Schopfheim Ein Preußen-Prinz im Pflugsaal

Ines Bode
Station an der einstigen Lateinschule in der Torstraße: Interessante Geschichten über „Häuser und ihre Menschen“ hielt die Stadtführung mit Ulla K. Schmid bereit. Foto: Ines Bode

Erst ein Studium an der Kunstschule München, dann ein Studienaufenthalt in Paris – und von da nach Schopfheim, um eine Zeichenschule zu gründen: Die Rede ist von den Brüdern Friesenegger, die ab 1830 in der Markgrafenstadt wirkten.

Von Ines Bode

Schopfheim . Um diese beiden ging es unter anderem bei der Stadtführung von und mit Ulla K Schmid, die unter dem Titel „Häuser und ihre Menschen“ einem interessiertes Publikum viel Wissenswertes über alte Gemäuer und deren Bewohner vermittelte, die bis heute Spuren hinterlassen haben.

Über die Gebrüder Friesenegger beispielsweise, die in der Altstadt eine Zeichenschule gründeten. Das Gebäude selbst war später Adelshof, Kornspeicher, Feuerwehr, Bürgerschule, Gewerbeschule und mehr. Der Jüngere der zwei, Gustav Wilhelm Friesenegger, arbeite auch als Architekt und entwarf zum Beispiel den Hebelpavillon im Sengelenwäldchen. Aufgrund ihrer Verdienste wurden sie zu Ehrenbürgern ernannt.

Auch über andere Häuser in der Stadt hatte Ulla K. Schmid, die langjährige Leiterin des Museums, einiges zu berichten. Dazu zählt etwa das einstige Pollack-Kaufhaus in der Hauptstraße etwa.

Andere haben eine bewegte Geschichte, auch durch die NS-Zeit und der Enteignung jüdischer Besitzer geprägt. Ein Beispiel ist das Gebäude in der Wallstraße 5 aus dem 16. Jahrhundert gegenüber vom Museum, 1906 gekauft vom Viehhändler Salomon Auerbacher. Heute erinnern so genannte „Stolpersteine“ an das tragische Schicksal seiner Bewohner, die von den Nazis verschleppt und ermordet wurden.

Die erste Lateinschule – Eröffnung mit sechs Schülern – fand sich wenige Schritte entfernt in der Torstraße, und einer der späteren Schüler hieß Johann P. Hebel.

Zwischendrin ein Stadtadelhaus aus dem Spätmittelalter, mit Sandstein aus dem Entegast gebaut, später bekannt als Hirtenhaus, so Schmid. Besitzer war die Familie Höcklin von Steineck, deren Vorfahren Burgen besaßen.

In dieser wie in anderen Familien verheiratete man sich standesgemäß, womit man beim Palais gegenüber vom Kronenbrunnen angekommen war. Welcher Palast?

Als Prachtbau galt das Kymsche Palais, „das Wahrzeichen der Innenstadt“. Nach zehn Jahren Bauzeit 1865 wurde es bezogen. 95 Jahre verströmte das Anwesen Glanz und Gloria, ehe es 1960 in drei eher schmucklose Einzelbauten zerlegt wurde.

Hinter all dem verbirgt sich ein familiäres Geflecht: Carl W. Grether, Fabrikant und Sohn des Lörracher Oberbürgermeisters, heiratete 1828 Elisabeth Gottschalk, Schwester des Fabrikanten und Politikers Ernst F. Gottschalk. Deren Tochter heiratet Ernst F. Krafft von der Schuhfabrik Fahrnau. 1856 kam Anna Kym zur Welt, sie lebte 60 Jahre in dem nach ihr benannten Palais, war Wohltäterin und Ehrenbürgerin.

Gar 300 Jahre lang sprach man in Schopfheim vom Gasthaus „Pflug“, der Pflugkurve, dem Pflugsaal – bis ein Großbrand im Jahr 1993 alles zunichte machte. Nichts von dem Nachlass der Familie Pflüger sei erhalten geblieben, berichtete Ulla K. Schmid. Geschichte schrieben der Pflug und seine Menschen dennoch: einer von ihnen hieß Prinz Wilhelm von Preußen. Dieser hielt 1848 im Pflughof eine Rede – und sollte 1871 der erste Deutsche Kaiser werden.

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