Schopfheim Ein Konzert der leisen Töne

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Die russische Geigerin Ivetta Viatet und der ukrainische Pianist Andrii Stepanenko boten eine Kostprobe ihres exzellenten Könnens. Foto: Ines Bode

Schopfheim (ib). 77 Menschen aus der Ukraine leben seit Anfang März in der Flüchtlingsunterkunft in Bamlach - zu ihren Gunsten fand am Sonntag ein großes Benefizkonzert mit rund 35 Mitwirkenden in der evangelischen Stadtkirche statt.

Es war ein Konzert der leisen Tönen. Sanfte und behutsame Klänge füllten den Raum. Selbst die kräftigen Bass-Register gestatteten sich gerade mal einen Flüsterton. Lieder für den Frieden kamen zu Gehör, etwa „Make love not war“. Hinzu gesellten sich wenige Stücke, die dynamischer ausfielen. So die „Ode an die Freude“, das Schlusslied, das nach der über dreistündigen Vorstellung das Publikum und die Musiker vereinte.

Musikalisches Zeichen

Eine Vereinigung hatte auch die Cellistin Ceciel Strouken organisiert: Musiker und Sänger aus dem Kreisgebiet, aus Basel und dem Elsass folgten ihrem Aufruf, ein musikalisches Zeichen zu setzen.

Den politisch-musikalischen Höhepunkt bildete der Auftritt der russischen Geigerin Ivetta Viatet und des ukrainischen Pianisten Andrii Stepanenko. Zuerst boten sie mit der wahrlich gemütvollen „Melody“ des Ukrainers Myroslav Skoryk eine Kostprobe ihres exzellenten Könnens. Dann stellten sie sich Hand-in-Hand vor die Zuschauer, um den tosenden Applaus zu empfangen.

Begonnen hatte der Abend mit einem „Kaddish“, einem jüdisches Gebet zum Totengedenken, vorgetragen von Bettina Bauer auf dem Violoncello.

Es folgten „Voix célestes“, die himmlischen Stimmen, mit einem sakral geprägten Repertoire. Eva Schindelin, Thomas Schindelin und Ceciel Strouken nahmen sich Händels an. Gabriele Haarmann und Philippe Dreger präsentierten eine Sonate, der sich „Flauti Allegri“ mit einem Querschnitt anschloss. Nachdem die Flöten „Un dia de paz“, einen Friedenstag, besungen hatten, ließen Monika Kordowich und Strouken Beethoven folgen.

Friedenstag

Weiter ging es mit Michaela Bongartz und Ewald Gutenkunst, die sich an Klavier und Cello dem „Jewish Life“, dem jüdischen Leben, widmeten. Zu später Stunde setzte sich Christoph Bogon an die Orgel, um mit Ceciel Strouken eine sanft gespielte Bach-Sonate sowie zwei französische Stücke erklingen zu lassen. Abgerundet wurde der Part mit einem Solo des Bass-Baritons Ralf Ernst.

Ganz andere Töne steuerten Steffi Lais, Gabriele Haarmann und Mario Enderle bei, etwa einen Neil Young-Song, veredelt mit Violine-Akkorden. Perfekt platziert schien der letzte Vortrag. Das Ikara-Ensemble wechselte ins lockere Fach, um sich mit „Admiracion“ von Luis Laguna pure „Bewunderung“ zu sichern. Gesprochene Verse flocht Pfarrerin Ulrike Krumm ein, unter anderem von Brecht, die sich schlicht an das Leben richteten.

Eine besondere Geschichte schilderte auch Christoph Koch vom Verein „Samuel Koch und Freunde“. Der Verein habe mit 80 Freiwilligen das Bamlacher „Marienheim“ für die ukrainischen Männer, Frauen und Kinder auf Vordermann gebracht. Zuvor knüpfte man Kontakt zu einer ukrainischen Initiative, die behinderte Menschen aus dem Kriegsgebiet holt. Die neuen Bewohner des Marienheimes kamen in Bussen wohlbehalten nach Deutschland. Viele sitzen im Rollstuhl.

4200 Euro an Spenden

„Wir haben zwei Brüder, wovon einer ein amputiertes Bein hat, es gibt eine schwangere Frau mit einem blinden Mann, und es gibt ein Kind mit Autismus“, berichtete Koch über Einzelschicksale. Mehrfach sprach er Dank aus, gerichtet an die Konzertbesucher wie an die Mitwirkenden. Beteiligt hatten sich die Stadt Schopfheim und die Kirchengemeinde.

Eine glückliche Organisatorin Ceciel Strouken vermeldete abschließend, dass die Besucher mehr als 4200 Euro gespendet hatten.

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