser Viererschau viele Bausteine der DNArt zu entdecken.

u  Bis 6. Juli, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, Mittwoch 15 bis 17 Uhr).

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