Schopfheim „Ein guter Freund geht von Bord“

Der Kapitän der „MS Theo“ geht von Bord: Besatzung und Passagiere der THG-Schulgemeinschaft winkten stürmisch Lebewohl – eine Brise Bedauern und Wellen der Dankbarkeit durchaus mit inbegriffen.

Von Anja Bertsch

Schopfheim . Mit diesem von der stellvertretenden Schulleiterin Birgit Müller gewählten Bild verabschiedete das Gymnasium seinen langjährigen Direktor Wolfgang Stocker in den Ruhestand.

Dabei verlässt er keineswegs ein sinkendes Schiff – in den 14 Jahren seiner Dienstzeit machte er das THG vielmehr zu einem „Flaggschiff der hiesigen Schullandschaft“ gemacht, wie Bürgermeister Christof Nitz anerkannte.

Die warmen Worte und die originellen Abschiedsgeschenke zeugten von der tiefen Wertschätzung, die Stocker offenkundig genoss. Neben seiner fachlichen und pädagogischen Kompetenzen als Mathe- und Physiklehrer wie als Schulleiter hoben alle Redner seine menschlichen Qualitäten und sein insbesondere offenes Ohr“ hervor.

Birgit Müller dankte Stocker dafür, dass er das Schulschiff sicher durch teils stürmische See und etliche bildungspolitische Kurswechsel gelotst habe, hob „Humor“ und „tiefste Menschlichkeit“ hervor und schloss bewegt: „Ein guter Freund geht von Bord.“

„Für Führungsaufgaben zu empfehlen“, zitierte Thomas Steiner als leitender Regierungsschuldirektor einen frühen Eintrag aus der Personalakte Wolfgang Stockers. Über die Zwischenstation als Vizedirektor in Rheinfelden kam Stocker vor 14 Jahren als Schulleiter ans THG und habe es mit Vollgas, „netzwerkend und strukturiert“ weiterentwickelt. „Sie waren ein echtes Glück für das THG“, betonte Steiner.

Mit Stocker verabschiede sich ein Weggefährte, mit dem es lange Jahre ein freundschaftliches Miteinander gegeben habe, erklärte Bürgermeister Nitz. In seiner Wirkungszeit habe sich das THG in Sachen baulicher Infrastruktur unter Millioneninvestitionen immens weiterentwickelt – unter anderem mit dem Neubau der Mesa, der Hallensanierung und schließlich der Generalsanierung seit 2014. Als Paradebeispiel für die inhaltlichen Akzente, die Stocker gesetzt habe, nannte Nitz die Entscheidung, das THG als Modellschule in Sachen G9 aufzustellen.

In weiteren Grußworten kam unter anderem die „unglaubliche Menschlichkeit“ eines „sehr nahbaren Chefs“ zur Sprache (Idoia Baranano namens des Personalrates).

Als stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender zeigte sich Markus Heubes im Namen Schulgemeinschaft „traurig, dass ein so toller Kommunikator geht.“

Für die Freunde des Gymnasiums bedankte sich Dieter Raps für die gute Zusammenarbeit, und schließlich überbrachten die Schülersprecher Rachel Herbrich und Michael Göhring ihrem „Stocki“ namens der Schülerschaft ein lockeres Dankeschön.

Wolfgang Stocker selbst hob nochmals die Grundsätze hervor, die ihn Zeit seines Lehrerlebens geleitet haben, und fand dabei durchaus mahnende Worte mit Blick auf aktuelle Entwicklungen. Mehr denn je sollte das Gymnasium neben der fachlichen auch wieder die Charakterbildung ins Zentrum stellen. Er äußerte zudem den Wunsch, dass die Politik den pädagogischen Konzepten wieder mehr Verlässlichkeit und Zeit zur Entfaltung biete, und sie nicht im kurzlebigen Zickzack-Kurs auftreibe.

Zwischen den Redebeiträgen sorgte das Schulorchester für Auflockerung. Flankiert wurden die Dankesworte von originellen Geschenken: So hat auch Wolfgang Stocker nun ein Porträt in Öl (gemalt von Cindy Reiche im Auftrag des Elternbeirats). Die Schülersprecher rollten ein mit Bierkasten, Blaulicht und Fuchschwanz getuntes Seniorengefährt auf die Bühne.

Die Schulgemeinschaft hatte unter Regie von Lehrer Lukas Engelke für ein ganz besonderes Gemeinschaftsgeschenk zusammengespannt: Unter größter Geheimhaltung und wochenlangen Dreharbeiten entstand ein rasanter Film, in dem jeder einzelne der über 1000 Schüler und jeder Lehrer dem Rektor ein dickes Dankeschön-Aufwiedersehn sagt.

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