Schopfheim Drei „Stolpersteine“ als Auftakt

Auf der Zielgeraden sieht sich die Initiative Stolpersteine Wiesental, die am 20. Oktober mit einer feierlichen Gedenkveranstaltung an die Deportation von jüdischen Mitbürgern aus Schopfheim erinnern möchte.

Von Gerald Nill

Schopfheim . Bei einem Treffen am Dienstag besprach die Gruppe letzte organisatorische Details. 

Es ist gerade einmal neun Monate her, dass die Idee „Stolpersteine Wiesental“ geboren wurde. Seitdem recherchierte die Initiative, wie viele Mitbürger aus Schopfheim deportiert worden sind.

Es waren wohl zehn von insgesamt 40 Juden, aber nur bei drei Personen traf das Kriterium zu, dass sie schon länger freiwillig am letzten Wohnort ansässig waren, wie jetzt Marianne Merschhemke mitteilte.

„Wir wollen deshalb die ersten drei Gedenksteine in der Wallstraße 5 für die Familie Bella, Wilhelm und Melitta Auerbacher verlegen.“

Merschhemke hat herausgefunden, dass Melitta und Wilhelm Auerbacher auf den letzten Drücker im Frühjahr 1940 nach Amerika flüchten konnten. Dieses Glück war Bella Auerbacher nicht beschieden. Sie wurde am 22. Oktober 1940 erst nach Gurs verschleppt und 1942 nach Auschwitz geschafft, wo sie die Nazis umbrachten. 

„Die Opfer der Nazi-Herrschaft haben nie einen Grabstein erhalten, deshalb wollen wir durch die Stolperstein-Aktion das Erinnern an ihre Namen wach halten“, erklärt die Initiative ihre Motivation. 

In den vergangenen 20 Jahren  hat Künstler Gunter Demnik schon über 80 000 Stolpersteine in 27 Ländern verlegt. Er wird bei der Aktion in Schopfheim persönlich anwesend sein. 

Gemeinsam überlegte das zwölfköpfige Stolpersteine-Team, wie das Ereignis möglichst würdig vonstatten gehen kann.

Bereits am Vorabend der Stein-Verlegung soll am Dienstag, 19. Oktober, um 19 Uhr in der Alten Kirche St. Michael ein Vortrag stattfinden. Klar ist,  dass neben einem Rabbiner dazu Vertreter der Stadt, der Schulen und der Kirchen eingeladen werden. Mehrere Lehrer hiesiger Schulen bestätigten, die Gedenkveranstaltung mit ihren Schülern aktiv begleiten zu wollen. 

Am Mittwoch, 20. Oktober, um 9 Uhr beginnt die eigentliche Verlegung der Stolpersteine, was etwa eineinhalb Stunden dauern wird. Dabei sollen  Musikstücke gespielt und Texte vorgetragen werden.

Eingeladen ist auch bereits ein in Israel lebender Großneffe der betroffenen Familie Auerbacher, der sein Kommen zugesagt hat. 

Für Merschhemke ist klar: „Für uns ist das erst der Auftakt der Aktion. Es bleibt nicht bei den drei Stolpersteinen, es soll weitergehen.“ Dazu will die Stadträtin der Grünen auch Kontakt zu den Bürgermeistern im mittleren und oberen Wiesental aufnehmen. Sie sollen ebenfalls recherchieren, ob in ihren Städten und Gemeinden jüdische Mitbürger verfolgt und verschleppt worden sind. Der Talmud, eine Sammlung jüdischer Gesetze und Sprüche, sagt: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

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