Schopfheim „Das ist nicht mehr wegzudenken“

Ein Qualitätsmerkmal stellt die Schulsozialarbeit dar: Marlene Oehler und Irina Schmitz haben jüngst ihre Arbeit an der Max-Metzger- und der Ebert-Schule aufgenommen.       Foto: Petra Martin

Schopfheim - Kinder, Lehrer und Eltern können bei ihnen ihr Herz ausschütten: Marlene Oehler und Irina Schmitz sind die neuen Schulsozialarbeiterinnen, auf die die Stadt zählen kann. Sie arbeiten an der Max-Metzger- und an der Friedrich-Ebert-Schule und sind verlässliche Ansprechpartnerinnen bei familiären oder schulischen Problemlagen sowie ein wichtiges Bindeglied zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und Schulleitung, wie Fachbereichsleiter Jürgen Sänger betont.

„Es handelt sich um ein Angebot der Jugendhilfe“, erläuterte Volker ­Hentschel, Fachbereichsleiter Schulen bei der Diakonie im Landkreis Lörrach, bei der die Schulsozialarbeit angesiedelt ist. Geboten wird vor allem Einzelfallhilfe. Gruppenpädagogische Angebote mit Förderung der Sozialkompetenz sowie die Beteiligung an der Schulentwicklung machen die weitere Arbeit der Sozialarbeiterinnen aus.

Beide haben einen Hochschulabschluss und Erfahrung. Marlene Oehler, die an der Friedrich-Ebert-Schule arbeitet, blickt auf ein duales Studium zurück. Bevor sie nach Schopfheim wechselte, war sie jahrelang in der Fachklinik Haus Weitenau tätig. Ob Streit unter Schülern, familiäre Probleme, Gewalt in der Familie, anderweitige Konflikte oder Trennungsängste – Marlene Oehler bietet an der Ebert-Schule ein niederschwelliges Angebot, sie in solchen Fragen zu kontaktieren Auch von Eltern wird Einzelfallhilfe in Anspruch genommen.

„Viele Probleme sind beim Lockdown noch mal aufgeploppt“

Die Schulsozialarbeiterin arbeitet in einem Team aus drei Mitarbeitern. Während Susann Wilms Schüler mit Migrationshintergrund betreue und Thomas Haug Hauptansprechpartner für die Jungen sei, arbeite sie mit Mädchen, berichtete Marlene Oehler bei einem Pressegespräch im Rathaus. So werde in einer Mädchengruppe spielerisch Sozialkompetenz vermittelt. Während die Jungen gern in die Natur wollten („Nix wie raus“), hätten Mädchen eher Redebedarf.

Darüber hinaus gebe es an der Ebert-Schule das präventiv-proaktive Friedensträgerprogramm für einen gewaltfreien Umgang, wie Volker Hentzschel von der Diakonie informierte. In Corona-Zeiten sei Schulsozialarbeit noch wichtiger als sonst: „Da sind viele Probleme nochmal aufgeploppt“, berichtete Marlene Oehler.

Irina Schmitz freute sich an der Max-Metzger-Schule über eine gute Übergabe, so dass die Kontinuität in der Arbeit gewahrt bleibt. Die Schulsozialarbeiterin war nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaften bei einem Pflegekinderdienst in Karlsruhe tätig. Sie kümmert sich um die Nachmittagsbetreuung und ist vor allem in den vierten Klassen im Einsatz, wird im Schulalltag, zum Beispiel in den Pausen, von den Kindern angesprochen und unterstützt die Lehrer, etwa auch im Aufklärungsunterricht, wo sie Ansprechpartnerin für Mädchen ist. Bei den Elternabenden hat sie sich schon vorgestellt.

Trennungsängste belasten viele Kinder sehr

Streitigkeiten auf dem Schulhof, Verhaltensauffälligkeiten, große Fehlzeiten – all das sind Anlässe, bei denen Irina Schmitz um Rat gefragt wird. Auch wenn Schüler kein Arbeitsmaterial dabei haben oder keine wetterangepasste Kleidung, kümmert sich die Schulsozialarbeiterin. Ängste wegen einer möglichen Trennung der Eltern spielen eine große Rolle bei der Arbeit. „Wie verarbeiten die Kinder eine Trennung, wie wirkt sich das auf ihr Verhalten aus?“ – das sind entscheidende Fragen, um die sich die Sozialarbeiterinnen in den Schulen kümmern müssen.

Die Stadt halte die Arbeit denn auch für sehr wichtig, betonte Fachbereichsleiter Jürgen Sänger. Sie habe 0,5 Stellenanteile an der Max-Metzger-Schule, 1,75 an der Ebert-Schule und 0,75 am Gymnasium geschaffen und bezuschusse die Personalkosten. Landkreis und Stadt beteiligten sich mit je 29 500 Euro. Bedauerlicherweise habe das Land seine Förderung eingefroren.

Die Zusammenarbeit mit der Diakonie bestehe seit rund 13 Jahren und sei sehr gut. Volker Hentschel von der Diakonie teilte mit, dass der Landkreis derzeit dabei sei, einen Kriterienkatalog zu entwickeln und dass zu hoffen sei, dass alle Beteiligten mit an den Tisch geholt würden.

Erfolge in der Schulsozialarbeit sind zwar schwer mit Zahlen beleg- oder messbar. Doch die Rückmeldungen stellten auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal dar und zeigten, dass Schulsozialarbeit nicht mehr wegzudenken ist, unterstrich Volker Hentzschel.

In Zeiten gesellschaftlicher und familiärer Veränderungen sowie zunehmender Mobilität werde Schulsozialarbeit als wertvolles Angebot wahrgenommen. Es gehe auch darum, Jugendlichen gute Anschlussfähigkeiten an den Beruf zu vermitteln, um weniger Arbeitslosigkeit und weniger Kriminalität entstehen zu lassen. In kurzen Zeiträumen sei ein solcher Erfolg jedoch nicht erreichbar, es bedürfe der Kontinuität.

„Viele Dinge würden später sichtbar werden, wenn wir an den Schulen nicht präsent wären“, ist sich Marlene Oehler sicher.

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