Schopfheim-Fahrnau - Nachdem das letzte Konzert bei „Klassik im Krafft-Areal“ in der ehemaligen Schuhfabrik ausgefallen war, stellte sich jetzt beim Offenburger Streichtrio mit der Pianistin Andrea Kauten am Sonntag viel Publikum ein. Die Offenburger haben einen guten Ruf und Rolf Schilli ist kein Unbekannter in der Region, hat er doch drei Jahre lang das Oberrheinische Sinfonieorchester in Lörrach geleitet.

Das Ensemble brachte eine Repertoire-Entdeckung aus Frankreich mit, den fast in Vergessenheit geratenen Jean Cras. Der Bretone war nicht nur Komponist, Philosoph und Wissenschaftler, er stieg bei der französischen Marine bis zum Konteradmiral auf. Eines seiner bekanntesten Werke ist das „Trio pour cordes“ von 1926. Bei diesem Streichtrio fällt auf, dass der Komponist der französischen Postromantik verpflichtet ist, dem Triumvirat Fauré, Debussy und Ravel.

Klanglich gerundete Wiedergabe

Die klanglich gerundete Wiedergabe machte deutlich, dass die Tonsprache von Jean Cras eine Verschmelzung von impressionistischen und (nord-)afrikanischen Elementen ist, sicher inspiriert von den vielen Reisen und Seefahrten. Die Interpretation des einfallsreichen, viersätzigen Kammermusikwerks, die das Offenburger Streichtrio bereits auf einer CD mit dem Parallelwerk von Cras’ Freund Albert Roussel aufgenommen hat, sitzt perfekt. Besonders die spannende und vielfältige Klangsprache machte großen Eindruck beim Auditorium in der Fahrnauer Tonhalle. Frank Schilli (Geige), Rolf Schilli (Bratsche) und Martin Merker (Cello) spielten dieses Streichtrio, das als „Wunderwerk“ gilt, mit romantischem Impetus wie mit impressionistischen Farben, vollem, warmem Streicherklang und ausgewogener Klang- und Ausdrucksfülle. Ein anderer Freund von Cras, Henri Duparc, hat den Komponisten auf Beethoven hingewiesen und der hat ihn gut studiert, so dass er schon als „Beethovian“ bezeichnet wurde.

Da passte im Anschluss das selten gespielte dritte Streichtrio Beethovens, ein frühes Werk aus op.9 in G-Dur, sehr gut. Das bedeutungsschwere Werk wurde mit großer Intensität interpretiert, genauso wie nach der Pause das erste Klavierquartett in G-Dur des jungen Brahms, bei dem die Pianistin Andrea Kauten dazustieß.

Die Balance stimmt

Man verstand sich. Der expansive, dynamisch gespannte Streicherklang und die zupackende Tastenkunst Kautens gingen gut zusammen. Die Balance stimmte, und die emotionale Kraft der von innerer Erregung geprägten Darstellung übertrug sich auf den Zuhörer. Im abschließenden „Rondo alla Zingarese“ – der Satz ist bis heute ein Klassik-Hit – entfachten die Vier einen wahren Klangrausch mit auffahrenden Momenten.

Das Publikum war enthusiasmiert und bekam als Dankeschön mit dem von Merker selber arrangierten Ungarischen Tanz Nr. 1 von Brahms in der originalen Zigeunerversion noch ein besonderes Schmankerl.