Schopfheim „Die Situation ist nicht ganz einfach“

Gerald Nill
Die Festhalle Fahrnau wird derzeit als Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine genutzt. Die betroffenen Vereine müssen längerfristig in anderen Hallen trainieren. Foto: Gerald Nill

Die Festhalle in Fahrnau ist im Juli zu einer Gemeinschaftsunterkunft umgebaut worden. Die ersten Geflüchteten aus der Ukraine kamen Ende Juli in Fahrnau an. Betroffene Vereine müssen sich darauf einstellen, sich längerfristig in anderen Quartieren zu treffen.

Von Gerald Nill

Schopfheim-Fahrnau. „Heute ziehen zehn Bewohner in die Festhalle ein“, berichtete etwa die Pressestelle des Landratsamtes auf Anfrage an jenem Tag. „Zwei Personen wurden bereits in der Festhalle untergebracht, so dass aktuell zwölf Geflüchtete in der Festhalle leben.“

In der Regel sollte der Aufenthalt dort nicht länger als zwei Wochen dauern. Sobald alle Formalitäten erledigt sind, werde eine Verteilung auf andere Unterkünfte angestrebt.

Wie in jeder Gemeinschaftsunterkunft gibt es vor Ort eine Heimleitung, eine Sozialbetreuung und einen Sicherheitsdienst. Die Halle bietet Platz für rund 40 Personen und ist die neue Erstanlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine. Da derzeit genügend Plätze im Landkreis zur Verfügung stehen, wird die Buchenbrandhalle in Schönau im Schwarzwald mit 106 Plätzen bis auf weiteres nicht mehr belegt.

Damit stehen im gesamten Landkreis nun insgesamt rund 300 freie Plätze zur Verfügung. Sollten die Flüchtlingszahlen in den kommenden Monaten wieder stark steigen, kann die Halle in Schönau schnell reaktiviert werden.

Florian Kröncke, Fachbereichsleiter Aufnahme & Integration beim Landratsamt: „Die Gemeinschaftsunterkunft bietet als Erstanlaufstelle eine zentralere Lage mit einer besseren ÖPNV-Anbindung, und mehr Kochgelegenheiten, die den Bewohnern eine höhere Eigenständigkeit ermöglichen.“ Genau das war in Schönau vermisst worden. Zudem bieten die massiveren Trennwände eine bessere Privatsphäre in den Zimmern.

Landratsamt: „Eine Prognose ist nicht möglich“

Aktuell leben rund 400 Geflüchtete aus der Ukraine in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises. Zahlreiche weitere Geflüchtete konnten mittlerweile in Wohnungen vermittelt werden. Es wird allerdings mit weiteren Zuweisungen aus der Landeserstaufnahmestelle in Freiburg gerechnet.

Zur Frage nach den Einschränkungen für Vereine teilt das Landratsamt mit: „Eine genaue Prognose, zum Beispiel im Hinblick auf die Fasnacht 2023, ist derzeit noch nicht möglich. Wir befinden uns hierzu jedoch im regelmäßigen Austausch mit der Stadt Schopfheim.“

Diese Auskunft bestätigt Jürgen Sänger, Fachbereichsleiter im Schopfheimer Rathaus, der mitteilt, dass die Stadt die betroffenen Vereine mit ins Boot genommen habe. „Wir befinden uns von Anfang an mit den betroffenen Vereinen im Kontakt“, so Sänger. Die Festhalle Fahrnau sei vom TV Fahrnau, der VHS, einer Tanzgruppe sowie für Veranstaltungen genutzt worden, darunter auch den Zunftabend. Die Tanzgruppe habe in Enkenstein ein Ersatzquartier gefunden, berichtet Sänger.

Stadt: Übungsbetrieb kann aufrecht erhalten werden

Der TV könne ebenfalls in anderen Hallen seinen Übungsbetrieb aufrecht halten. Lösungen habe es auch für die Volkshochschulkurse gegeben. Knackpunkt sei die Fasnachtsfeier, die in einem halben Jahr ansteht. Auch hier habe die Stadt Schopfheim der Gesellschaft aber eine Alternative angeboten, die nun vom Vorstand geprüft werde.

Der TV Fahrnau hat eine andere Sicht auf die Dinge. Der Verein sei nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, und natürlich könne dies zu Einschränkungen führen, so Diana Sorzio vom Vorstand des TV.

„Das ist klar und auch nicht das Problem. Was uns stört, ist die Kommunikation. Wir haben am Freitag vor den Osterferien die Nachricht von der Stadt erhalten, dass wir nach den Osterferien nicht mehr in die Halle können, weil das Landratsamt die Halle für die Flüchtlinge vorbereiten wird. Um alle betroffenen Mitglieder im Urlaub zu informieren und Alternativlösungen zu finden, war das definitiv zu kurz. Die Stadt hätte dies wohl auch erst so kurzfristig erfahren.“ Der TV habe „null Hilfe“ erhalten. Alle Lösungen, zum Teil gegen Gebühr, habe der Verein selbst gesucht. Die Hallen in Schopfheim seien ausgelastet. Sänger räumt ein, die Situation sei „natürlich nicht ganz einfach“. Aber die Stadt habe dem Landkreis ein Angebot zur Unterbringung machen wollen. „Wir wollten helfen.“

TV: „Wir haben null Hilfe erhalten“

Dabei habe man eine Halle wählen müssen, die nicht für den Schulsport genutzt werde. Deshalb sei nur Eichen und Fahrnau in Frage gekommen. Da in Eichen die Halle auch vom Kindergarten genutzt werde, sei die Wahl letztlich auf Fahrnau gefallen, bittet Sänger um Verständnis.

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