Schopfheim „Diese Erfahrung bleibt in meinem Herzen“

Markgräfler Tagblatt, 13.04.2018 22:00 Uhr

Sie fegte, putzte, schrubbte und desinfizierte, sie spielte mit kleinen Patienten, half dem medizinischen Team und lernte viel übers Land: Jetzt ist Ma­lena Hinrichs zurück von ihrem Hilfseinsatz auf dem Hospitalschiff „Africa Mercy“ in Kamerun.

Von Petra Martin

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Schopfheim-Eichen. „Es war eine tolle Erfahrung“, schwärmt die 18-Jährige aus Eichen, die zwei Monate als Freiwillige auf dem Schiff wohnte und arbeitete. Das Hospitalschiff lag während dieser Zeit in Douala im Hafen, und Malena Hinrichs, die im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht hat, war im Housekeeping eingesetzt.

„Wir waren das coolste Team auf dem ganzen Schiff“, lacht sie. Zusammen mit Kamerunern, die aufs Schiff kommen und dort bezahlte Arbeit leisten, hätten die ehrenamtlich tätigen Helfer aus Ländern wie Deutschland, Neuseeland, den USA und aus Großbritannien „auf dem Schiff alles geputzt“. Das Team von 15 bis 20 Leuten sei auf sieben Decks tätig gewesen, auf einem Deck hätten sie zu zweit oder dritt in gemischten Teams gearbeitet. „Die Kameruner haben gute Laune mitgebracht.“ Zwar sei das afrikanische Englisch anfangs schwer für sie zu verstehen gewesen, zumal ja in Douala Französisch gesprochen werde und der Akzent entsprechend ausfalle, aber mit der Zeit sei es gegangen. „Man hat sehr viel von der Kultur erfahren“, sagt Malena Hinrichs.

Der Tag habe mit Beten und Singen begonnen. „Wir haben afrikanische Lieder gesungen, und am Ende des Einsatzes konnte man alle Texte auswendig.“ Dienstbeginn sei um 8.30 Uhr gewesen, -ende um 16.30 Uhr. Man habe „relativ viele Pausen“ gehabt. In der Regel arbeitete Malena Hinrichs von Montag bis Freitag.

An den Wochenenden konnten die Freiwilligen einige „Mercy Ministries“ übernehmen, zum Beispiel Besuche in Schulen für taube oder stumme Kinder; Malena Hinrichs war Gast in einem Waisenhaus, wo sie mit Kindern spielte. Auch im „Hope Center“ war sie aktiv: Dort sind die Patienten vor und nach den Operationen untergebracht. Patientenkontakte

Mit Waisenkindern gespielt

gab es auch auf dem Hospitalschiff; sonntags gab es einen Gottesdienst im Krankenhaus.

Einen Tag lang begleitete Malena Hinrichs eine kandische Krankenschwester bei ihrer Tätigkeit im Krankenhaus der „Africa Mercy“. Viele Mitglieder des medizinischen Teams hätten geäußert, dass sie bei ihrem Einsatz Krankheitsbilder sehen, die sie sonst nur aus Büchern kennen.

An einem freien Tag beteiligte sie sich an einem Projekt zugunsten von Patienten der Zahnklinik, die dort wie auch eine Augenklinik auf dem Gelände eines örtlichen Krankenhauses angesiedelt ist. „Es gab ein dental screening“, erzählt Malena Hinrichs. Dabei seien die Patienten ausgesucht worden, die zahnmedizinisch behandelt wurden.

Wenn Patienten mit Tumoren kamen und angesichts des festgezurrten OP-Plans nicht berücksichtigt werden konnten, sei das sehr traurig für sie gewesen, berichtet Malena Hinrichs. Aber sie habe sich sehr für die Einheimischen gefreut, denen geholfen werden konnte.

Die Patienten seien sehr dankbar gewesen; so habe es auch Feste für Geheilte gegeben, etwa die „celebration of sight“, das „Fest des Sehens“, wenn Menschen mit grauem

Geheilte Patienten feiern Feste

Star wieder sehen konnten, oder „dress celebrations“ für Patientinnen nach gynäkologischen Eingriffen.

Trotz der Unruhen in Kamerun konnte Malena Hinrichs, die auf dem Schiff in einer Zweierkabine untergebracht war, Wochenendausflüge in die Umgebung Doualas unternehmen und sehen, aus welchen Gegenden die Patienten des Hospitalschiffs kamen. „Ich konnte mir dann viel besser vorstellen, unter welchen Lebensbedingungen die Menschen wohnen.“

Das Schiff habe einen eigenen Sicherheitsbeauftragten gehabt, und sie habe sich immer sicher gefühlt. Gegen Ende ihres Einsatzes sei die Lage, die derzeit von politischen Unruhen gekennzeichnet ist, aber angespannter geworden. So sei sie noch auf dem Mount Cameroun gewesen; einen Tag später sei der Zugang gesperrt worden, es habe Geiselnahmen gegeben.

Als schönes Erlebnis wertet Malena Hinrichs die gemeinsamen Essen mit Einheimischen, Ärzten, Krankenschwestern und Köchen an Bord. „Da waren alle gleichgestellt.“ Trotz der unterschiedlichen Herkunftsländer des Teams seien alle fürs gleiche Ziel da. „Ich habe jetzt Freunde auf der ganzen Welt“, freut sich die Freiwillige aus Eichen, deren Anliegen es immer schon war, anderen Menschen zu helfen.

„Die Erfahrung bleibt in meinem Herzen“

„Die Zeit auf dem Mercy Ship hat mich auf jeden Fall weitergebracht“, bilanziert Malena Hinrichs. „Es war eine tolle Erfahrung, die auf jeden Fall in meinem Herzen bleiben wird.“

Mit ihrer Arbeit im Housekeeping habe sie dem ganzen Projekt und den Menschen in Kamerun gedient. Jedes Bett auf dem Schiff sei an Menschen vergeben, die das Schiff „weiterbringen.“

Die 18-Jährige will nach wie vor Ärztin werden und im Wintersemester mit dem Studium beginnen. Am 5. Mai muss sie zum Medizinertest. „Mein Plan ist es, als Ärztin wiederzukommen.“

Die „Africa Mercy“ ist das größte private Hospitalschiff der Welt. Es verfügt über eine ständige Besatzung von 400 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Auf dem Schiff arbeiten Menschen aus 36 Ländern. Die Mercy Ships sind eine nicht gewinnorientierte Organisation, die den Armen ehrenamtlich fachmedizinische Hilfe gewährt. Ziel ist es nach eigenen Angaben, „mit Gesundheitsprogrammen und lebensverändernden chirurgischen Eingriffen praktisch zu helfen“ und „Liebe am Nächsten“ zu praktizieren.

Die „Africa Mercy“ wird im Juni den Hafen der kamerunischen Küstenstadt Douala verlassen und nach einem Werftaufenthalt auf den Kanaren das westafrikanische Land Guinea für einen weiteren Einsatz ansteuern.

Einige Crewmitglieder sind nur wenige Wochen an Bord, andere für Jahre. Die Mercy Ships haben ihren Hauptsitz in den USA. Die Arbeit finanziert sich aus Spenden.

Kontakt: Mercy Ships Deutschland e.V., Rudolf-Diesel-Straße 5, 86899 Landsberg am Lech, Tel. 08191/98550-0. E-Mail: mail@mercyships.de.

Bankverbindung: Kreis-und Stadtsparkasse Kaufbeuren. IBAN: DE58 7345 0000 0000 5244 47BIC: BYLA DE M1 KFB.

 
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