Schopfheim Die Orgel als Orchester

Jürgen Scharf
Eine Lehrstunde in Sachen spätromantischer Orgelmusik bot das Recital von Heinrich Walther beim Schopfheimer Orgelsommer. Foto: Jürgen Scharf

Die Orgel als Orchester: Bereits zum zweiten Mal erlebte das Publikum beim diesjährigen Schopfheimer Orgelsommer dieses sinfonische Klangphänomen. Mit Heinrich Walther saß ein versierter Interpret an den beiden Orgeln der Stadtkirche, der ein spätromantisches Programm bravourös darbot.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Auf dem Spieltisch lag eine von Walther mit Bleistift handgeschriebene Orgelpartitur der d-Moll-Sinfonie César Francks. Mit der Projektion der sinfonischen Orchesterpartitur auf den Klaviersatz gelingt dem Orgelprofessor, der das Fach Partiturspiel an der Musikhochschule Freiburg lehrt, die Orgel an das große spätromantische Orchester heranzuführen.

Weit über 80 Mal hat der weitgereiste Konzertorganist weltweit die Franck-Sinfonie aufgeführt; die Corona-Zwangspause gab ihm Gelegenheit, seine Bearbeitung noch einmal zu revidieren.

Diese komplette Version stellte er nun in Schopfheim vor. In seiner von klanglichem Ballast befreiten Neufassung wird das Geschehen gerafft und zu einem sinfonischen Guss gebracht.

Imponierende Registrierkunst

Der Gastorganist glänzte mit energischem Wiedergabestil, Formsinn und Gespür für die Zielrichtung der Sinfonie mit ihren üppigen Akkorden. Walthers Registrierkunst ist imponierend und durchhörbar, sein Spiel weist wunderbare dynamische und artikulatorische Feinheiten auf. Vibrierend, mit Verve und französischer Leichtigkeit gespielt, wird die Franck-Sinfonie in einer ganz entschlackten Deutung bei ihm zu Nervenkunst der französischen Spätromantik.

Allerdings überraschte die Wahl des Instruments. Walther hat das sinfonische Klang- idiom nicht auf der zeitlich passenden romantischen Voit-Orgel gesucht. Er entschied sich stattdessen für die moderne Schuke-Orgel, die sich leichter registrieren lässt, weshalb dieses Instrument für ihn die bestmögliche Lösung darstellte. Und klanglich hat es auch funktioniert. Ob man auf der Schuke unbedingt orchestrale Dimension demonstrieren sollte, ist aber eine andere Frage.

Der Hörvergleich bot sich an mit Julius Reubkes großer Orgelsonate (Psalm 94), gespielt auf der Voit-Orgel, stringent im Tempo, ohne das Werk – wie so oft – zu zelebrieren oder pathetisch aufzuladen. Bis hin zum bewegten Finale hat Walther die Sonate mit den herrlichen Farben der Emporenorgel aufgemischt und geschmeidig interpretiert.

Bewegtes Finale

Dass er das Orchester erklärtermaßen am interessantesten findet, machte Walther noch einmal deutlich in der Zugabe, dem schönen ersten Satz der Fantasie für Cello und Orchester von José Maria Usandizaga, einem bei uns unbekannten baskischen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts. In diesem Eigenarrangement konnte Heinrich Walther seine Vorliebe für Transkriptionen sinfonischer Musik mit seiner Leidenschaft für das Baskenland verbinden.

Umfrage

Nancy Faeser

Bundesinnenministerin Nancy Faeser will das Staatsbürgerschaftsrecht reformieren. Was halten Sie von den Plänen, die Hürden für eine Einbürgerung zu senken?

Ergebnis anzeigen
loading