Schopfheim Die innere Stadtmauer freigelegt

„Das war ein Volltreffer“: Die Grabungsfirma „E&B excav“ aus Freiburg ist bei ihren archäologischen Ausgrabungen hinter der Kita am Markt auf die innere Stadtmauer gestoßen, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bei der Gründung der Stadt – also noch vor Verleihung des Stadtrechts 1250 – erbaut worden sein muss – und nun erstmals wieder sichtbar ist.

Von Petra Martin

Schopfheim. „Das war eine völlige Überraschung“, sagt Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege.

Zunächst hatte man die Gewissheit erlangt, sich bei den Grabungen im Bereich des inneren Stadtgrabens aufzuhalten.

Dann stieß man auf eine zwei Meter breite und vier Meter tiefe Mauer, „die innere Stadtmauer“, wie Haasis-Berner sagt. Selbst der Fachmann ist beeindruckt. Eine Mauer in der Massivität habe man nicht erwartet, sie komme auch selten vor. „Das sind gut behauene Sandsteinquader.“

Diese wurden bis zur Sohle mit dem Wiesekies freigelegt.

Zwischen dieser inneren Stadtmauer und dem rückwärtigen Kita- beziehungsweise dem sich angliedernden Finanzverwaltungsgebäude des Rathauses lag der etwa acht Meter breite und vier Meter tiefe Graben. Die genannten Gebäude „sitzen“ praktisch auf der äußeren Stadtmauer auf.

„Das war damals ein enormes Bauprojekt“, so Andreas Haasis-Berner. Um einen Meter Graben auszuheben, seien zehn Leute nötig gewesen.

Besonders interessant für Archäologen ist die Verfüllung. „Es wurde ausreichend Keramik angetroffen“, berichtet Grabungsleiter Benjamin Hamm von den Funden, die bei den heute zu Ende gehenden Grabungsarbeiten entdeckt wurden. „Vieles ist ins 13. Jahrhundert datierbar.“ In Gänze erhalten ist nichts, „aber es wurde Gebrauchskeramik aus Küche und Keller angetroffen“, so Benjamin Hamm.

Dazu gehören Gefäßteile, Teile von Bechern und Schalen. Außerdem wurden Überreste von Dreibein-Töpfen gefunden, hoch- und spätmittelalterliche sogenannte Grapen, mit denen wohl in Schopfheim einst gekocht wurde.

Aufgegeben wurden die Stadtgräben meist mit dem 30-jährigen Krieg. Stadtgräben wurden dann bis ins 19. Jahrhundert als Gärten oder Müllhalden genutzt.

Martina Milarch, städtische Fachgruppenleiterin, würde es gutheißen, wenn die Mauer nicht wieder zugeschüttet und unter der Erde verschwinden, sondern wenn ein Teil der neu entdeckten inneren Stadtmauer sichtbar bleiben würde. Dies würde den Kita-Anbau wahrscheinlich nicht tangieren, da sich die spektakuläre Entdeckung, ein Stück Stadtgeschichte, das jetzt ans Tageslicht kam, im Außenbereich des Erweiterungsbaus befindet. Aus denkmalpflegerischer Sicht wäre der Erhalt der Mauer erstrebenswert, sagt auch Andreas Haasis-Berner. Es handele sich um ein großes Monument, ein Denkmal der frühen Stadtgeschichte.

Architekten, Statiker, Planer und weitere Fachleute müssten sich nun damit beschäftigen. Schon am kommenden Montag soll die Baustelle für den Kita-Anbau eingerichtet werden. Auf jeden Fall wird vermutet, dass die Baufirma „großen Spaß“ an dem „kompakten, monolithischen Block“ hat, wie Andreas Haasis-Berner voraussagt. Schon manche Baggerschaufel sei dran gescheitert. Der mittelalterliche Kalkmörtel sei so hart wie Zement.

Bei einer mittelalterlichen Stadt wie Schopfheim greift der Denkmalschutz – „jeder Bodeneingriff läuft über unseren Schreibtisch“, erläutert Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart mit Dienstsitz Freiburg.

Aus Gründen der Dokumentationspflicht muss eine archäologische Grabung erfolgen. Grabungsfirma und Landesamt für Denkmalpflege nehmen nun die wissenschaftliche Auswertung der Schopfheimer Funde vor, die 2022 in einem Aufsatz veröffentlicht wird, der im „Jahrbuch archäologischer Ausgrabungen in Baden-Württemberg“ erscheint.

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