Schopfheim Ein vollendeter Zusammenklang

Ein Musik- und Hörerlebnis war der Improvisationsabend in der Stadtkirche mit (von links) Ina Schabbon, Beate Schmidtgen, Christoph Bogon und Konstanze Ihle.       Foto: Jürgen Scharf

Schopfheim -  Orgel trifft Lyrik: In einem Dialogkonzert, das eine Verbindung zwischen Musik und Wort anstrebte, schlug der Schopfheimer Orgelsommer einen neuen Weg ein unter dem Motto „Orgel – Lyrik - Percussion“.

Hausorganist und Bezirkskantor Christoph Bogon gestaltete in der Stadtkirche einen Improvisationsabend über Gedichte von Paul Gerhardt und Matthias Claudius bis Hermann Hesse, Mascha Kaléko und Rose Ausländer. Dazu gab es noch einen Dialog zwischen Musik und Text in zwei Psalmen aus der Bibel. Zu erleben war ein schön „durchkomponiertes“ Programm mit einem Interagieren zwischen Sprache und Musik in vollendetem Zusammenklang.

Das war sehr reizvoll und ein Gewinn für Zuhörer, die offen sind für Neues. Denn diesmal war kein tradiertes Programm mit norddeutschen Orgelmeistern (an der Schuke-Orgel) oder romantischen Orgelsinfonikern (Voit-Orgel) zu hören. Vielmehr förderte Christoph Bogon an beiden Kircheninstrumenten staunenswerte Klänge in verschiedensten Schattierungen und Klangfarben zu Tage.

Bogon versteht sich virtuos auf eine besonders kunstvolle Form: die Improvisation. Mit viel Fantasie weiß er den schier unerschöpflichen Klangfarbenreichtum der „Königinnen der Instrumente“ auszunutzen. Da wirken diese Momentaufnahmen von Musik mal osteuropäisch, mal orientalisch, weil der geschickte Improvisator verschiedene Stil- und Tonarten und Formen aus anderen Volkskulturen wie die Pentatonik einsetzt, damit es nicht einfach nur nach Dur-Moll klingt.

Diese anderen Modi und Bogons selbstkonstruierte Tonleitern gehen eine größere Klangfarbenvielfalt ein, als man das sonst von Orgelkonzerten kennt.

Illusion des Raumes

Das übertrug sich aufs Schönste auf die weiteren Protagonisten wie die hervorragende Perkussionistin Konstanze Ihle, die ihr vielfältiges Instrumentarium mit Becken, Gong, Metallophon, Glockenspiel, Rahmentrommel und Naturinstrumenten wie Ocean Drum (Steinklang) bis zum „Waldteufel“ (Stabreibtrommel) kongenial einsetzt, sowie die beiden Sprecherinnen Ina Schabbon und Beate Schmidtgen.

Die Interpreten wollten zudem noch den Raum inszenieren und schufen Effekte aus dem Unmittelbaren heraus, indem etwa die Schlagzeugerin zu Beginn mit dem Tambourin durch die Kirche schreitet, Schabbon ein Kirchenlied anstimmt und auch von Bogon einmal Ferngesang zu hören ist. Das schaffte Raumillusion.

An zentraler Stelle stand der Psalm 104, ein großer Hymnus und allumfassender Schöpfungsmythos, der sich für musikalische Assoziationen bestens eignet. Hier war spannend zu erleben, wie man Klänge finden, frei improvisieren und aufeinander reagieren kann. Wobei die Orgel immer ein paar Modi, Akkorde und den Spannungsaufbau festlegt.

Positive Botschaften

Die von Schmidtgen ausgewählten und von ihr und Schabbon teils im Wechsel und mit spürbarer Anteilnahme und Begeisterung vorgetragenen Texte hatten einen lebensbejahenden Grundcharakter und vermittelten positive Botschaften gerade in einem solchen kulturellen Ausnahmejahr.

Wie Texte und Musik sich gegenseitig ergänzen, erschließen und bereichern können und man gerade in Verbindung mit der Sprache vieles machen kann, war eine schöne Erfahrung. Allein schon deshalb stieß dieser „Orgelsommer“-Beitrag der anderen Art, der aus dem Augenblick heraus lebte, trotz allem Ungewohnten beim Publikum auf viel Akzeptanz.

In den nächsten Jahren will Christoph Bogon verstärkt darauf achten, nicht immer das gleiche Konzertformat anzubieten, damit die Reihe noch an Profil gewinnt. Erfreuliche Aussichten!

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