Schopfheim Fast 67 000 Kilometer erstrampelt

Hans-Jürgen Hege

Insgesamt 276 große und kleine Radler sorgten mit ihren teilweise auch elektro-motorisierten Drahteseln für einen neuen Rekord: Beim Stadtradeln 2022 legten sie in drei bundesweit ausgetragenen Wettbewerbswochen unter der Überschrift „Stadtradeln“ 66 938 Kilometer zurück und bescherten so Bürgermeister Dirk Harscher eine „höchst willkommene“ Wettniederlage.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Der hatte am Start des Stadtradelns angekündigt: „Ich wette, dass die Schopfheimer im Zeitraum vom 2. bis 22. Juli dieses Jahres keine 65 000 Kilometer erreichen werden.“ Falls er die Wette verliere, werde er jeden gefahrenen Kilometer mit vier Cent sponsern, versprach er.

Und nach Delia Kuhnerts Kassensturz bekam er dafür am Donnerstag im Rathaussaal die Rechnung serviert, die er in Form von Schecks zu je 1500 Euro an den „Tafelladen“ und an „Plant for the Planet“ prompt beglich. „Ich verliere diese Wette gerne“, versicherte Harscher vor zahlreichen Radlern, die für teils bravouröse Leistungen in den Genuss von Preisen, Medaillen und Urkunden gekommen waren.

Radfahren gewinne in Zeiten des Klimawandels immer größere Bedeutung, sagte Harscher und fügte aus eigener Erfahrung hinzu, wie gut es beispielsweise tue, statt mit dem Auto früh morgens in frischer Luft strampelnd zum Arbeitsplatz und am Abend wieder zurück nach Hause zu fahren. Umsteigen aufs Rad lohne sich und sei ein wichtiger Beitrag zu Klimaschutz und Frieden in der Welt.

„Das Umsteigen aufs Rad lohnt sich“

Die Bedeutung des Radfahrens und der damit verbundenen Mobilität unterstrich dann auch die Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Delia Kuhnert. Sie machte aber auch darauf aufmerksam, dass es damit allein noch lange nicht getan sei. Es bedürfe nämlich zudem noch der notwendigen Infrastruktur in Form von Verkehrswegen in der Stadt, die auf diesem Sektor durchaus noch einigen Nachholbedarf habe. Das wieder war das Stichwort für Dirk Harscher, der daran erinnerte, dass er nach dem Stadtradeln vor zwei Jahren noch eine Wettschuld einzulösen habe: Fahrradständer. Dass die noch immer nicht installiert seien, liege nicht an ihm, sondern daran, dass man aktuell an Verkehrsberuhigungsmaßnahmen bastle, mit deren Umsetzung wohl im kommenden Jahr begonnen werde. „Wir wollten die Radständer nicht einfach nur irgendwo hinstellen, sondern ins Konzept einbinden“, erläuterte Dirk Harscher die Pläne der Stadt.

Bürgermeister Harscher begleicht Wettschulden

Er sei froh, seine Wettschulden in diesem Jahr sofort begleichen zu können. Über die Empfänger des Geldes müsse man im Grunde genommen nicht viele Worte verlieren. „Plant for the Planet“ (plant-wiesental@mail.de), die Organisation, die auch im Raum Schopfheim dringend Flächen sucht, auf denen sie ihren Zielen näherkommt, der Welt, auf der 3000 Milliarden Bäume wachsen, die dringend benötigten weiteren 1000 Milliarden Bäume zu bescheren, um den Temperaturanstieg auf unter zwei Grad halten zu können. Und nicht zuletzt der Tafelladen, dessen Nutzerzahlen sich in kürzester Zeit verdoppelt hätten und der auf jeden Cent angewiesen sei, um seine Aufgaben weiter einigermaßen erfolgreich erfüllen zu können. „In beiden Fällen ist das Geld gut angelegt“, glaubt Dirk Harscher, der den beiden von ihm begünstigten Organisationen eine „herausragende Arbeit“ bescheinigte.

Andreas Probst fährt 1224,1 Kilometer

Geehrt wurden vom Bürgermeister zunächst Einzelradelnde mit den meisten Kilometern. Auf Platz eins landete Andreas Probst mit 1224,1 Kilometer vor Klaus Elsner mit 1224,0 und Simon Zühlke mit 1172,5 Kilometer. Bei den Teams mit den meisten Gesamtkilometern hatten die 52 Teilnehmenden (TN) des Diakonischen Werks mit 12 514 Kilometern die Nase vorn, gefolgt vom Ski-Club Fahrnau (27 TN, 9937 Kilometer) und neun TN, die unter dem Namen „Mittelbremt“ 5279 Kilometer bewältigten.

Die meisten Kilometer in Teams pro Kopf, also 649 Kilometer), legte Familie Vögtlin zurück, die „Roche Radler“ brachten es jeweils auf 629 Kilometer, und im Team „Mittelbremt“ war jeder Radler 587 Kilometer unterwegs.

Unter den Teilnehmenden waren erfreulicherweise zahlreiche Kinder ab vier Jahren.

Kindern wird der Spaß am Radeln vermittelt

Bei denen, so Harscher, seien die gefahrenen Kilometer „absolute Nebensache“. Bei Kindern nämlich komme es darauf an, dass ihnen frühzeitig Spaß am Radeln vermittelt werde und dass sie möglichst früh erkennen, dass viele der täglich anfallenden Aufgaben gut und kostengünstig mit dem Rad erledigt werden können.

Schließlich wies die Stadt noch darauf hin, dass Schopfheim im bundesweiten Ranking unter 2108 beteiligten Kommunen derzeit auf Platz 703 rangiere. Die Kampagne, die jeweils drei Wochen dauert, soll „Bürger für das Radfahren im Alltag sensibilisieren sowie die Themen Fahrradnutzung und Radverkehrsplanung stärker in die kommunalen Parlamente einbringen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Schopfheim, die darauf aufmerksam machte, dass sich auch fünf Mitglieder des Stadtrates bei der Aktion in den Sattel schwangen.

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