Schopfheim Die Kraft des Betens neu entdecken

Viel Freiraum gab es in der evangelischen Stadtkirche beim ersten Gottesdienst seit Inkrafttreten der Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Foto: Hans-Jürgen Hege

Schopfheim - „Irgendwann geht der Krug wieder an uns vorbei“, hofft Uschi Schmitthenner. Und eine Frau, die zum ersten Gottesdienst nach dem Corona-„Lockdown“ am Sonntag in die evangelische Stadtkirche gekommen war, begrüßte eine andere Besucherin strahlend: „Schön, dass wir uns wieder mal sehen dürfen!“

Und ein älterer Herr, der wie die übrigen Gläubigen von Pfarrer Martin Schmitthenners Team am Eingang persönlich begrüßt und zu einem der fein säuberlich ausgewiesenen 70 Plätze geleitet wurde, gab offen zu: „Ich freue mich riesig, dass ich heute mal wieder Gelegenheit bekomme, mit Gott und meinen Glaubensgenossen ins Gespräch zu kommen.“

25 Gäste beim Präsenzgottesdienst

Rund 25 Gäste hatten sich zum „ersten Präsenzgottesdienst in/nach der Corona-Krise“ in die Stadtkirche getraut. „Früher“, sagt Uschi Schmitthenner, „kamen an einem normalen Sonntag etwa 70 Menschen, um gemeinsam zu feiern und zu beten.“ Aber sie war zufrieden.Auch ihr Mann, der Pfarrer. Und sicherlich auch Christoph Bogon, der einsame Mann an der Orgel, der nach Wochen der Abstinenz ein erstes Lied anstimmte: „Wie lieblich ist der Maien…“. Niemand durfte mitsingen, „nur im Geist“, stand auf dem Blatt mit Verhaltensmaßregeln, das an der Pforte verteilt wurde. Jede zweite Bank war mit weiß-roten Bändern abgesperrt, auf der Treppe, im Eingangsbereich, markierten die Bänder den Mindestabstand von zwei Metern. 

„Rogate“, hieß der Sonntag, „betet, bittet“. Martin Schmitthenner forderte seine Gäste dazu auf, „die Kraft des Betens neu zu entdecken“. Dann würden, sagte er, „Ängste verfliegen, Bedenken zerstreut, das Böse schwächer und das Gute stärker.“ Es werde Hoffnung geweckt, versicherte er in seiner Predigt, die im Wechselgebet mit Reinhold Krevet und in der Erkenntnis mündete: „Beten ist etwas Persönliches. Dabei erlebe ich dankbar, dass ich ein Gegenüber habe, mit dem ich sprechen, den ich fragen, dem ich mein Leid klagen, mit dem ich aber auch einfach nur schweigen kann.“

Nachvollziehbar also, dass Martin Schmitthenner seine Zuhörerinnen und Zuhörer bat, aufzustehen, sich umzudrehen und sich gegenseitig „freundlich zuzuwinken.“ Alle machten mit. Und alle hatten Spaß dabei. Ein erfrischender Gottesdienst, der vielleicht sogar etwas darüber hinweg tröstete, dass der Anlass und die Umstände dieser Glaubensstunde nicht nur Hoffnung schürten, sondern irgendwie auch auf neutrale Beobachter durchaus etwas deprimierend wirkten.

Das dürfte wohl auch in den nächsten Wochen so sein. Alle zwei Wochen findet bis auf weiteres ein Gottesdienst in der Kirche statt. In der anderen Woche wird es wie bisher einen Online-Gottesdienst geben (www.eki-schopfheim.de).

Christi Himmelfahrt: Gottesdienst unter freiem Himmel

Die Christen der Markgrafenstadt sind an Christi Himmelfahrt zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst unter freiem Himmel eingeladen. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr in Eichen auf dem Platz vor der Hülschematthalle. „Es gibt eine besonders schöne und bunte Kartenaktion mit einer Postkarte von Yoko Ono und einem Lied von John Lennon“, verspricht Pfarrer Schmitthenner und weist darauf hin, dass der Gottesdienst „nach Verordnung von oben“, von der Landeskirche, maximal eine halbe Stunde dauern darf.

Die Kirchengemeinde werde für Menschen, die keine halbe Stunde stehen können, Sitzgelegenheiten in begrenzter Anzahl bereitstellen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte Klappstuhl oder Klapphocker mitbringen. 

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