Schopfheim Ein Kanal schlägt hohe Wellen

Markgräfler Tagblatt

Für ein staubtrockenes Gewässer schlägt er ganz schön Wellen: Der Seitenkanal im Bifig lieferte – nur wenige Tage nach einem Ortstermin von Bürgermeister Dirk Harscher und Rathausmitarbeitern mit Anwohnern – auch im BUT-Ausschuss erneut Gesprächsstoff.

Von Werner Müller

Schopfheim . CDU-Fraktionschef Jeannot Weißenberger, selbst beim Ortstermin zugegen, empfahl der Stadtverwaltung in der Sitzung am Montagabend, doch mal mit dem früheren Bürgermeister Klaus Fleck Kontakt aufzunehmen Der wisse sicher noch Bescheid, welche Funktion der künstliche Bach im Zusammenhang mit der Heizzentrale im Bifig einst hatte. Vielleicht, so Weißenberger, könne man das Gewässer ja wieder in seinen „ursprünglichen Zustand“ zurückversetzen.

Mit Verwunderung registrierte indes Thomas Gsell den hohen Wellengang im Bifig. Schließlich habe der Gemeinderat nach Beurteilung aller Fakten der Bepflanzung des Kanals zugestimmt. „Zählen jetzt Unterschriften und das Gutdünken der Anwohner oder unsere Beschlüsse?“, fragte sich der SPD-Stadtrat.

Die Stadt will, wie mehrfach berichtet, den Bachlauf im Bifig bepflanzen, weil dieser immer öfter trocken fällt, wenn im Gewerbekanal zu wenig Wasser fließt – mit der Folge, dass jedes Mal Fische verenden. Vor allem in regenarmen Sommern bleibt der Seitenkanal oft über Monate hinweg ohne einen Tropfen Wasser.

Die Anwohner laufen indes gegen die geplante Bepflanzung Sturm, sie sammelten mehr als 200 Unterschriften und wollen „ihren Bach“ behalten.

Tatsächlich floss an der Stelle, wo sich heute der Seitenkanal befindet, nie ein Bach. In den 1980er Jahren ließ die Stadt dort vielmehr eigens einen Kanal bauen, um mit dem aus dem Gewerbekanal abgezapften Wasser die Wärmepumpe der Heizzentrale im Bifig zu versorgen. Die Stadt legte diese Wärmepumpe aber schon Anfang der 1990er Jahre wieder still, weil sich das darin verwendete Kältemittel Frigen als „Ozonkiller“ entpuppte.

Der Seitenkanal blieb weiterhin bewässert, obwohl er damit seine eigentliche Funktion eingebüßt hatte. Später kam dann im Bifig unterhalb des Einlaufs zum Seitenkanal noch ein neues Kraftwerk dazu, das auf eine Mindestmenge an Wasser im Gewerbekanal angewiesen ist. Trotzdem blieb auch noch für den Seitenkanal genug übrig – bis in die jüngste Zeit jedenfalls.

Der Bürgermeister hatte beim Ortstermin versprochen, das Anliegen der Anwohner aufzunehmen und noch einmal zu prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, den Seitenkanal trotz der veränderten Bedingungen – Stichwort: Klimawandel, Wasserknappheit, Kraftwerk – weiter offen zu halten.

Das dürfte so einfach nicht sein. Kenner der Materie halten es jedenfalls für notwendig, das Thema gesamthaft anzugehen und das hydraulische System im Gewerbekanal und seinen Seitensträngen ab dem Hammerwehr unter die Lupe zu nehmen. Denn auch das Wuhr im Stadtpark leidet seit langem unter der Trockenheit.

Für den Fall, dass man den Seitenkanal künftig tatsächlich nicht ganzjährig bewässern kann, könnte man nach Dafürhalten von Kennern der Materie eventuell versuchen, mit einer Fischsperre am Einlass zu verhindern, dass bei jedem Kanalabschlag oder bei jedem Niedrigwasser im Bifig wieder unzählige Fische ums Leben kommen.

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