Schopfheim Die Spießbürger in die Pfanne hauen

Markgräfler Tagblatt, 14.11.2017 00:00 Uhr

Von Jürgen Scharf

Nicht das „Königliche Bayerische Amtsgericht“ war auf der Schopfheimer Stadthallenbühne in der Aboreihe zu sehen, sondern Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ als bayrischer Schwank.

Schopfheim. Eine Art Komödienstadl mit Ex-Kinderstar Hansi Kraus in der Rolle des alten Schriftstellers Ludwig Thoma, der sich an seine listigen Pennälerstreiche erinnert.

Hansi Kraus kennt man aus den verschiedenen Verfilmungen dieser Lausbubengeschichten, die 1964 in der Regie von Helmut Käutner erstmals ins Kino kamen. Damals stand er mit bekannten Schauspielern wie Beppo Brem, Georg Thomalla und Elisabeth Flickenschildt (als Tante Frieda) vor der Kamera. Diese Filme kann man sich immer wieder anschauen.

Aber es war amüsant, dem mittlerweile 65-jährigen Hansi Kraus, den man als kleinen Jungen in dieser Rolle in Erinnerung hat, einmal leibhaftig zu begegnen. Er ist erstmals mit dem Ludwig Thoma-Klassiker auf Tournee. Die Lausbubengeschichten wurden ganz passabel für die Bühne hergerichtet (Inszenierung und Bearbeitung: Florian Battermann), das Buch geschickt dramatisiert und eine Rahmenhandlung angebaut.

Das Stück, das auch etwas von der „Feuerzangenbowle“ hat, spielt in einer urigen bayrischen Beiz, die Besetzung in Tracht. Das Mobiliar der Ausstattung ist recht rustikal, Holztische, Kachelofen, Tresen, ein Geweih an der Wand, Bierseidel, die Wirtin im Dirndl, die feschen Buben in krachledernen Sepplhosen, Kniestrümpfen, Hosenträgern mit Edelweißstickerei. Der alte Ludwig Thoma kommt an den Stammtisch und blickt auf seine Jugend als verzogener Flegel in einem bayrischen Dorf zurück. Er erzählt, wie er als frecher Bengel den strengen Lehrern, dem Herrn Pfarrer und der lästigen Verwandtschaft, sprich der nörgelnden Tante Frieda (Rupert Mitterer in einer lustigen Travestierolle) übel mitgespielt hat.

Es passt, dass Thomas real-satirischen Schilderungen des bayrischen Alltag von anno Tobak und seine Kritik an Gesellschaft, Kirche und Staat einmal auf die Bühne kommen - durch einen geschickten dramaturgischen Kniff. Denn der alte Ludwig Thoma erzählt nicht nur, dass er es faustdick hinter den Ohren hatte und die Erwachsenen ärgerte, er fordert die Stammtischfreunde, Wirtin (Sonja Wigger), Ausschankhilfe (Michaela Weingartner), Gäste und drei Buben von der Kegelbahn auf, das nachzuspielen.

Und so kommt es zu lustigen Spielszenen mit Tante Frieda, dem Religionslehrer, Rektor, Pedell sowie dem ehemaligen Hauptmann Semmelmaier, dessen Pfeife durch Schießpulver explodiert. Dieser böse Schabernack erinnert an den Lehrer Lämpel bei Wilhelm Busch. In Nullkommanichts verwandelt sich die Wirtsstube in ein Klassenzimmer oder in die Wohnstube der Familie Thoma, alles bühnengerecht umsetzt in dieser Inszenierung der Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig.

Ferdinand Ascher als jungem umtriebigem Lausbub Ludwig nahm man gerne ab, dass er um solche bösen Einfälle nie verlegen war. Er ist ein ganz netter Strolch und man freut sich, wenn er die Spießbürger in die Pfanne haut, die Tante vergrault und Papagei Lorchen Federn lassen muss.

Liebenswürdig, sympathisch und verschmitzt agiert Hansi Kraus als älterer Herr, der Anekdoten zum Besten gibt und aus dessen Mund die populären Schulbankerzählungen authentisch klingen, der allerdings in dem ansonsten bemerkenswerten Ensemble textlich etwas holpert.

Auch wenn die Bühne aus Norddeutschland kommt, sprach das Ensemble echtes Bayrisch („Himmelherrgottsakrament!“), weil es mit bayrischen Schauspielern bestückt ist. So stimmte die typisch bayrische Mundart, die allerdings durch die neue Mikrofonierung in der Stadthalle künstlicher klang. Ein kurzweiliger und wieder deutlich besser besuchter Abend als beim Saisonauftakt.

 
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