Schopfheim „Die Menschen müssen hungern“

Gerald Nill

Die Pandemie erschwert die Spendenakquise für die Hilfsprojekte in Kamerun. Das berichtete Richard Renz, Vorsitzender des Dikomevereins, bei der Hauptversammlung im „Löwen“.

Von Gerald Nill

Schopfheim . Trotzdem fliegen Vereinsmitglieder im Januar nach Kamerun, um mit Projektverantwortlichen die diversen Hilfsprojekte zu besprechen. „Nach wie vor sind der Südwesten und unser Partnerschaftsgebiet von den Unruhen geplagt“, leitete Renz seinen Situationsbericht ein. Jeden Montag ist Ausgangssperre, „die ohne Vorwarnung auf zwei Wochen ausgedehnt wird“. Das habe zur Folge, dass die „Menschen hungern, weil sie keine Vorräte haben“. 

Hochwasser überspült eine Brücke

In Dikome versuche man, langsam zur Normalität zurückzukehren. „Leider ist die Versorgungslage desaströs“, erklärte der Vereinsvorsitzende. Die Stadt Schopfheim habe zweimal Mittel zum Kauf von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten zur Verfügung gestellt. 

Corona sei in den Buschdörfern nicht bekannt. „Hier bilden Malaria, Tuberkulose und Aids die Hauptgesundheitsbelastungen“, erklärte Renz. „In Bakumba wurde mit unserer Unterstützung eine kleine Gesundheitsstation aufgebaut.“ Auch der Schulbetrieb könne weitergehen.

Die beste Hilfe zur Selbsthilfe sei die Kaffeedirektvermarktung, fuhr Renz im Jahresbericht fort: „Im vergangenen Jahr konnten wir 18 Tonnen Kaffee importieren. Die diesjährige Ernte sei noch im Lager und werde handverlesen. Auch fehlende Container zur Ausschiffung bereiteten Sorgen.  

Bei einem gerissenen Antriebsriemen einer Turbine der Wasserpumpe war das Dorf Bakumba auf Ersatzlieferung aus Deutschland angewiesen. „Jetzt läuft die Wasserversorgung wieder“, konnte Renz melden. Mit der neuen Wasserversorgung in Lokando habe der Verein begonnen. „Leider ist es sehr schwierig, Sand und Zement in den Busch zu bekommen“, berichtete Renz. „Der Weiterbau in Dikome ruht und geht weiter, wenn die Bevölkerung in der Lage ist, die notwendigen Eigenleistungen zu erbringen.“

Der Wiesentäler Wasserlauf fiel in diesem Jahr erneut ins Wasser. Trotzdem sind viele Läufer auf eigene Initiative gelaufen und haben 17000 Euro für den Verein gespendet. „Das ist sensationell“, jubelte der alte und neue Vorsitzende.

Nach Fertigstellung einer Brücke ereignete sich in Dikome erneut ein Jahrhunderthochwasser. Baumstämme blockierten den Durchfluss und ein Flügel der Brücke wurde abgedrückt. Augenzeugen berichteten, dass das Wasser die Brücke gut zwei Meter hoch überflutete. Der Sachschaden liegt bei rund 10000 Euro.

„Ohne Brücke ist das Dorf abgeschnitten und Transporte sind nicht mehr möglich“, skizzierte Renz das nächste Vorhaben.

„Der Versuch, biologisch abbaubare Kaffeekapseln auf dem Markt zu etablieren, schlug leider fehl“, berichtete er. Die Lieferung sei an Tafelläden abgegeben worden. „Mit unseren Umsätzen sind wir zufrieden. Wir können trotz gestiegener Gesamtkosten den Kleinbauern nahezu den doppelten Marktpreis für ihren Kaffee bezahlen.“

Insgesamt sei die Lage des Vereins noch als befriedigend zu bewerten. „Allerdings machen uns der Mitgliederrückgang und die Altersstruktur Sorgen“, schloss Renz seinen Bericht. „Wir freuen uns deshalb über jede Unterstützung und würden auch neue Mitarbeiter begrüßen.“

Der Vorsitzende dankte Klaus Fleck und Gerd Arzet, die als letzte Gründungsmitglieder des Dikomevereins nach beinahe 24 Jahren aus dem Vorstand ausscheiden. „Neben Helfried Heidler und Günter Zabel waren sie es, die den Verein groß gemacht haben“, sagte Renz. Wasserversorgung und  Staudammbau, Schulprojekt, Kaffeeanbau und Infrastruktur in mehreren Dörfern stehen auf der Erfolgsbilanz der Protagonisten. Zusammen seien Arzet und Fleck über 50 Mal in Afrika gewesen, um die Projekte voranzutreiben. Sie seien die „Gesichter des Vereins“ in Dikome wie in Schopfheim,  würdigte Renz die Verdienste des Duos.

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