Schopfheim Ein Ozean voller spritziger Ideen

Ebenso einfacher wie wirkungsvoller Gestaltungsmittel bedienten sich die Tänzerinnen, um die Kraft des Wasserflusses zu symbolisieren. Foto: Ines Bode

Schopfheim - „Wasser tanzt“: Zwei knappe Vokabeln genügten der Choreografin Nina Homolka als Titel des jüngsten Tanzprojekts der Waldorfschule.

Umso eindrucksvoller kam das Resultat daher – aufgeführt vor voll besetzten Rängen der schuleigenen Bühne. Am Anfang war ein Tropfen – verbildlicht als weiße Markierung – mehr gab es nicht zu sehen. Pechschwarz das Bühnenbild, abgedunkelt der Saal.

Was sich aus dieser spärlichen Materie mit rund 60 Kindern und Jugendlichen realisieren lässt, zeigten 100 Minuten imposante Tanzshow.

Für die Produktion fischte Homolka, ausgebildet in zeitgenössischem Bühnentanz, sozusagen in der Tiefe und holte aus dem nassen Element einen Ozean spritziger Ideen heraus. Da gab es Auftritte als Minuten-Sequenz, und solche, die einem Kurzstreckensprint glichen – gemessen an Dynamik und Intensität.

Letzteres galt besonders für die Darbietung größerer Mädchen, ein klarer Höhepunkt des Abends, dem tosender Applaus und Jubelrufe folgten. Respekt gab’s allein schon für die wenig kleidsame, quietsch-gelbe Badekappe, mit der sich die Tänzerinnen auf die Bühne wagten. Die Leistung überzeugte restlos.

Unüberhörbar begeistert reagierten die Zuschauer auch bei jüngeren Gruppen, so beim Ensemble, das mit Schwimmflossen an den Füßen tatsächlich einen Tanz zustande brachte, synchron und mit amüsanten Elementen gespickt. Der Saal stand kopf.

Gleichermaßen gut kamen die jazzige Regenschirm-Patrouille und das Pinguin-Ballet der Stöpsel an, deren niedlicher Part kollektive Verzückung auslöste. Fazit: Es gab keinen einzigen Beitrag, der nicht mittelschwere Begeisterung auslöste.

Dass die Leiterin Nina Homolka ein Händchen für Inszenierungen besitzt, zeigte sich zudem in der ausgetüftelten Lichtshow, die mit Farbnuancen experimentierte – von Meergrün über Maritimblau bis zu Schlammgrau.

Die Tänzer/innen loteten ihrerseits das Spektrum aus: von der exakten Gruppenfigur bis zur signalartigen Einzelpose, von der leichten Attitüde bis zum kraftvollen Sprung.

Auch die visuelle Dimension verstand, Emotionen zu wecken. Entspannt blickte man auf natürliches Gewässer, auf der Hut war man bei donnerndem Wasserfall. Was passiert jetzt?

Auch die Musik verfehlte ihre Wirkung nicht. Mal rumorte es aus den Lautsprechern, mal rieselte es, mal hüpften Töne wie Murmeln durch den Festsaal. Ansteckend wirkten zwei herzerwärmende Cellos, ein nostalgischer Ragtime oder auch trendiger Club-Sound. Ein sinfonisches Klangbett zeichnete bedeutungsschwer Ebbe und Flut.

Beim lautlosen Moment für Zwischendurch entschied sich Homolka für die Sicht auf eine nasse Fensterscheibe. Regenrinnen zogen Bahnen, „Tropfen kollidieren, nehmen alles mit, was sich in den Weg stellt“.

Zum Schluss blickte das Publikum in den gigantischen Schlund des Meeres. Am Ende waren alle froh, trocken davon gekommen zu sein. Was haften blieb, war Bewunderung für eine großartige Darbietung.

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