Schopfheim „Eine Bereicherung für jeden Betrieb“

Schopfheim (sat). Die Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung kann eine gute Investition sein – dies hat die Veranstaltung „Einstellung zählt – Inklusion im Handwerk“ am Montag in der Gewerbe Akademie verdeutlicht. Arbeitgeber und Betroffene schilderten ihre Erfahrungen und gaben Mut zur Inklusion in Handwerksbetrieben.

„Wir sind die Ausbilder der Nation“, sagte Arno Baumann, Leiter der Gewerbe Akademie Schopfheim, zu Beginn der von der Handwerkskammer Freiburg in Kooperation mit der Kreishandwerkschaft Lörrach organisierten Veranstaltung. Um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern, müsse man nicht nur Fachkräfte aus dem Ausland anwerben, sondern vielmehr das Potenzial der ortsansässigen Menschen besser nutzen. Menschen mit Behinderung rückten daher in den Fokus.

Kreishandwerksmeister Michael Schwab betonte, dass die Ausbildung von Behinderten natürlich eine Herausforderung für Lehrer, Schulklassen und Betriebe sei.

Dieser Herausforderung gestellt haben sich Metzgermeister Joachim Lederer aus Weil am Rhein und Orthopädieschuhmacher Gerd Maurer aus Lörrach, die von ihren Erfahrungen erzählten. Im Betrieb von Joachim Lederer arbeitet seit fünf Jahren ein junger Mann aus Pakistan, der spastische Lähmungen und körperliche Beeinträchtigungen hat. Lederer erklärte, wie man einige Arbeitsabläufe angepasst habe und wie viel Freude der junge Mann in seine Metzgerei bringe.

Ebenso beeindruckend waren die Schilderungen von Gerd Maurer, dessen fast gehörloser Angestellter mittlerweile zu einer „festen Größe“ im Betrieb geworden sei. Er lese seinem Chef und den Kollegen von den Lippen ab, so dass die Zusammenarbeit gut funktioniere. „Ich kann Betriebe zu einem solchen Schritt nur ermutigen“, so Maurer, der anfangs dennoch die Skepsis einiger Kollegen zu spüren bekam.

Welchen steinigen Weg Menschen mit Behinderung oft gehen müssen, verdeutlichte die Geschichte von Jasmin Ortlieb, die als Frühgeburt zur Welt kam und seither unter körperlichen Beeinträchtigungen und starken Lungenbeschwerden leidet. Nachdem die ehemalige Förderschülerin auf dem zweiten Bildungsweg ihren Hauptschulabschluss machte, wollte die Todtnauerin eine Ausbildung im Metallbereich machen. Frustration machte sich breit, da alle Bewerbungen ins Leere liefen.

Jasmin Ortlieb musste erst über Umwege beweisen, dass sie genug Kraft für diesen Beruf habe und ihre Lunge die Metallstoffe vertragen könne. Später schloss sie ihre Ausbildung zur Metallfeinbearbeiterin in Bad Säckingen mit der Note 1,4 ab, wie sie stolz erzählte. Doch selbst dann musste Jasmin Ortlieb einige Rückschläge ertragen. Stationen wie Leiharbeiterfirma und Weiterbildungsmaßnahme zur CNC-Fachkraft führten sie zu ihrer heutigen Arbeitsstelle bei einem Industrieunternehmen in Hausen.

Man müsse sich auf die Behinderten einlassen und zu erst einmal das Fremde annehmen, betonte Jutta Bauchinger-Rominger, Leiterin des Inklusionsprojekts bei der Handwerkskammer Freiburg. Die Holzblasinstrumentenmeisterin hatte dies selbst erfahren, als eines Tages eine Behinderte mit kurzen Armen zu ihr gekommen war und meinte, sie wolle Querflöte lernen. „Unmöglich“, war der erste Gedanke von Bauchinger-Rominger gewesen – doch sie wurde eines Besseren belehrt. Mit einer speziellen Einzelanfertigung konnte die Frau mit Behinderung Querflöte lernen und nahm später sogar beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil.

Das Inklusionsprojekt der Handelskammer hat ein Netzwerk geschaffen, in dem Betroffene und Betriebe Unterstützung bei Themen wie etwa Fördermöglichkeiten, Kündigungsschutz und technische Arbeitshilfen finden können. Die Vertreter der Anlaufstellen – Johannes Ullrich (Präsident der Handelskammer), Joachim Lischka (Integrationsfachdienst Lörrach-Waldshut), Beatrix Beckert (Integrationsamt KVJS), Michael Rimkus (Arbeitsagentur Lörrach) und Markus Amann (Jobcenter Lörrach) – stellten sich unter Moderation von Armin Fink (AF Senior Consulting) vor.

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