Schopfheim „Die Gläser im Schrank klirren“

Durch die teilweise enge Ortsdurchfahrt Enkenstein quetscht sich der (Schwerlast-)Verkehr hindurch. Foto: Harald Pflüger

Schopfheim - Zunehmender Fahrzeugverkehr, immer mehr Schwerlastverkehr und steigende Lärmbelastung machen den Enkensteinern zu schaffen. Die Interessengemeinschaft (IG), der sich 100 Bürger angeschlossen haben und die bereits eine Unterschriftenliste an Bürgermeister Harscher übergeben hat, machte ihrem Ärger nun auch im Gemeinderat Luft.

Wie sehr die Lebensqualität der Anwohner der L 139 leidet, hatten Ortsvorsteherin Eva Brutschin und der Langenauer Ortsvorsteher Walter Würger schon in der vergangenen Woche beim Besuch des Landes-Lärmschutzbeauftragten Thomas Marwein geschildert (wir berichteten).

Am Montag trugen Martin Brutschin und Werner Oswald ihr Anliegen bei der Ratssitzung in der Stadthalle vor mit der Forderung, rasch zu handeln – ein Hilferuf aus Enkenstein. „Lärmbelastung und Unfallrisiko haben sich für die Anwohner in Enken­stein gravierend erhöht“, machte Martin Brutschin eindringlich deutlich.

„Motorrad- und Autofahrer freuen sich auf eine Dorfausfahrt Richtung Wieslet, auf die coolen Kurven am Maiberg und auch wieder zurück Richtung Langenau“, schilderte Martin Brutschin das Problem.

Dabei bleibt es aber nicht: Die Schotter-Laster auf dem Weg zum Steinbruch brächten die Gläser im Schrank zum Klirren, und die Zahl der Holztransporte zum Nassholzlager in Niedertegernau sei gestiegen. Die Straße sei für diese Menge und diese Art von Fahrzeugverkehr nicht ausgelegt. Ihr Zustand verschlimmere sich permanent, es gebe zahlreiche Schlaglöcher, was zu noch mehr Lärm führe.

Für die Anwohner und Fußgänger ist die Lage prekär, wie Martin Brutschin berichtete. Der Gehweg sei nur 1,20 Meter breit, direkt daran grenzen die Häuser an. Eltern machten sich große Sorgen um ihre Kinder. „Die IG braucht dringend Unterstützung“, appellierte Werner Oswald an das Gremium.

„Mit Tempo 30 den größten Effekt erreichen“

Die Forderungen der IG an die Stadt lauten: eine neue, aktuelle Lärmmessung vornehmen, den Lärmaktionsplan von 2016 aktualisieren und einen Schwerpunkt für Enkenstein schaffen sowie Tempokontrollen. Auch eine Zählung der Verkehrsfrequenz wäre hilfreich.

Bei eigenen Geschwindigkeitsmessungen habe man festgestellt, dass der Schnellste mit 103 Stundenkilometer im Ort unterwegs gewesen war, durchschnittlich werde mit 60 Stundenkilometern durch das Dorf gefahren. Das Ziel laute deshalb: Einführung von Tempo 30, was mit wenig Geld zu erreichen wäre. „Und das wäre der größte Effekt“, betonte Oswald.

Darüber hinaus müssten der Straßenbelag erneuert, die Schlaglöcher beseitigt und möglichst ein Flüsterbelag eingebaut werden. Was das Nassholzlager angehe, so dürfe die Genehmigung über 2021 hinaus nicht verlängert werden.

Ein positives Beispiel für einen Nassholzlager-Standort gebe es in Schönau und Geschwend, wo sich die Lager nahe der B 317 befinden, während das Holz, das durch Enkenstein gefahren wird, etwa vom Feldberg komme und durch zahlreiche Dörfer gefahren werde, bevor es nach der Lagerung in Niedertegernau wieder zurück durch Enkenstein transportiert werde auf dem Weg zum Bestimmungsort.

Bürgermeister Harscher versprach, sich des Themas anzunehmen und in Kontakt mit den Behörden zu treten. „Ich kann die Beschwerden nachvollziehen.“ Wenn es möglich sei, dass zum Beispiel in Schönau über rund vier, fünf Kilometer im Ort Tempo 30 gelte, dann müsse das auch für Enkenstein möglich sein.

Der Autofahrer würde in Enkenstein lediglich acht Sekunden an Zeit verlieren gegenüber Tempo 50, hieß es.

Neben der schnellen Einführung von Tempo 30 müsse nach Fertigstellung der Hochwasserschutzmaßnahmen die Fahrbahn erneuert werden, so Harscher.

Lärmaktionsplan „ein hohles Wort“

Kai Horschig (Freie Wähler) erinnerte daran, dass auch in Schwörstadt komplett Tempo 30 gelte, und dabei handele es sich immerhin um eine Bundesstraße. Auch Ortsvorsteher Würger schloss sich an. „Ich unterstütze das voll.“ Würger kritisierte besonders, dass der Lärmaktionsplan bis heute nicht umgesetzt sei. Auch in Langenau habe man eigene Messungen vorgenommen. Das Ergebnis: Gegenüber 5000 Fahrzeugen würden 6500 am Tag gezählt. Der Lärmaktionsplan sei seit 2019 bindend, „aber es wird nichts getan.“ Ortsvorsteherin Eva Brutschin unterstrich, der Ortschaftsrat stehe hinter der IG. „Der Lärm bei uns kann mit dem Lärm auf der B 317 konkurrieren.“ Sie habe sich bereits an das Regierungspräsidium gewandt.

Der Gemeinderat solle hier geschlossen auftreten und ein Update des Lärmaktionsplans durchsetzen, befand Hildegard Pfeifer-Zäh (Freie Wähler). Darum wird sich nun Fachbereichsleiterin Karin Heining kümmern, die herausfinden will, zu welchem Zeitpunkt ein Update möglich ist. Jeannot Weißenberger (CDU) interessierte, wie Wieslet dazu steht. Peter Ulrich (SPD) regte an, kreisweit Analysen über Verkehrsströme vorzunehmen.

Ernest Barnet (Grüne) sagte, es könne nicht sein, dass der Lärmschutzplan nicht umgesetzt werde. Es gelte, so schnell wie möglich Tempo 30 zu schaffen, sonst sei der Lärmaktionsplan „ein hohles Wort“. Die IG dankte den Grünen – diese hätten unkompliziert die Teilnahme an ihrer Online-Fraktionssitzung ermöglicht.

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