Schopfheim „Es ist mein Traum, Ärztin zu werden“

Es ist ein schwimmendes Krankenhaus, in das sich Malena Hinrichs aus Eichen begeben wird. Eines, bei dem der OP-Saal auf dem Wasser liegt. Es ist eine Klinik auf einem Schiff, ein Hospitalschiff der Mercy Ships. Die 18-Jährige, die im Sommer ihr Abitur gemacht hat, wird dort zwei Monate als Freiwillige verbringen - und ihren Einsatz in Kamerun leisten.

Von Petra Martin

Schopfheim-Eichen. „Ich wollte an einem Projekt teilnehmen, bei dem man anderen Menschen hilft“, sagt Malena Hinrichs. Sie will Medizin studieren - da bietet sich ein Einsatz auf der „Africa Mercy“ an, die fast ein Jahr im Hafen von Douala festmacht. Vom 4. Februar bis zum 4. April wird Malena Hinrichs dort im Einsatz sein. „Das Kernthema der Mercy Ships sind kostenlose Operationen“, berichtet Malena Hinrichs. Besonders Menschen mit Gesichtstumoren, Entstellungen und Fehlbildungen gehörten zu den Patienten, die an Bord kostenlos von Fachchirurgen operiert werden.

Das medizinische Spektrum umfasst denn auch die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Orthopädie und plastische Chirurgie sowie die Augenchirurgie. „Auch gynäkologische Eingriffe gehören dazu“, betont Malena Hinrichs. Weil das Schiff sehr lange im Hafen liegt, sind auch Nachbehandlungen möglich. Auf dem Hospitalschiff seien alle notwendigen OP-Geräte nach europäischem Standard vorhanden. „Das Hospitalschiff ist wie ein Krankenhaus eingerichtet“, hat sich Malena Hinrichs informiert.

Wohnen auf dem Schiff

Weil sie noch keine Ärztin ist, wird sie sich während ihres Einsatzes hauswirtschaftlich betätigen. „Ich mache beim Housekeeping mit und arbeite dort auch mit einheimischen Kräften zusammen“, freut sich die 18-Jährige schon auf ihr Aufgabenfeld. Alle Mitarbeiter der „Africa Mercy“ wohnen auf dem Schiff, weshalb eine funktionierende Hotellerie benötigt wird - ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Mit Patienten wird die künftige Medizinstudentin trotzdem zusammensein, etwa bei der Kinderbetreuung. Da die Hilfsorganisation auch Außenstellen im Land betreibt, zum Beispiel eine Zahnklinik und Landwirtschaftsprojekte, hat die Freiwillige die Möglichkeit, mit anderen Mitarbeitern zusammen das Schiff zu verlassen, etwa am Wochenende, und weitere Einsatzorte der „Mercy Ships“ kennenzulernen. Die Organisation unterstützt Kliniken vor Ort und schult medizinisches Personal, so dass Malena Hinrichs trotz hauswirtschaftlicher Tätigkeit ein Auge auf die medizinische Seite des Einsatzes haben kann.

Malena Hinrichs berichtet, dass auch Psychologen im Einsatz sind. Patienten mit Fehlbildungen würden oft ausgegrenzt und benötigten entsprechende Hilfe. Nach erfolgreicher Operation würden die Menschen wieder ins gesellschaftliche Leben ihres Umfeld eingegliedert, so dass medizinische und soziale Hilfe Hand in Hand gehen.

Malena Hinrichs hat ein aufwendiges Bewerbungsverfahren bei den Mercy Ships hinter sich, bei dem sie viele Referenzen vorlegen musste. Die 18-Jährige hat schon Reisen und Praktika unternommen, doch jetzt sah sie es an der Zeit, etwas für Andere zu tun. Sie hat allerdings auch schon ein dreimonatiges Praktikum am Kreiskrankenhaus Lörrach absolviert und freut sich nun auf Kamerun. Sie selbst lebt während ihres Douala-Einsatzes auch auf der „Africa Mercy“ im Hafen der Küstenstadt. Zwar ist es wohl so, dass sie eine Kabine für acht Personen bewohnen wird, doch sie freut sich auf die „tolle Atmosphäre dort“, von der sie schon gehört hat.

Spenden für den Einsatz

Malena Hinrichs nimmt auch in Kauf, dass sie, die Freiwillige, selbst einiges an Geld aufbringen muss, da Mercy Ships auf Spendenbasis arbeitet. So sammelte die 18-Jährige für ihren eigenen Einsatz Spenden. Aber ihr Wunsch zu helfen, ist groß.

„Ich glaube, das ist eine gute Investition“, unterstreicht sie. „Ich kann anderen Leuten helfen und Erfahrung sammeln.“ Und die kommt ihr ganz sicher später im Berufsleben zugute, wenn sie vielleicht einmal nach ihrem Medizinstudium auf Einsatz einer Hilfsorganisation geht. Malena Hinrichs: „Es war schon immer mein Traum, Ärztin zu werden.“

Mercy Ships ist laut Wikipedia eine internationale, christlich motivierte Hilfsorganisation. Seit 1978 werden die Hospitalschiffe betrieben, derzeit ist es die „Africa Mercy“, die um die Welt fährt. Die Organisation ist nicht gewinnorientiert, die Mitarbeiter helfen ehrenamtlich in Entwicklungsländern, wo den allerärmsten Menschen der Welt fachmedizinische Hilfe gewährt wird. Die Arbeit wird aus Spenden finanziert. Der Hauptsitz der Organisation ist in den USA, der Sitz des Mercy Ships-Vereins in Deutschland befindet sich in Bayern.

Weitere Infos und Spenden: Mercy Ships Deutschland e.V., Rudolf-Diesel-Straße 5, 86899 Landsberg am Lech, Tel. 08191/985500. E-Mail: mail@mercyships.de, Internet: www.mercyships.de. IBAN: DE 58 7345 0000 0000 5244 47, BIC: BYLADEM1KFB.

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