Schopfheim Der Vollmond als Störfaktor

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Schopfheim-Gersbach - Beinahe das ganze Jahr über kann man Sternschnuppen beobachten. Die hellsten sind die Perseiden, die jährlich im August am nächtlichen Himmel leuchten. In der Nacht vom heutigen Freitag erreichen sie ihr Maximum. Allerdings gibt es einen Störfaktor, wie Kirsten Lohrmann vom Lörracher Schülerforschungszentrum Phaenovum, das die Sternwarte im Schopfheimer Ortsteil Gersbach betreibt, weiß.

Die Wetteraussichten für Freitag sind zwar vielversprechend, es sollen keine Wolken den Nachthimmel verdecken, weiß Lohrmann. Die Geschäftsführerin von Phaenovum verweist allerdings auf einen anderen Störfaktor: den Mond. „Genau zum Höhepunkt der Perseiden wird die Sicht durch das grelle Licht des Vollmonds etwas gestört sein.“ Denn Licht ist bei der Beobachtung der Sternschnuppen – bei ihnen handelt es sich übrigens um Meteore, die immer dann entstehen, wenn kleinste Staubteilchen, sogenannte Meteoride, mit der Atmosphäre der Erde kollidieren und in ihr verglühen – absolut hinderlich.

Tipps für die Beobachtung

„Am besten sucht man sich ein lichtarmes Plätzchen“, erklärt Lohrmann. Idealerweise sollte man sich in die Höhenlagen des Wiesentals, oder auf den Feldberg begeben, „eben weit weg von größeren Städten.“ Denn wer in dicht besiedelten Gebieten in den Himmel schaut, der sieht wegen der Lichtverschmutzung deutlich weniger. „Je klarer die Luft ist und je weniger Licht es gibt, desto mehr Perseiden sind zu sehen.“

Die beste Blickrichtung ist laut Experten Nordosten: Dort taucht nämlich nach Sonnenuntergang das Sternbild des Perseus auf. Es wirkt so, als entsprängen die Sternschnuppen diesem Sternbild.

Teleskop zeigt Übersicht

Für die professionelle Beobachtung und zur Fotografie nutzen Astronomen Spezialausrüstung. Die Sternwarte in Gersbach verfügt über verschiedene Teleskope. Mithilfe des Spiegelteleskops, das im Sommer 2020 hier installiert wurde, können beispielsweise auch Sterne beobachtet und der Nachthimmel genauer betrachtet werden. Man sehe diesen dann „wie eine Übersicht“, erklärt Lohrmann. Mithilfe von Kameras und einem Stativ lassen sich auch die Sternschnuppen am Himmel festhalten.

Fünf Mal im Jahr ist die Sternwarte bei der Barockschanze auch der Öffentlichkeit zugänglich. Im Wesentlichen ist sie allerdings den forschenden Schülern vorbehalten. Am heutigen Freitag ist sie nicht geöffnet – was für Interessierte, die die Perseiden beobachten wollen, allerdings kein Problem darstellen sollte. Denn: „Spezielle Ausrüstung braucht man zum Beobachten keine“, weiß Lohrmann. Meteore könne man mit bloßem Auge erkennen. Die Augen benötigen rund 20 Minuten, um sich der Dunkelheit anzupassen. Hobbyastronomen sollten also vor allem ausreichend Zeit mitbringen. Von etwa 23 bis 3 Uhr sind die Bedingungen in der dunkelsten Phase der Nacht am besten, wissen Experten.

Staubteilchen verglühen

Weil sich die Umlaufbahn der Erde und von Kometen in der Regel nicht verschiebt, folgen die leuchtenden Streifen einer gewissen Regelmäßigkeit. Deshalb jährt sich das Spektakel der Perseiden immer Mitte August. Das, was man mit bloßem Auge am Himmel erkennen kann, ist die leuchtende Spur, die für den Bruchteil einer Sekunde entsteht.

Verantwortlich für deren Entstehung ist Reibungshitze: Moleküle entlang der Flugbahn ionisieren und beginnen zu leuchten. Das Ganze spielt sich in einer Höhe von rund 120 Kilometern ab.

Ursache für das nächtliche Schauspiel ist die Staubfahne des Kometen 109 Swift-Tuttle, weiß der Schopfheimer Meteorologe Manfred Reiber, der sich auch ein wenig mit Astronomie auskennt.

Jedes Jahr im August kreuzt der Komet die Erdbahn. Wenn die nur Millimeter großen Staubkörnchen mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Sekunde auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen, werden sie urplötzlich abgebremst und bis zur Weißglut erhitzt. Bis zum Zeitpunkt des vollständigen Verglühens legen sie allerdings oftmals noch einige Kilometer zurück. Auf diese Weise entstehen dann die mehr oder weniger hellen Leuchtspuren am Himmel.

Warum man sich bei Sternschnuppen etwas wünschen darf...

...darum ranken sich viele Mythen. Bis heute gilt im Volksmund: Wer eine Sternschnuppe am Nachthimmel entdeckt, darf sich etwas wünschen. Der Wunsch geht allerdings nur dann in Erfüllung, wenn niemand dessen Inhalt erfährt. Ein Mythos besagt auch, dass dort, wo der Meteorit in die Erde einschlägt, ein Schatz verborgen liegt. Die Legende vom Schatz haben die Brüder Grimm in ihrem Märchen „Der Sterntaler“ aufgegriffen.

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