Schopfheim „Ein Leben lang füreinander da zu sein“

(os)
Hildegard und Kurt Schlinke können am morgigen Donnerstag ihre diamantene Hochzeit feiern. Foto: Ralph Lacher

Schopfheim - „Wir haben uns vor 60 Jahren versprochen, ein Leben lang füreinander da zu sein. Und das haben wir gerne befolgt, aus Zuneigung und Liebe, aber auch aus christlicher Überzeugung“. Das sagt Hildegard Schlinke, die am Donnerstag mit Ehemann Kurt die diamantene Hochzeit feiern kann.

Und diese Zutaten einer langen Ehe waren, so erzählt das Jubelpaar, in den vergangenen 60 Jahren vielfach gefordert. Da waren Krankheiten und Berufsunfälle, die gegenseitige Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe beim Wiedereinfinden in den Alltag erforderten. Diese Zeiten habe man auch dank Unterstützung der Familie, der vier Töchter und der sechs Enkel und vier Urenkel gemeistert.

Beide Eheleute stammen aus Ostpreußen, wo Kurt Schlinke am 14. November 1931 und Hildegard Schulz am 19. März 1939 geboren wurde. Beide erinnern sich noch gut an Flucht und Vertreibung. Diese brachte sowohl die Familie Schulz wie auch die Familie Schlinke zuerst nach Schleswig-Holstein, dann im Zuge von Umsiedlungsmaßnahmen ins Wiesental.

Hildegard Schulz lebte in Sallneck, Kurt Schlinke in Wiechs. Beide Familien lebten ihre christliche Überzeugung in einer evangelischen Gemeinde in Lörrach. „Dort habe ich eine junge Frau mit wunderschönem, langem Haar kennen und lieben gelernt“, erinnert sich Kurt Schlinke an die ersten Kontakten zur späteren Ehefrau. Am 20. Juni 1959 fand die Hochzeit statt. Kurt Schlinke arbeitete damals schon fast ein Jahrzehnt als Färber bei der Hanfunion.

Hildegard Schlinke blieb zuerst daheim, war als Hausfrau und Mutter von vier Mädchen gefordert, arbeitete danach als Verkäuferin im Lebensmitteleinzelhandel.

Der christliche Glaube gab dem Ehepaar nicht nur Rückhalt, sondern füllte auch wesentliche Teile der Freizeit. Beide engagierten sich in der evangelischen Kirchengemeinde, sangen 52 Jahre lang gemeinsam in der Kantorei Schopfheim. Hildegard Schlinke machte dazu gerne Handarbeiten, der Ehemann war begeisterter Tourenradler und pflegte Haus und Garten. Gerne erinnern sie sich auch an gemeinsame Reisen, vor allem jene, die sie in die zwischenzeitlich zu Polen gehörende, alte Heimat führten. „Es war schön zu erleben, wie die Menschen, die in den Kriegsjahren Schlimmes erlebten durch die Deutschen, uns begegnet sind“, sagt Hildegard Schlinke. Und Kurt Schlinke fügt an, dass diese Freundlichkeit es leicht gemacht habe, zu akzeptieren, dass die Familien vor 75 Jahren alles Materielle verloren hatten.

Die diamantene Hochzeit feiert das Jubelpaar am morgigen Donnerstag nur im ganz kleinen Kreis, größer dann am Sonntag im Gottesdienst mit anschließendem Sektfrühstück.

Umfrage

Ölförderung in Russland

Die Europäische Union plant ein Erdöl-Embargo gegen Russland. Wie stehen Sie dazu?

Ergebnis anzeigen
loading