Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau. Eine reizvolle Kombination von kammermusikalisch und solistisch bot der Duoabend zum Auftakt der zehnten Saison der Stiftungskonzerte „Klassik im Krafftareal“.

Nicht zum ersten Mal, dass der Würzburger Geiger Kolja Lessing und die Pianistin und künstlerische Leiterin der Konzertreihe, Andrea Kauten, ein Duo bilden.

Die ausgewählte Musik war kammermusikalisch intim. Im Zentrum stand ein Solowerk für Violine, das ungewöhnliche Werk eines Zionisten, der nach Israel kam und wie Max Brod, der Freund Kafkas, zu den ersten Exilanten im Gelobten Land gehörte: Paul Ben-Haim, in München als Paul Frankenfelder geboren.

Die spätromantische Tradition hat er in Israel ab- und sich eine neue Identität als Komponist zugelegt, wie seine Sonate in G von 1951 zeigt. Die Musik wirkt fremdartig. Ben-Haim orientiert sich tonal neu; es gibt keine Dur-Moll-Tonalität mehr, auch keine Rückbesinnung auf Bach oder die Romantiker. Das Publikum hörte ein interessant klingendes Stück, das arabische Einflüsse mit jüdischen verbindet.

Kolja Lessing war der beredte Anwalt von Ben-Haim. Sein musikalisches Plädoyer für die Sonate war schlichtweg kongenial. Lessing arbeitet die stilistischen Unterschiede dieses folkloristisch geprägten Stils obsessiv heraus.

Vor allem der zweite, mit Dämpfer gespielte Satz wird zu einer Hör-Offenbarung. Es der arabische Anteil an dieser „Mittelmeermusik“, mit vielen langen Pausen und einer orientalischen Melismatik, die Kolja Lessing mit großer Linie und zartbesaiteten Bogen, lyrisch, innig und beseelt spielt.

Dem gegenüber stehen der energische Kopfsatz und das tänzerische Allegro-Finale – eine musikalische Dramatik und Poesie, die der hervorragende Geiger bestens zum Ausdruck brachte. Die für Yehudi Menuhin geschriebene Sonate hat Kolja Lessing auch auf seiner CD „Violin Music from Israel“ eingespielt.

Schon im schwungvollen Mozart-Auftakt, KV 377, mit einem eleganten und klanglich gut ausbalancierten Variationen-Andante, zeigten die beiden Interpreten, dass sie sich musikalisch gut verstehen und als gleichberechtigte Partner agieren.

Der große kammermusikalische Brocken indes war die dem legendären Virtuosen Eugène Ysaye gewidmete Violinsonate von César Franck, die man so oder so spielen kann, klassisch, romantisch oder französisch, je nach Interpretenlage.

Das Werk erhält ein anderes Gewicht, wenn man es ohne aufdringliches französisches Sentiment spielt, also unparfümiert. Eine klassisch strenge Interpretation, wie sie Lessing und Andrea Kauten am Flügel bevorzugen, bekommt dieser Sonate hörbar viel besser.

Natürlich darf in dieser schwelgerischen Violinmusik der große Schwung nicht fehlen, aber man kann durchaus auf den mystischen Romantizismus verzichten, wenn - wie an diesem Abend in der gut besuchten Tonhalle Fahrnau - der romantisch dichte Klaviersatz auf geigerische Emphase und Leidenschaft trifft. Der romantische Überschwang, die große Geste, wie sie Lessing und Kauten gelingt, steht dieser Sonate gut zu Gesicht.

Der Beifall war dementsprechend nach diesem musikalisch gehaltvollen Auftakt der Jubiläumssaison, die noch einige weitere Konzert-Höhepunkte verspricht.