Schopfheim „Der Spargel passt da nicht hin“

Schopfheim - Babylon lässt grüßen: Ein (geplanter) Turmbau am Westeingang der Stadt erregte im Bau-Umwelt-Technik-Ausschuss (BUT) die Gemüter. Weil es von allen Seiten Kritik an dem 22 Meter hohen Gebäude hagelte, ruderte die Verwaltung zurück.

„Die Pläne sind noch nicht reif, wir sollten darüber im Gemeinderat noch einmal diskutieren“, zog Bürgermeister Dirk Harscher zum Schluss die Reißleine.

Dabei hatte sich Stadtplaner Peter Egi mächtig ins Zeug gelegt, um den Räten den städtebaulichen Entwurf für die „Reibematt“ beim Kreisel in Gündenhausen schmackhaft zu machen.

Dort plant ein Investor den Bau von drei Gebäuden – einem neungeschossigen Hochhaus mit 50 so genannten „Microwohnungen“ in der westlichen Ecke sowie jeweils einem länglichen Gebäude mit vier Geschossen am Kanal und an der Straße Gündenhausen, die unter anderem ein Ärztehaus, eine Dialysepraxis, 30 Wohnungen sowie Büros beherbergen sollen.

Bei dem Projekt müsse man die gesamte Achse vom Kreisel in Gündenhausen bis Hieber mitdenken, plädierte Peter Egi für das Projekt. Die „Reibematt“ müsse das „neue Stadttor“ werden und einen „spannenden Anfang“ darstellen. Da dürfe man nicht „kleckern“, Die Straße von Gündenhausen bis zum Hieber-Kreisel sei das „Rückgrat“ einer künftigen Stadtentwicklung, da gebe es links und rechts noch viele Brachen und „unterentwickelte Flächen“. Egi: „Wir können da Urbanität reinbringen“.

Der Stadtplaner bescheinigte dem Entwurf eine „klare Struktur“ und ein durchdachtes Nutzungskonzept und bezeichnete den Turmbau als „Fingerzeig“. Egi betonte, dass man mit den Plänen noch am Anfang stehe und dass es derzeit nicht um architektonische Gestaltung gehe, sondern nur um die „Kubaturen“ der Gebäude gehe. Zudem sei es in Zeiten eines weiter steigenden Siedlungsdrucks geboten, die knapper werden Flächen besser auszunutzen.

Mit seinem Plädoyer für die vorliegenden Pläne stand Der Stadtplaner indes ziemlich allein auf weiter Flur. „Ich sage es unverblümt: Unsere Fraktion kann mit diesem Entwurf nichts anfangen“, gab SPD-Stadtrat Thomas Gsell zu Protokoll. Am Stadteingang habe ein neunstöckiges Hochhaus nichts verloren.

Thomas Kuri (CDU) hielt zwar ein Gesamtkonzept von Gündenhausen bis Hieber für sinnvoll. Aber auch in seinen Augen passt ein Turm nicht an den Westeingang zur Stadt. „Der fällt völlig aus dem Rahmen“, erklärte er.

Als sachkundiger Bürger schloss sich Klaus Böttger (Grüne) seinen Vorrednern an. Im Vergleich zu anderen Hochhäusern in der Stadt stehe dieser Turm „mitten in der Talsohle“.

Kai Horschig (Freie Wähler) fand vieles an den Plänen zwar „gut“, störte sich aber auch am Turmgebäude: „Der Spargel passt da nicht“, monierte er.

Jürgen Fremd (Grüne) hielt die städtebauliche Ausrichtung für sinnvoll, fand indes, über die Höhe des Turms müsse man reden.

Für Irritationen am Ratstisch sorgte außerdem die Tatsache, dass es in der Reibematt entgegen ursprünglichen Aussagen in Zusammenhang mit der Störfallverordnung und dem so genanten „Konsultationsradius“ rund um die Firma Würth jetzt doch keinerlei Beschränkungen für Bauvorhaben gebe. Die Verwaltung konnte den Sinneswandel erläutern (siehe gesonderten Bericht).

Gleichwohl: Die geballte Kritik aus den Fraktion verhallte bei der Verwaltung nicht ungehört. „Wir erkennen schon eine Tendenz“, räumte Bauverwaltungsleiter Bernd Benz ein. Insofern mache es Sinn, bei der nächsten Aussprache zum Vergleich einmal die alten Bebauungsentwürfe vorzulegen.

Der Bürgermeister sprach von „fundierten Einwänden“ und erkannte weiteren „Gesprächsbedarf“. Die Gebäudehöhen müssten ins Stadtbild passen, meinte er – und vertagte die Entscheidung.

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