Schopfheim/Weil am Rhein. Dialekt ist Heimat. Auf diese einfache Formel lässt sich die 29. Internationale Mund-Art-Literatur-Werkstatt bringen. Der Dialekt als Bekenntnis zur Heimat: „Wo beginnt Heimat und wo endet Heimat?“, war sinngemäß auf Schriftdeutsch das Leitmotiv. Die Lesungen machten deutlich, dass die Sprache ein Teil der Identität und Identifikation mit Heimat ist.

Die Eröffnungsveranstaltung fand erstmals im Weiler Theater am Mühlenrain (TAM) statt, wo weniger Besucher den Weg hinfanden als an den angestammten Leseort, St. Agathe in Schopfheim – zwei ganz verschiedene atmosphärische Örtlichkeiten, die eine mehr bühnenmäßig, die andere sakral. Je nachdem wirkten die Vorträge anders. Zu hören waren unterschiedliche Heimatdialekte, eine große Dialekt-Vielfalt, die die Sprache bereichert: vom elsässischen Zungenschlag bis zum alemannischen Sprachklang – eine breite Palette zwischen „babbeln“ und „schwätze“.

„Bin i iberhaupt no an Schwob“ fragte sich Moderator Volker Habermaier, oder „bloß ein Schwabendarsteller? Ein Fake-Schwabe gar?“ Der Stuttgarter, der schon 20 Jahre im Wiesental lebt, und erst heute auf das Schwäbische stolz ist, Linsen mit Spätzle und Trollinger „jetzadle“ mag, wo er nicht mehr im Schwabenland wohnt, „übersetzte“ humorvoll fremde Mundarten kurzerhand ins Schwäbische.

„Ich bin wahrscheinlich die Faust aufs Auge – zumindest was den Dialekt betrifft“, bekannte Angelika Polak-Pollhammer. Ihr Tirolerisch war für Nicht-Muttersprachler tatsächlich nicht leicht zu verstehen; einige Wörter hätte man nachfragen müssen. Aber der Klang in den neuen Tiroler Dialektgedichten (aus der Anthologie „Eppes tuet sig“) war schön: knappe, auf den Punkt gebrachte Texte. Beim zweiten Durchgang las sie auch noch Unveröffentlichtes aus Manuskripten wie „Mauern und Zäune“, wo es um die Flüchtlingsthematik ging.

Eine „improvisatirische“ Mundart-Performance in „Bäärner Umgangsspraach“ machte „Spoken Word“-Altmeister Hans Jürg Zingg. In seiner Hommage an die „Wörter“ aus dem Buch „My Wörtersack“ präsentierte sich der Lehrer im Unruhestand „gut drauf“ und im rhythmischen Vortrag nahe am Rap.

Das Elsässische ist eine Sprache, die immer mehr ausstirbt. Daher ist es eine Mundart, die viel Emotion hat. In ihren Gedichten aus dem Band „S Läbe ist schon widersch“ zeigt Barbara Stern große Sprachgewalt, wenn sie über eine alte Frau im Altersheim oder die Großeltern, die nach dem Krieg nicht viel reden wollten, reflektiert. Wenn man diese Klänge der Heimat hört, muss man sehr bedauern, dass dieses kulturelle Erbe, die elsässischen Wurzeln zurückgehen.

Aber auch die „German Angst“ geht um. Das meint Gastgeber und Werkstattleiter Markus Manfred Jung in einem Text. In seinen Gedichten, kurzen Geschichten wie auch dem autobiografischen Werkstatttext „Daheim“ führt Jung vor, dass man manches in Mundart besser rüberbringt als in Standardsprache, und es freut ihn, wenn auf Alemannisch Dinge gehen, die in Hochdeutsch nicht funktionieren.

Musikalisch war man bei „Tante Ana“ daheim, dann in der Männer-WG und „Uff em Wäg“: Marco Pereira, Schwarzwälder Liedermacher mit portugiesischen Wurzeln und begeisterter Fußballfan, sang zur Gitarre und Mundharmonika und veranstaltete ein musikalisches Kauderwelch in dem Lied, das er seiner Fußballmannschaft widmete: „Ankara Gengenbach“ – der witzigste Beitrag an diesem kurzweiligen Abend.