Schopfheim Die Leser wollen echte Bücher

Die Stadtbibliothek ist derzeit für Besucher geschlossen. Nutzer können aber von der Onleihe Gebrauch machen. Foto: Petra Martin

Schopfheim - Der Jahresbericht der Stadtbibliothek für 2020 steht ganz im Zeichen der Coronapandemie. „Es ist deshalb offensichtlich, dass dieses Jahr Zahlen und Fakten anders interpretiert werden müssen“, erläutert Leiterin Katja Benkler.

Die Ausleihzahlen beliefen sich 2020 auf 111 918 Ausleihen, im Jahr 2019 waren es 162 239. Dies entspricht Einbußen von fast 31 Prozent. Die Anzahl des Gesamtbestandes blieb nahezu unverändert, es wurden circa 4000 Medien neu angeschafft, aber auch fast die gleiche Anzahl makuliert. Damit wurde die fachlich geforderte Erneuerungsquote von zehn Prozent erreicht.

Die Grenzen der virtuellen Ausleihe

Interessant sei, dass die Onleihe nicht den Zuwachs zu verzeichnen hatte, wie er zu erwarten gewesen wäre, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Die Ausleihe stieg von 13 055 im Jahr 2019 auf 15 090 Ausleihen im Jahr 2020, was eine Steigerung von 16 Prozent bedeutet. Es scheine Grenzen zu geben für die virtuelle Ausleihe von Medien – über die Jahre sei von vielen Kunden geäußert worden, dass sie lieber ein „echtes“ Buch in der Hand halten. „Oder um es positiv zu formulieren: Die Bibliothek vor Ort ist für die meisten Kunden unverzichtbar.“

Die seit Mitte 2013 bestehende „Onleihe Dreiländereck“ gestattete auch im Coronajahr den Zugriff auf 12 915 elektronische Medien, das heißt, Benutzer mit einem gültigen Bibliotheksausweis können unabhängig von Raum, Zeit und Bibliotheksschließung kostenlos E-Books, E-Audios und E-Papers über das Internet ausleihen.

Obwohl der Zuwachs im abgelaufenen Jahr nicht so stark zugenommen habe wie anzunehmen gewesen sei, sei dennoch zu betonen, dass die Onleihe über die vergangenen Jahre hinweg stetig gewachsen ist und die Kunden dieses Zusatzangebot sehr positiv aufgenommen hätten.

Die Ausleihen beliefen sich 2019 noch auf knapp 10 000 Ausleihen, inzwischen sind es bei den erwähnten Medien 15 090.

Die Bibliothek musste aufgrund von Corona-Lockdowns zwei Mal schließen, sowohl im Frühling wie auch im Winter.

Danach mussten die Öffnungszeiten reduziert werden: Die Überwachung der Coronamaßnahmen war sehr personalintensiv, bei dünn ausgestatteter personeller Decke konnte nur durch doppelten Personaleinsatz gewährleistet werden, dass die Coronaverordnung ordnungsgemäß umgesetzt werden konnte. Die Beobachtung war, dass die Besucherfrequenz abgenommen hat, dafür aber wesentlich mehr Ausleihen stattgefunden haben.

Personal war stärker gefordert als sonst

In diesem Zusammenhang werde zusätzlich deutlich, wie viel stärker das Personal gefordert war: In kürzerer Zeit wurden prozentual mehr Medien ausgeliehen, und es musste gleichzeitig auch auf die Einhaltung der Coronamaßnahmen geachtet werden, betont Bibliothekschefin Katja Benkler in ihrer Bilanz.

Das Team der Stadtbibliothek will sich bei den Kunden bedanken, die der Bibliothek die Treue gehalten haben, obwohl viele der Dinge, die die Leser über die Jahre schätzen gelernt haben, nun nicht mehr möglich gewesen seien, wie etwa das ausgiebige Stöbern oder Zeitung lesen.

Das Team der Bibliothek fand es schade, dass diese Angebote nicht im ursprünglichen Umfang stattfinden konnten, jedoch stand immer die Sicherheit der Kunden an allererster Stelle.

„Abschließend lässt sich sagen, dass das Jahr unter diesen Gesichtspunkten sowohl für die Kunden als auch das Personal eine Herausforderung war. Es ist klar, dass nach ausgiebigen Schließungen und deutlich eingeschränkten Öffnungszeiten nicht die Ausleihzahlen wie in den Jahren vorher erreicht werden können. Jedoch ist aufgrund der deutlichen Einschränkungen das Jahr 2020 trotz allem als Erfolg anzusehen, welches das Team der Bibliothek zusammen mit den Kunden gemeistert hat“, lässt die Schopfheimer Stadtverwaltung in ihrer Mitteilung wissen.

Nicht nur das Ausleihen von Medien wurde anders für die Kunden, auch konnten keine Autorenlesungen oder Vorlesen mit dem Kamishibai stattfinden. Katja Benkler konnte zwei Online-Vorlesungen mit dem Kamishibai leiten.

Während des ersten Lockdowns konnte ein Abholservice angeboten werden, der auch gern genutzt wurde. Auch während der Schließung und während des gesamten Jahres 2020 war das Bibliotheksteam fleißig: Der gesamte Bestand wurde auf RFID-Technologie konvertiert, und im November wurden Selbstverbucher und intelligentes Rückgaberegal geliefert und installiert. Ein Drittel der anfallenden Arbeiten wurde intern während des Lockdowns bewerkstelligt.

Seit Juli ist nun die RFID-Verbuchung an der Theke möglich, was ein deutlich schnelleres Ausleihen zur Folge hat. In diesem Zusammenhang ist auch noch zu erwähnen, dass diese Maßnahme mit 16 500 Euro vom Deutschen Bibliotheksverbund gefördert wurde.

„Wir hoffen auf mehr Normalität“

Wenn die Infektionslage es zulässt, wird die verbesserte Technik den Lesern im neuen Jahr zur Verfügung gestellt. Freigewordene Ressourcen können zur besseren Beratung genutzt werden. Außerdem können Wartezeiten minimiert werden, Leser können eigenverantwortlich ausleihen, was gleichzeitig auch für mehr Diskretion beim Ausleihvorgang sorgen wird.

Katja Benkler: „Wir hoffen, dass im zweiten Quartal wieder etwas mehr Normalität in den Bibliotheksalltag kommen kann, dies ist aber von den Infektionszahlen abhängig.“

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