Schopfheim Farbe in die Parteienlandschaft gebracht

Nicht ohne eine ordentliche Portion Stolz blicken die „Grünen“ der Markgrafenstadt derzeit auf ihren 40-jährigen Weg von einst ungeordneten und oft belächelten oder gar beschimpften Ökophantasten hin zur etablierten Volkspartei zurück.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Beim Festakt zum 40. Geburtstag am Freitag in der Aula der Gewerbeschule wagten viele Gäste, aber auch Zeitzeugen den in solchen Fällen durchaus üblichen „Blick zurück“ auf die sehr bewegte Geschichte der Partei, die Schulleiter Klaus König überschwänglich als „volkstümlich“ herzlichst empfing.

Aber: Organisator Michael Straub hatte vor den Preis – ein warmes Abendessen – den Fleiß gesetzt. Als „wilder Sammler“ habe er in den Annalen gewühlt und zusammengetragen, was er für würdig genug hielt, in der Erfolgsstory seiner Partei erwähnt zu werden, für die er 27 Jahre lang im Gemeinderat und einige Jahre auch im Kreistag saß.

Die Story begann mit den Anti-Atombewegungen in den 70ern, startete er nach dem Auftakt durch Zupf-, Streich- und Ziehquartett, das den ganzen Abend über Musik ins Spiel um Zahlen und Personen brachte. Straub ließ in seinem recht spannenden Streifzug Gründungsmitglieder wie etwa Karl-Heinz Hepp in Video-Botschaften zu Wort kommen.

Hepp bemerkte, dass es seinen „Grünen“ damals trotz teilweise überzogener Vorstellungen gelungen sei, Farbe in die etablierte Parteienlandschaft zu bringen. Die Partei habe schon damals gezeigt, dass sie der Zeit weit voraus sei und langen Atem bewiesen, um endlich auch an der Zukunft in Stadt, Land und Bund mitarbeiten zu dürfen.

Den nicht unwichtigen Part des verstorbenen Dieter Nestle übernahm auf der Leinwand Inge Nestle, die in Erinnerungen an ihren Mann schwelgte, der so gut wie nie zuhause gewesen ist, weil er mit viel Herzblut „herumreiste, um als wandelnder Apostel“ überall im Land „Zellen der Grünen“ zu gründen.

1980 dann gingen die Grünen mit ihrem ersten Gemeinderat Ino Hodapp auch aktiv in der Kommunalpolitik an den Start. Auch er war multimedial präsent und erzählte von den vielen Anträgen, die er am Ratstisch stellte, die aber damals „alle abgelehnt“ wurden, die aber bei der Bevölkerung gut angekommen sein mussten, denn bei der nächsten Wahl war er schon nicht mehr allein: Eva-Maria Jobski, Margret Stock und Klaus Böttger standen ihm von nun an zur Seite.

„Damals“, so Ino Hodapp heute, „hat dieses tolle Quartett die Basis gelegt für die späteren Erfolge der Grünen“, betonte der Wiechser Ortsvorsteher, der sich von den Grünen abnabelte, weil er sich mit dem, was die Partei im Bund umtrieb, nicht mehr habe identifizieren können. Im Schlusswort wünschte Hodapp seinen Nachfolgern, die nunmehr zu sechst die Farbe Grün am Ratstisch vertreten, „wieder etwas mehr Biss“, was einer der Betroffenen, Ernes Barnet, natürlich prompt aufgriff, indem er lapidar feststellte: „Was willst du denn beißen, wenn nichts zu essen da ist?“

Er, Barnet, selbst gehöre inzwischen zu der Generation, die auf die 70 zumarschiere. „Und irgendwann ist Feierabend“, meinte er und schmunzelte in seiner Rolle als zweiter Bürgermeisterstellvertreter: „Ich weiß nicht genau, ob ich ohne Auftrag aus dem Rathaus Grüße des Rathauschefs überbringen muss oder darf. Aber vielleicht hat Dirk Harscher auch gedacht, ich werde das schon richten, weil ich ohnehin da bin.“

Der Sprecher der Grünen-Jugend in Lörrach, Eric Mehrle, eben erst 16 geworden und einer der Macher von „Fridays for Future“ im Landkreis, stellte sich in einer flammenden Rede für den Umweltschutz und für die Jugend, die sich für die Anliegen der Grünen unglaublich stark machen, ins Rampenlicht und erinnerte seine Zuhörerinnen und Zuhörer daran, dass die deutsche Geschichte „gewiss kein Vogelschiss, sondern ein ordentlicher Misthaufen“ gewesen sei und dass es ratsam sei, die AfD im Auge zu behalten. Und das, obwohl er in dieser Runde ganz sicher keinen mit seinen Worten ernsthaft ermahnen musste.

Es gab danach das vom Schulleiter versprochene kulinarische Highlight des Abends. Denn einer, der unbedingt hatte dabei sein wollen bei diesem Festakt zum 40. Geburtstag der Grünen, fiel einem Streik bei der Lufthansa zum Opfer: Gerhard Zickenheiner, der Bundestagsabgeordnete, musste seine Parteifreunde in der Markgrafenstadt auf einen späteren Termin vertrösten.

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