„Es ist ein Tag, der mich innerlich hüpfen lässt, ein Tag, auf den ich auch persönlich lange gewartet habe“, sagte Bürgermeister Nitz gestern beim symbolischen Spatenstich fürs Neubauprojekt auf dem Uehlin-Areal - und sprach damit sicherlich vielen Gästen aus dem Herzen.

Von Petra Martin

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Schopfheim. Vierzehn Millionen Euro investiere die BPD Immobilienentwicklung GmbH in das Projekt, das auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter Gewerbe und auf einer Fläche von 17 000 Quadratmeter Wohnungen vorsehe, wie Antonius Kirsch, BPD-Niederlassungsleiter in Stuttgart, vermeldete. Ein Drittel der 19 Wohnungen sei schon verkauft.

„Das ist etwas für die nächsten 100 Jahre“, sparte auch Matthias Ryzlewicz, Geschäftsführer der Weisenburger Bau GmbH aus Rastatt, nicht mit großen Worten. „Schopfheim ist für uns ein wichtiger Markt“, so Ryzlewicz, der Spatenstich ein „toller Moment“.

Am Donnerstag nächste Woche sollen die großen Geräte anrücken. Dann soll mit den Bohrungen begonnen und schließlich eine Baugrube ausgehoben werden. Das dauert laut Bürgermeister Nitz etwa fünf bis sechs Wochen, da es sich nicht um ein einfaches Projekt auf der grünen Wiese handele, sondern um eines mitten in der Stadt, in der auch Sicherungsmaßnahmen für die Scheffelstraße erforderlich seien. Aufgrund der Umgebung gebe es besondere Anforderungen.

Im September / Oktober soll laut Nitz Richtfest gefeiert werden, im Frühjahr 2019 sollen die Gebäude fertig sein, die Eröffnung soll laut Kirsch im Herbst nächsten Jahres stattfinden.

„Es ist kein einfaches Projekt“

„Es ist kein einfaches, alltägliches Projekt“, räumte BPD-Niederlassungsleiter Kirsch ein. Die Projektentwickler hätten mit der ganzen Palette an möglichen Schwierigkeiten zu tun gehabt: mehrere Grundstücksbesitzer, schwierige Grundstücksverhältnisse, mehrere Architekten, Sanierung, Altlastenproblematik, eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen und viele Diskussionen, zum Beispiel ob das Projekt zu gewerbelastig sei, da sich BPD als Wohnungsbauer verstehe. Doch das alles habe man in den Griff bekommen. Es sei ein Projekt, auf das alle lange gewartet hätten, nun aber eine gute Sache werde.

Fast zehn Jahre habe es von dem Zeitpunkt an, zu dem sich die Gelegenheit bot, das Grundstück von einer Erbengemeinschaft zu erwerben, bis zum ersten Spatenstich gedauert, blickte Bürgermeister Nitz zurück. Eigentlich habe die Stadt schon vor 30 Jahren darauf spekuliert. Und als das Projekt dann auf seinen Weg gebracht worden sei, habe es nichts gegeben, was es nicht gibt, so Nitz zum weiteren Projektverlauf.

Diskussionen mit Planern, Nachbarn, einer Bürgerinitiative und der Denkmalbehörde hätten erfolgreich zu einem Ende gebracht werden müssen, so dass aus der „never ending story“, als die das Uehlin-Areal schon bezeichnet worden sei, eine „ending story“ geworden sei.

Was die beiden alten Gebäude an der Hauptstraße angehe, so werde dieses Thema bei der nächsten Gemeinderatssitzung Ende Januar besprochen. Die Stadtverwaltung werde dem Gremium empfehlen, einen Abbruchantrag zu stellen. Schließlich werde die Baurechtsbehörde unter Einbeziehung des Denkmalamts („43 Prozent der Gebäude sind erhaltungswürdig“) entscheiden; auch das werde dauern. Er aber, so Nitz, wünsche sich eine schnelle Entscheidung.

Verwaltung für Abriss der alten Uehlin-Häuser

Wenn klar sei, dass die Stadt die Gebäude abreißen lassen könne, würden Ausschreibungen für dieses Grundstück und neue Gebäude auf den Weg gebracht. „Dann werden wir mehr Interessenten haben, als es sich der ein oder andere vorstellen kann“, so Nitz, der allen Beteiligten dankte, auch den Anwohnern und der Sparkasse als Nachbarin.

Christof Nitz erinnerte an die Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens, das die Stadt mit einer Passantenbefragung in Auftrag gegeben habe. 660 Bürger seien befragt worden, die Ergebnisse würden im März oder April im Gemeinderat präsentiert. Wenn das Projekt Uehlin-Areal abgeschlossen und zwei Jahre vergangen seien, wolle man diese Kundenbefragung zu Vergleichszwecken wiederholen.

Nitz sagte, die Stadt freue sich auf Müller Markt und Ernsting’s Familiy in der Scheffelstraße. Diese Immobilie sei „eine echte Bereicherung für die Stadt“, auch im Hinblick auf die einzurichtende Fußgängerzone in der Scheffelstraße. „Die ganze Stadt wird deutlich aufgewertet.“ Erfreulich sei auch, dass mit der Weisenburger Bau GmbH ein Generalunternehmer gefunden worden sei, der sich in Schopfheim bereits durch den Neubau des Georg-Reinhard-Hauses empfohlen habe. „Bautechnisch eine Perle“, sagte Nitz.

„Es ist endlich ein Schritt nach vorne“, freute sich auch Stefan Klever vom Vorstand des Gewerbevereins über den symbolischen Spatenstich und versprach „aktive Unterstützung“.

Zahlreiche weitere Gäste waren zum ersten Spatenstich gekommen, darunter Vertreter der beteiligen Firmen, Juristen, Anwohner, Käufer, Ortsvorsteher und Stadträte - und auch Ehrenbürger Günter Zabel.

Von Petra Martin

Endlich, der erste Spatenstich. Und es gab ihn wirklich! Ehrlich, viele hätten das nicht zu hoffen gewagt. Nach all dem - ja man möchte fast sagen - jahrzehntelangen - Ringen um die Grundstücke, nach endlosen Diskussionen und dem Architektenwettbewerb, nach europaweiter Ausschreibung, nach dem Brand und angesichts des Verfalls der alten Uehlin-Häuser, nach all dem Ringen um ein qualitätvolles Projekt auf dem Uehlin-Areal, fällt es schwer, euphorisch zu werden. Das bange Warten - klappt es, klappt es nicht- sitzt Bürgern und Beobachtern, auch manchem Stadtrat, tief in den Knochen. Und deshalb mag man kaum von einem „historischen Tag“ zu sprechen wagen. Oder gerade deshalb? Der gestrige Dienstag war schon ein wichtiger Tag, einer, an dem die Freude überwiegt und an dem - zugegeben - schon ein mittlerer Meilenstein genommen wurde in der Entstehung des Projekts an einer so zentralen Stelle der Innenstadt. Es war gestern einer der Tage, an dem die Skepsis der Hoffnung auf eine erfolgreiche Verwirklichung des Projekts wich. Der erste Spatenstich ist vollbracht, es wäre für die Stadt, für deren neue Mitte, eine Erleichterung, wenn es mit der Entwicklung ab jetzt nur noch bergauf geht.

Mit dem ersten Spatenstich startet die BPD Immobilienentwicklung GmbH mit dem Bau der 19 Eigentumswohnungen, drei Gewerbeeinheiten sowie 74 Tiefgaragenstellplätze, von denen sich 55 Stellplätze im öffentlichen Bereich befinden. Der Fertigstellungstermin ist für Herbst 2019 vorgesehen.

Die BPD Immobilienentwicklung GmbH hat das Grundstück des ehemaligen Uehlin-Areals 2016 gekauft. Die Architektur soll sich in die vorhandene Bebauung der Innenstadt einpassen. Der Vertrieb startete im vergangenen Jahr

Die zwei großen Gewerbeeinheiten sind an verschiedene Investoren verkauft. Als Mieter stehen die Drogeriemarktkette Müller sowie das deutsche Textilunternehmen Ernsting´s Family fest. 30 Prozent der Wohneinheiten sind schon verkauft.

Die BPD-Niederlassung Stuttgart ist mit ihren drei Regionalbüros in Mannheim, Freiburg und Überlingen flächendeckend in Baden Württemberg in der Wohnbauprojektentwicklung präsent. Bisher wurden mehr als 3000 Wohneinheiten realisiert. Aktuell hat die Niederlassung Stuttgart Projekte in Ludwigsburg, Ladenburg, Eislingen, Freiburg, Meckenbeuren, Heilbronn und Rheinfelden im Angebot. Als Tochterunternehmen der Rabobank blickt BPD auf eine über 70-jährige Firmengeschichte zurück. Infos unter www.bpd-de.de, www.bpdeurope.com oder www.bpd.nl.