Schopfheim „Das ist keine Luxusforderung“

Markgräfler Tagblatt, 20.06.2018 22:00 Uhr

„Bitte bei Umbaumaßnahmen oder Neubauten die Schulsozialarbeit nicht vergessen. Sie ist kein Luxus, sondern ein Qualitätsmerkmal“, appellierte Volker Hentschel, zuständig für den Fachbereich Schulen beim Diakonischen Werk, an den Verwaltungsausschuss.

Von Petra Martin

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Schopfheim. Das Diakonische Werk hatte die Tätigkeitsberichte der Schulsozialarbeiter an den Schopfheimer Schulen zusammengefasst.

Theodor-Heuss-Gymnasium (THG): Kerstin Galiniski schilderte die Arbeit des niederschwelligen Angebots mit Melanie Vahl. Die Arbeit werde erleichtert, wenn die Kinder schon in der Grundschule an Schulsozialarbeiter gewohnt seien; bis sich die Älteren trauen, Kontakt aufzunehmen, dauere es. Manche kämen „heimlich“. Die Hemmschwelle werde dadurch vergrößert, dass es im THG nur einen Raum für beide Sozialarbeiterinnen gebe; gleichzeitig gebe es auch am THG einen höheren Bedarf, denn das gesellschaftliche Umfeld sei das Gleiche wie das für Schüler anderer Schularten.

Kerstin Galiniski unternimmt auch Hausbesuche.

Auch Schulleiterin Claudia Tatsch sprach die Raumsituation an. Das THG versuche zwar, andere Räume zu schaffen, doch dies könnten nur Provisorien sein, etwa durch Stellwände, obgleich es um Vertraulichkeit gehe. Benötigt würden - anders als früher mit großen Klassenzimmern - mehrere kleine Räume. Dieser Aspekt sei bislang nicht entsprechend gewürdigt worden. Dass die von der Stadt befürwortete Aufstockung der Stellen für die Schulsozialarbeit am THG und an der Friedrich-Ebert-Schule vom Kreis nicht gänzlich mitgetragen worden war („ein unglückliches Ergebnis“), nahm Volker Hentschel zum Anlass, der Stadt eine andere Vorgehensweise zu empfehlen.

Im Raumprogramm des Landes nicht enthalten

SPD-Fraktionsvorsitzender Artur Cremans erkundigte sich, ob Räume für die Schulsozialarbeit im Raumprogramm des Kultusministeriums enthalten seien. Dies wurde verneint. Dann gelte es darauf hinzuarbeiten, dass diese Räume ins Raumprogramm aufgenommen und damit auch bezuschusst würden, betonte Cremans. Mittel in die Schulsozialarbeit seien gut investierte, unterstrich auch Fraktionskollegin Teresa Klein. Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Gsell sagte, es sei traurig, dass das „Totschlagargument“, die Forderung nach einer Stellenaufstockung liege überm Durchschnitt, angebracht werde. CDU-Stadträtin Heidi Malnati erkundigte sich nach dem Campusneubau; hier sei ein Raum für Schulsozialarbeiter vorgesehen, so Fachbereichsleiter Jürgen Sänger.

Max-Metzger-Schule: Tanja Hübschmann-Randebrock teilte mit, der Schwerpunkt liege hier auf der Gruppenarbeit und gehe über zu „Prävention und Konzeption“. Ganztagsschüler hätten einen stärkeren Betreuungs- und Gesprächsbedarf. Ein Thema sei auch die Schulhofgestaltung.

Da im Rahmen des Stellenumfangs (50 Prozent) nicht alles gemacht werden könne, müsse sich die Arbeit auf bestimmte Felder fokussieren. Ernes Barnet (Grüne) wies darauf hin, früh mit der Schulsozialarbeit zu beginnen („Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“). Der Forderung nach einem stärkeren Ausbau der Arbeit schließt sich die Schulsozialarbeiterin an. Kai Horschig (Freie Wähler) erkundigte sich nach der Resonanz auf das erste Elterntreffen. Man sei nicht überrannt worden, doch hätten sehr gute Gespräche stattgefunden, betonte Tanja Hübschmann-Randebrock.

Friedrich-Ebert-Schule: Katharina Hummelbrumm und Thomas Haug freuen sich über Verstärkung durch Susann Wilms, die sich in großem Maß engagiere. Einen besonderen Betreuungsbedarf haben Schüler der Vorbereitungsklassen aus anderen Ländern, nicht allein Flüchtlinge, auch aus Italien, Lettland oder China. Im übrigen nehme der Bedarf an Schulsozialarbeit entgegen mancher behördlicher Erwartungen zu, je länger die Flüchtlingskinder hier seien, denn mit Zunahme der sprachlichen Kompetenz steige der Gesprächsbedarf.

Dienstältester Schulsozialarbeiter

Thomas Haug befürwortet eine starke Sozialarbeit an Grundschulen, aber keine Umverteilung zu Ungunsten der Arbeit an den weiterführenden Schulen. Die Zusammenarbeit mit den Grundschulen sei sehr gut. Es sei gut, dass die Stadt hier die „Zeichen der Zeit“ erkannt habe.

Katharina Hummelbrumm ist froh über die Raumsituation, stehe den Schulsozialarbeitern doch auch die Bibliothek zur Verfügung, und Günter Fischer, kommissarischer Schulleiter, verteidige den Raum stets gegenüber den Ansprüchen anderer Lehrer. Die gemütliche Bibliothek sei der wichtigste Anlaufpunkt für die Schulsozialarbeit und werde von ruhesuchenden Schülern, die den Pausenhof meiden, gerne aufgesucht. Auch Vorlesestunden gebe es dort.

Thomas Haug war der erste Schulsozialarbeiter Schopfheims. Er ist seit acht Jahren dabei und damit Dienstältester unter seinen Kollegen. Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Gsell dankte „dem Mann der ersten Stunde“ sowie allen anderen Schulsozialarbeiterinnen. Was den Ausbau der Arbeit angehe, sei „noch Luft nach oben“; entscheidend aber seien die Finanzen.