Schopfheim Den Ruhestand mehr als verdient

Markgräfler Tagblatt
Verlässt nach 40 Jahren im Dienst die Gewerbeschule: Berndt Mühlbach. Foto: zVg Foto: Markgräfler Tagblatt

„Wir sagen nicht „Tschüss”, sondern „Auf Wiedersehen”, betonte Klaus König, Schulleiter der Gewerbeschule Schopfheim, gegenüber dem scheidenden Lehrer Berndt Mühlbach und verdeutlichte, dass dieser auch in Zukunft ein gern gesehener Gast in der Schule sein wird.

Schopfheim. Nach fast 40 Jahren an der Gewerbeschule und besonderem Engagement als Verbindungslehrer, Personalratsvorsitzender, Mitglied der Schulkonferenz und Beteiligung an der internen Schulentwicklung habe er sich den Ruhestand mehr als verdient.

Dem pflichtete auch der Personalratsvorsitzende Dieter Rümmele bei. Sein jahrelanger Einsatz für alle am Schulleben Beteiligten sei von großer Leidenschaft geprägt gewesen.

Berndt Mühlbach ist ein Mann, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Morgens das Unterrichtsfach Religion vermitteln und abends in Bars und Kneipen mit der Gitarre rocken, das war für ihn nie ein Widerspruch. Genauso normal war es für den 65-Jährigen, sich am Morgen nicht statusgerecht mit dem eigenen Wagen am Lehrerparkplatz einzufinden, sondern sein Motorrad bei den Berufsschülern abzustellen und die ersten Fachsimpeleien mit den Heranwachsenden auszutauschen.

Pünktlich zum 40sten Dienstjubiläum, in Form einer Urkunde überreicht durch Klaus König, sieht Berndt Mühlbach den passenden Zeitpunkt, dem Paukerdasein adieu zu sagen und sich neuen Aufgaben zu widmen.

Zum Abschied erzählt der scheidende Angestellte, wie er den Zugewinn an freier Zeit zu nutzen gedenkt und was ihn beim Rückblick auf 40 Jahre Landesdienst bewegt.

Frage: Herr Mühlbach, was sehen und fühlen Sie, wenn sie an die Rente denken?

Ich fühle mich super, natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber beide sehen, dass ich mein Soll erfüllt habe. Ich habe meinen Traumberuf fast 40 Jahre lang ausüben dürfen, habe selbst immer viel dazugelernt, was mich hat reifen lassen und mir geholfen hat, mich persönlich auch weiterzuentwickeln.

Frage: Fast 40 Jahre? Sie wurden doch für volle 40 Jahre vom Land Baden-Württemberg geehrt?

Ja, das ist richtig, 39 Jahre Dienst an der Gewerbeschule Schopfheim – meine erste und letzte Station als Lehrer – und dann war da noch der Zivildienst, der ebenfalls angerechnet wird und das Jubiläum möglich macht.

Frage: Fast 40 Jahre ist eine sehr lange Zeit, fragt man sich da nicht irgendwann, ob es nicht Zeit für etwas Neues wäre?

Nein, für mich war der Beruf immer auch meine Leidenschaft. Der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, die direkte Kommunikation, die seelsorgerischen Elemente, aber auch der berufliche und private Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen waren für mich so bereichernd und abwechslungsreich, dass ich nie an einen Wechsel dachte.

Frage: Sie sprechen den direkten Kontakt an, der Ihnen so wichtig ist. Fühlen Sie sich durch den Fernunterricht in der Corona-Zeit in Ihrem letzten Schuljahr, als sei Ihnen die Abschiedstournee vermiest worden?

Ganz und gar nicht. Es war spannend, sich in diese ganz neue Art des Unterrichts einzuarbeiten, und ich bin mit den Ergebnissen absolut zufrieden. Der Präsenzunterricht ist dadurch zwar nicht zu ersetzen, aber es war immerhin besser als nichts.

Frage: Die Schule lassen Sie hinter sich. Was erwarten Sie sich von der Zeit, die auf Sie zukommt?

Genau das – Zeit, und zwar viel davon. Und ich freue mich, sie in meine vielen Hobbys investieren zu können. Meine Leidenschaft ist natürlich die Rockmusik, Spielen aber auch Komponieren, was ich seit über 50 Jahren mache. Daneben freue ich mich, viele Tage mit Kochen, Lesen oder Malen zu füllen. Und sobald meine Frau dann auch bald in Rente ist, wird der Campingbus zu ausgiebigen Touren genutzt werden. Wenn ich es dann noch schaffe, meinen Plan von mehr sportlicher Betätigung in die Tat umzusetzen, bin ich ein rundum glücklicher Pensionär.

Frage: Sie sprechen Ihre Familie an, für die sich durch Ihren Renteneintritt auch einiges ändern wird. Welche Vorzüge oder auch Herausforderungen sehen Sie auf Ihre Familie zukommen?

(lacht) Herausforderungen? Gar keine. Meine Frau wird sich riesig freuen, wenn ich in Zukunft den Haushalt schmeißen kann.

Frage: In Ihren fast 40 Jahren Schuldienst haben Sie vielen Schülerinnen und Schülern eine Menge beigebracht, und Sie selbst haben auch eine Menge dazulernen können. Gibt es etwas, dass Sie jetzt noch in der Rente erlernen möchten?

Ja, aber auf einer ganz anderen Ebene, wie man das vielleicht erwarten würde. Ich möchte dem Anspruch, den mein Glaube an mich hat, besser gerecht werden. Ich will ihn intensiver ausleben und noch konsequenter umsetzen. Zum Beispiel wäre es mir wichtig, besser vergeben zu können.

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