Schopfheim Einer der Großen seiner Zeit

Die Studentenkantorei Freiburg und namhafte Solisten setzten sich in der Stadtkirche erfolgreich für die Sache des Bach-Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka ein. Foto: Jürgen Scharf

Schopfheim - Johann Sebastian Bach ist allgegenwärtig, aber Jan Dismas Zelenka? Der Bach-Zeitgenosse war Geiger und Kontrabassist in der sächsischen Hofkapelle in Dresden und machte sich als Hofkomponist und „Kirchen-Compositeur“ verdient.

Das ist viel zu wenig bekannt, und deshalb war das geistliche Konzert der Evangelischen Studentenkantorei Freiburg am Samstag in der Stadtkirche eine willkommene Gelegenheit für die zahlreichen Zuhörer, zwei bemerkenswerte Kirchenmusikwerke des Böhmen kennenzulernen.

Schon das kürzere „Miserere“ klang erstaunlich eigentümlich in der chorischen Durchführung, lebendig und empfindsam melodisch in der musikalischen Ästhetik; die weit ausgedehntere „Missa Sanctissimae Trinitatis“ überraschte durch viel Melodiöses, Innerlichkeit und Bildhaftigkeit und bewies, dass Zelenka zu den Großen seiner Zeit zu rechnen ist.

Aufführung von höchster Qualität

Bach und Telemann sollen ihn ja auch geschätzt haben. Warum Zelenka allerdings in Vergessenheit geriet, kann man kaum verstehen, wenn man jetzt diese Werke gehört hat. Die Wege der Musikgeschichte sind unergründlich. Die Aufführung jedenfalls hatte höchste Qualität.

Da war ein stilkundig und stimmschön agierendes Solistenquartett, ein frischer, ansprechender Chor junger Stimmen sowie barockerprobte Musiker, die auf historischem Instrumentarium wie Chalumeau, Traversflöte und Laute spielen. Wer ein solches Ensemble zur Verfügung hat wie Chorleiter Florian Cramer, der kann bei dem unter Wert gehandelten Komponisten viel erreichen.

Das hervorragende solistische Niveau war bemerkenswert, was vor allem für die koloraturgewandte Sopranistin Miriam Feuersinger gilt, die schon im „Gloria Patri“ des „Miserere“ die Melodieströme und Figurenketten wunderbar bewältigte.

Auch die Altistin Elvira Bill, der Tenor Michael Connaire und der Bassist Marian Krejcik zeigten differenzierte Stimmqualitäten, etwa im letzten Teil der Messe, im „Agnus Dei“, in dem beide Männerstimmen solistisch im Duett mit Barockoboe und Flöte wetteiferten.

Beeindruckende Leistung

Auch die Chorleistung war beeindruckend. Der große Studentenchor setzt sich für die Sache Zelekas im Impetus ein. Im „Gloria“ und im „Sanctus“ wird diszipliniert und engagiert gesungen, das ausladende „Amen“ des „Credo“ imponiert durch gesteigerte Gestaltungskraft.

So endet diese Messe sehr kontrastreich mit Chor und allen vier Solisten in einer kunstvollen „Dona nobis pacem“-Fuge, die Zelenka eindeutig aus der Reihe der barocken Zeitgenossen herausragen lässt. Die auf alten Instrumenten spielende, aufmerksam reagierende Ars Viva-Formation treibt in barocker Klangrede und expressiv aufgeladener Affektkunst das „Hosianna“ klanglich in die Höhe, dass man nur so staunt über diesen bis heute unterschätzten Komponisten.

Und weil Zelenka so viele großartige Werke geschrieben hat, die man so selten hörte, gaben die Freiburger Studenten, die schon zum wiederholten Mal in Schopfheim waren, ein doppelchöriges „Da pacem domini“ als Zugabe und drehten noch einmal erfolgreich an der Schraube der Zelenka-Wiederentdeckung. In stehenden Ovationen entlud sich der Dank des Publikums.

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