Schopfheim Ein Verfechter der Demokratie

Schopfheim - Uehlin – der Name hat seit Jahren Hochkonjunktur in der Stadt. Fast jeder führt ihn im Munde – meist im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Areal oder mit den beiden alten Häusern an der Hauptstraße. Doch viele wissen nicht, wer sich hinter dem Namen verbirgt: Johann Georg Uehlin nämlich, Zeitungspionier und Druckereibesitzer, der vor 200 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Er kam am 23. September 1819 als Sohn des Schopfheimer Rotgerbers Johann Uehlin zur Welt. Zunächst erlernte der junge Mann des Beruf seines Vaters.

Doch dann geriet auch die beschauliche Markgrafenstadt, die seinerzeit gerade mal um die 2000 Einwohner zählte, in den Sog eines epochalen Ereignisses, das nicht nur dem Leben von Georg Uehlin eine völlig neue Richtung geben sollte: die Revolution von 1848.

Der knapp 30-Jährige ließ sich von der Aufbruchsstimmung anstecken und sympathisierte, obwohl als Rottenmeister bei der örtlichen Bürgerwehr eher auf der politischen Gegenseite engagiert, mit dem freiheitlichen und demokratischen Gedankengut.

Uehlin habe „sicher nicht zu den Anhängern“ der Revolutionäre gehört, urteilt die Historikerin Renate Reimann 1995 in einem Aufsatz in der Zeitschrift „Markgräflerland“. Aber er war ein „origineller, unternehmungsfreudiger Mensch, der stark von den politischen Ereignissen jener Zeit geprägt“ war.

In der Tat: Als Hecker und Struve nach einer Übernachtung in Schopfheim weiterzogen, hatten sie zur Verstärkung ihrer Truppen zwar zwei Männer gewinnen können – Georg Uehlin allerdings war nicht dabei.

Aber ein bisschen revoltierte es in dem jungen Mann halt doch. Auch nach der militärischen Niederlage der Revolutionäre lebten deren Ideen weiter, es gab Wahlen zur Nationalversammlung und das erste Parlament in der Paulskirche, das demokratische Grundrechte verkündete. „Man darf annehmen, dass Uehlin dieses Gedankengut zu seinem Ideal gemacht hatte“, so Renate Reimann.

Jedenfalls suchte er 1849, als das politische Pendel wieder in die gegenrevolutionäre Richtung ausschlug, sein Heil in der Flucht und emigrierte in die Schweiz.

Dort lernte Uehlin das Handwerk des Buchdruckers, wohl schon mit dem Hintergedanken, eines Tages eine eigene Zeitung zu gründen, um demokratische Ideen zu verbreiten, so wie das seinerzeit gang und gäbe war.

Einige Jahre nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt machte Uehlin damit Ernst: Am 2. April 1864 hob er – vom „redlichen Willen beseelt, der engeren und weiteren Heimath sowie dem ganzen Vaterlande nützlich zu sein“ – ­den „Statthalter von Schopfheim“ aus der Taufe, den Vorläufer des heutigen „Markgräfler Tagblatts“. Schon bald gründete Uehlin auch seine eigene Druckerei. Die Zeitung erschien zunächst nur einmal wöchentlich, schon bald zweimal und ab 1883 dann sechsmal.

Uehlin war nicht nur Herausgeber und Verleger, er fungierte auch als Redakteur, schrieb Leitartikel und Gedichte. Darüber hinaus verfasste er Bücher und erbaute einige Jahre später das Kurhaus in Schweigmatt.

Voller Sprachgewalt fordert der Zeitungsmacher schon in der ersten Ausgabe seines Blattes die Öffentlichkeit von Ratssitzungen ein, pocht auf das Mitspracherecht der Bürger und umreißt die Aufgabe einer freien Presse mit Worten an die Regierenden, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben: „Und dass man Euch auf die Finger schaut, daran dürft Ihr nicht zweifeln“.

Seine Artikel aus jener Zeit lassen auch Rückschlüsse auf seine grundsätzliche politische Haltung zu, die nun vor allem durch Patriotismus geprägt war. Er schreibt übers „Vaterland“ und über „Einigkeit und Recht und Freiheit“ als Grundlage der nationalen Wohlfahrt und preist Baden als „den besten deutschen Staat“.

Politisch habe sich Uehlin wie ein Großteil des liberalen Bürgertums in der Mitte des 19. Jahrhunderts verhalten, resümiert Renate Reiman: „Er war dem demokratischen Gedankengut von 1848 gegenüber aufgeschlossen, jedoch zurückhaltend bei revolutionären Aufständen“.

Das Vermächtnis dieses Wegbereiters der deutschen Demokratie hat indes Bestand. Das von ihm gegründete „Markgräfler Tagblatt“ hat Kaiserreich, Weimarer Republik und zwei Weltkriege überdauert und hält das Andenken an seinen demokratisch und freiheitlich gesinnten Gründer bis heute in Ehren.

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