Schopfheim „Eine der attraktivsten Funktionen“

Das Polizeirevier in der Markgrafenstadt hat mit Ralf Ühlin einen neuen Chef erhalten. Der Erste Polizeihauptkommissar, der im Mai 56 Jahre alt wird, ist vielen Menschen noch als Ortsvorsteher von Gersbach bekannt.

Schopfheim. Bislang war er Leiter des Kriminalkommissariats in Waldshut-Tiengen, nun hat er die Nachfolge von Christoph Dümmig übernommen, der zum Jahresende 2020 nach Emmendingen gewechselt war. Zum Start seiner Dienstzeit in Schopfheim beantwortete Ralf Ühlin Fragen von unserer Redakteurin Petra Martin.

Frage: Herr Ühlin, wie ist es, in Corona-Zeiten eine neue Leitungsaufgabe zu übernehmen?

In Corona-Zeiten sind wir alle gefordert, um durch geeignete Maßnahmen die Verbreitung des Virus mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu verhindern.

Somit können auch Amtseinführungen oder Verabschiedungen natürlich nicht wie im bisher gewohnten Rahmen, zum Beispiel im Feuerwehrgerätehaus in Schopfheim, mit allen Mitarbeitenden sowie mit Vertretern aus der Kommunalpolitik, der Staatsanwaltschaft, der Amtsgerichte und von anderen Hilfsorganisationen stattfinden.

Die Corona-Situation erfordert eine „lageangepasste Vorgehensweise“. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, mit jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter hier beim Polizeirevier und beim Polizeiposten in Schönau sogenannte „Kennenlerngespräche“ zu führen. In der Folge werde ich mich natürlich auch bei unseren Partnern persönlich vorstellen.

Es war mir bislang auch nicht möglich, mich von den Kolleginnen und Kollegen meiner bisherigen Dienststelle, dem Kriminalkommissariat Waldshut-Tiengen, in einem entsprechenden Rahmen zu verabschieden. Dies werde ich bald möglichst nachholen.

Frage: Wieso war der jetzige Zeitpunkt der richtige für einen Wechsel an die Spitze des Schopfheimer Polizeireviers?

Auf die Stelle als Leiter beim Polizeirevier Schopfheim konnte ich mich bewerben, nachdem meinem Vorgänger, Christoph Dümmig, die Leitung des Polizeireviers Emmendingen übertragen wurde.

Für mich war es jetzt der richtige Zeitpunkt, weil ich die Möglichkeit hatte, in meiner verbleibenden Dienstzeit nochmals eine neue Aufgabe zu übernehmen - und dies in meiner Heimatstadt. Eine Chance, die es vermutlich kein zweites Mal gegeben hätte.

Frage: Was genau reizt Sie an dieser Aufgabe?

Nun, ich war sehr gerne Kriminalbeamter. Ich hatte die Möglichkeit, im Team die mittlere und schwere Kriminalität zu bekämpfen und in der Folge Führungsaufgaben zu übernehmen. Für das mir hierfür entgegengebrachte Vertrauen danke ich meinen bisherigen Vorgesetzten.

Die Leitung eines Polizeireviers ist für mich eine der attraktivsten Funktionen in unserer Polizei. Ich freue mich auf die anspruchsvolle, spannende und auch herausfordernde Aufgabe und darauf, mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in unserem circa 400 Quadratkilometer großen Zuständigkeitsbereich um die Sicherheit der in vier Städten und 13 Gemeinden wohnenden circa 50 000 Menschen zu kümmern.

Frage: Ist in Pandemie-Zeiten ein Rückgang der Kriminalität in Ihrem Zuständigkeitsgebiet zu verzeichnen, zum Beispiel bei Einbrüchen? Und gibt es weniger Unfälle? Oder gibt es Bereiche, in denen die Kriminalität sogar gestiegen ist?

Landesweit hatten wir die niedrigste Kriminalitäts- und Unfallbelastung seit Jahren. Das gilt ebenfalls für das Polizeipräsidium Freiburg als auch für den hiesigen Revierbereich.

„Extreme Steigerung beim Computerbetrug“

Absolut verzeichneten wir hier einen leichten Rückgang der Straftaten. Gleichzeitig konnten wir die Aufklärungsquote steigern. Die Einschränkungen der Sozialkontakte und des nahezu gesamten gesellschaftlichen Lebens hatte 2020 zumindest temporär Auswirkungen auf die Kriminalitätsentwicklung.

Während die Pandemie für die Täter in einigen Deliktsfeldern wie dem Wohnungseinbruch Tatgelegenheiten erschwerten, verlagerten diese ihr Wirken beispielsweise verstärkt auf den Waren- beziehungsweise Computerbetrug. Dafür weisen die Zahlen eine extreme Steigerung beim Computerbetrug aus.

Die Unfallzahlen waren rückläufig. Aber auch hier gibt es eine Kehrseite. Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Pedelecs haben sehr stark zugenommen. Auch das ist eine Feststellung, die sowohl auf das gesamte Land als auch auf den gesamten Präsidiumsbereich zutrifft.

Frage: Wie sieht es im Bereich der Verstöße gegen Corona-Auflagen aus? Hatten Sie da schon viele Einsätze?

Auch in unserem Zuständigkeitsbereich stellen wir Verstöße gegen die Corona-Verordnung fest. Diese Verstöße werden von den Kolleginnen und Kollegen lageangepasst bewältigt. Oft reichen Hinweise, zum Beispiel zum Tragen der erforderlichen Mund-Nasen-Bedeckungen. Es bleibt aber nicht aus, dass wir gegen die Betroffenen auch Ordnungswidrigkeiten­anzeigen an die Bußgeldstellen vorlegen müssen.

Frage: In welcher Phase befindet sich der Umbau des Polizeireviers?

Mein Vorgänger Christoph Dümmig mit seinem Team hier beim Polizeirevier sowie unsere Partner vom Amt für Vermögen und Bau Freiburg haben innerhalb sehr kurzer Zeit eine Planung erstellt, die sich aktuell in der Umsetzungsphase befindet. Wir gehen derzeit davon aus, dass Mitte diesen Jahres die Arbeiten abgeschlossen sind und die Kolleginnen und Kollegen, insbesondere aus dem Streifendienst, dann eine Arbeitsumgebung haben, die zumindest im Bereich der Wache und der Gewahrsamseinrichtung modernsten Anforderungen entspricht.

Frage: Wie ist das Schopfheimer Polizeirevier personell aufgestellt? Reichen die Kräfte aus?

Das Polizeirevier hat 53 Stellen für Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Durch Personalzuweisungen des Landes und des Polizeipräsidiums Freiburg sind ab März 2021 circa 94 Prozent dieser Stellen besetzt. Wir verfügen dann über einen Personalkörper, mit dem wir die Aufgaben meiner Meinung nach gut bewältigen können. Dies ist jedoch auch nur eine Momentaufnahme, da sich noch in diesem Jahr durch Pensionierungen unser Personalkörper wieder etwas reduzieren wird.

Frage: Was wünschen Sie sich für das Polizeirevier, damit die Arbeit noch besser bewältigt werden kann?

Ich habe nach den ersten Tagen hier beim Polizeirevier den Eindruck gewonnen, dass wir unsere Arbeit gut bewältigen. Ich bin jetzt noch in der Phase, in der ich mich orientiere und mich in meine neuen Aufgabengebiete einarbeite. An dieser Stelle ist meiner Meinung nach erwähnenswert, dass mit meinem Stellvertreter Sven Schroeder innerhalb weniger Wochen die gesamte Leitung des Polizeireviers gewechselt hat. Sven Schroeder und ich erhalten die uneingeschränkte Unterstützung aller Kolleginnen und Kollegen.

Alle Kollegen stehen zur Seite

Wir durften ein sehr gut strukturiertes Polizeirevier Schopfheim übernehmen. Dafür bedanke ich mich insbesondere bei Christoph Dümmig. Alle bisher erfolgreichen Prozesse werden wir weiterführen. Das Polizeipräsidium Freiburg und insbesondere auch das Polizeirevier Schopfheim wollen und werden sich weiterentwickeln.

Eventuell vorhandene Verbesserungspotenziale werden wir gemeinsam Schritt für Schritt angehen.

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