Schopfheim Cineasten wollen das Kino erhalten

Hans-Jürgen Hege

Das „Scala“ ist in die Jahre gekommen, Kino ist bei vielen nicht mehr ganz so „in“. Trotzdem hat der kultige Filmtempel in der Bahnhofstraße, der zum Jahresende vor dem Aus steht, weil der Pachtvertrag ausläuft, jede Menge Freunde in der Stadt, die es mehr als schade fänden, wenn das Kleinod von der Panorama-Leinwand-Bildfläche sang- und klanglos verschwände.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Zu viele Erinnerungen an unzählige tolle Filme, sicherlich aber auch an Erlebnisse in einem der 150 Kinosessel, an erstes schüchternes Händchenhalten oder an unvergessliches „Munkeln im Dunkeln“ hängen an dem 1960 gebauten Palast.

Marion und Klaus Wursthorn haben ihn jahrzehntelang mal etwas mehr, mal etwas weniger erfolgreich am Leben gehalten, bis Corona das Haus in einen Strudel riss, aus dem es nach Meinung der Betreiberfamilie kaum ein Entrinnen gab. Sie warf vor einem Jahr das Handtuch.

Einen Zipfel davon fing sich Albert Kiefer ein, ein Fan des Schopfheimer Filmtheaters und großer Filme wie „Spiel mir das Lied vom Tod“, den der sich bereits dreimal im „Scala“ reinzog und den er – wie er schmunzelnd sagt – „am liebsten jeden Tag einmal sehen möchte“.

Albert Kiefer: „Noch ist alles offen“

Ein Leserbrief zum Thema „Scala“ war der Auslöser des Runs, der ihn veranlasste, Fühler auszustrecken, wie das Kino erhalten werden könnte, ein Kino, das mitten in der Stadt in einem Gebäude gegenüber des Bahnhofs angesiedelt ist und Eigentümerinnen gehört, die sich unter anderem wohl mit dem Gedanken tragen, das Anwesen zu verkaufen.

„Aber noch ist da alles offen“, sagte Albert Kiefer, der am Dienstag zu einem Treffen der Kinofreunde in die „Sonne“ eingeladen hatte - und vom Ansturm geradezu überwältigt feststellen musste, dass seine Vordrucke zur Erfassung von Interessentenadressen kaum ausreichten, um die Nachfrage befriedigen zu können.

Sein Ziel habe er mit der Einladung mehr als erreicht, versicherte er den Anwesenden, denen er Fakten nannte, ohne konkret zu werden. Alles sei Spekulation, betonte der Kino-Enthusiast.

Ein Pachtvertrag müsste zustande kommen

Es gebe tatsächlich einige Wege, die man einschlagen könne, das Kino weiter zu betreiben. Auch Wursthorns würden sich an der Fortschreibung der Kinogeschichte beteiligen, wenn sich eine Gruppe finde, die den Kinobetrieb in Eigenregie wie in Kandern oder Müllheim übernehme. Voraussetzung sei natürlich, dass es möglich sei, mit den jetzigen oder künftigen Eigentümern einen Pachtvertrag ähnlich dem, den die Wursthorns hatten, abschließen zu können, hieß es.

An Ideen, Ratschlägen und guten Vorsätzen mangelte es dem Freundeskreis in der „Sonne“ nicht. Diese alle unter einen Hut zu bringen, müsse Aufgabe eines harten Kerns, einer Art Arbeitskreis sein, den es in den nächsten Tagen zu bilden gelte.

Danach müsse entschieden werden, ob die Gründung eines Vereins Sinn mache oder ob es andere Möglichkeiten gäbe, das Feuer weiter zu entfachen, das in den Köpfen von rund 50 versammelten Freunden, darunter neben Albert Kiefer auch die Ärzte Michael Maraun und Magdalene Blessing, sicht- und hörbar loderte.

Auch zwei Ärzte machen mit

Michael Maraun bot sich gleich als erstes Mitglied des „harten Kerns“ an. „Ich kenne die Familie Wursthorn, und die beiden Schwestern, denen das Gebäude in der Bahnhofstraße gehört, sind sicherlich ebenfalls sehr nett“, sagte er und versprach fast schon leidenschaftlich, Chancen zur Realisierung „der rundweg tollen Idee, das Kino zu erhalten“ auszuloten, um der Gruppe um Albert Kiefer schließlich weitere Wege zu erschließen, wie das „Scala“-Projekt, das die Stadt laut Bürgermeister Dirk Harscher weiter wie bisher bezuschussen will und das auch mit Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg rechnen darf, eine erfolgreiche Zukunft haben könnte.

Kinofreunde wollen sich ehrenamtlich engagieren

Unter Umständen könnte dies auch durch die Gründung eines Vereins möglich werden und damit durch die überwiegend ehrenamtliche Mithilfe vieler engagierter Kinofreunde, an denen es ja schon zu Beginn der möglichen Odyssee nicht im Geringsten mangelte.

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