Schopfheim Eine Zeitreise, die Wellen schlägt

So ähnlich muss sich Marty McFly mit seinem Flitzer DeLorean im Fantasy-Film „Zurück in die Zukunft“ bei seiner Zeitreise gefühlt haben wie nun der 51-jährige Schopfheimer Michael Sehringer.

Von Gudrun Gehr

Schopfheim. Marty McFly reist zurück und trifft in den 1950er Jahren seine jungen Eltern. Sehringer wurde von einer ehemaligen Klassenkameradin vom Theodor-Heuss-Gymnasium Schopfheim - zu welcher er seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte - auf einen Suchvermerk bei Facebook aufmerksam gemacht. Der Suchvermerk stammte vom jetzigen Hausbesitzer Thomas Kaiser aus Langenau: „Was man beim Tapeten runter zupfen nicht alles für Schätze findet! Sollte jemand Michael Sehringer, geb. 3.10.69 kennen - wir haben es gefunden.“

Der Touristik-Fachwirt Michael Sehringer sagt: „Als ich von meiner Klassenkameradin informiert wurde und im Facebook das Foto meiner Zeilen gesehen habe, bekam ich ein ganz komisches Gefühl und grad Gänsehaut am ganzen Körper. Ja, es war meine Schrift, aber ich hatte keinerlei Erinnerung mehr an die von mir verfassten Zeilen“.

Nach Kontaktaufnahme erfolgte ein gemeinsames Treffen mit der Klassenfreundin, Thomas Kaiser und seiner Familie in der Küche im Elternhaus von Michael Sehringer. Hier konnte die Botschaft im Original bestaunt werden. Alte Fotos von Michael Sehringer, die er zum Treffen mitgebracht hatte, amüsierten alle Beteiligten.

Hinter der Tapete auf den nun kahlen Wänden der Küche, hinter dem Kühlschrank im Haus in der Talstraße in Langenau, verbarg sich eine Nachricht, die 40 Jahre unentdeckt blieb und die von Michael Sehringer am 12. Oktober 1981 auf die Wand der Küche seines Elternhauses geschrieben wurde.

Die Eltern des damals zwölfjährigen Schülers hatten die Doppelhaushälfte 1979 gekauft, Renovierungsarbeiten in der Küche erfolgten 1981. Diese Gelegenheit nutzte der Junge wohl damals, um mit Bleistift an der Küchenwand den Zukunfts-Seelen phantasievoll eine Nachricht zu übermitteln: „An Euch: Sollte mich jemals jemand finden, so wißt ihr das hier Michael Sehringer wohnte.“

Kinderschrift: „Sollte mich jemals jemand finden, so wißt ihr das hier Michael Sehringer wohnte.“

Der Junge notierte sein Geburtsdatum, sogar für sein Sterbedatum ließ er Platz. Verewigt hat Michael seine Klasse und die Namen der Lehrer, sogar den damaligen Hit der Musikcharts hat er notiert: Kim Wilde mit „Kids in America“.

Thomas Kaiser sagte: „Das Haus habe ich 2011 erworben. Im Laufe der Zeit renovierten wir die Räume, ab dem Valentinstag war die Küche dran. Meine Familie und ich entfernten die Tapete und sahen zunächst nur unlesbare Striche. Wir machten noch unsere Witze und vermuteten eine Anleitung zum Auffinden eines Schatzes im Garten. Erst als wir die Wand befeuchteten, wurden die Worte lesbar.“ Und weiter: „Wir wussten, welche Mitteilungskraft Facebook hat und versuchten auf diese Weise, den Verfasser der Zeilen festzustellen.“

Auch Michael Sehringer freut sich: „Auf diese Weise bekam ich wieder Kontakt zu meiner Klassenkameradin, sogar ein Klassenfreund aus den USA hat sich bei mir gemeldet. Unglaublich, welche Wellen diese Geschichte nun schlägt.“

Zwischenzeitlich berichtete SWR 4 über die unglaubliche Geschichte. Auch ein Fernsehteam vom SWR 3 hat sich bereits angemeldet.

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