Schopfheim Feierlicher Kontrast zur Fasnacht

Jürgen Scharf
Gut besetzt war das geistliche Konzert der Studierendenkantorei Freiburg, hier mit den Solisten Jonas C. Bruder und Uli Bützer in der Kantate von Benjamin Britten. Foto: Jürgen Scharf

Die Evangelische Studierendenkantorei Freiburg kam mit einem Programm in die Stadtkirche, das weniger in die Fasnachts- als in die Karwoche passte.

Sehr kontrastreich waren die zwei geistlichen Werke, die man am Samstagabend in der Stadtkirche hörte. Der selten aufgeführten Cantata Misericordium von Benjamin Britten, einem Werk mit effektreicher Tonsprache und raffinierter Klanglichkeit, folgte die Urfassung von Gabriel Faurés Requiem, eine Version für Chor, kleines Orchester und Orgel – also ein Requiem der leisen Töne im Gegensatz zur Dramatik in der modernen Chormusik von Britten.

Von der Nächstenliebe

In der Kantate des Engländers, einem der größten Chorkomponisten neuerer Zeit, geht es um die Erzählung vom barmherzigen Samariter: Ein Reisender wird von Räubern überfallen und niedergeschlagen, liegt ausgeplündert und nackt am Weg, halbtot, allein, hilflos. Wer wird diesem Mann helfen? Nicht der Priester, der die Straße entlang kommt, nicht der Tempeldiener, sondern ein unbekannter Fremder, ein „unbedeutender Samariter“. Er erbarmt sich, hilft dem Verwundeten, nimmt ihn zu einem Gasthaus mit, zeigt Nächstenliebe. „Oh wenn es doch nur mehr solcher Menschen überall auf der Welt gäbe“, singt der Chor, der in der Erzählerrolle kommentierend auftritt.

Frische Stimmen

Mit einer dramatisch geschärften Darstellung von Brittens „Cantata“ stellte sich Justus Kirstein, der neue Leiter der mit jungen frischen Stimmen besetzten Kantorei, erstmals in Schopfheim vor. Kirstein nähert sich dem facettenreichen Chorwerk Brittens mit einer großen dynamischen Spannweite, die sowohl die subtilen Schönheiten des Stücks verdeutlicht als auch die affektgeladenen Momente gebührend hervorbringt.

Für Emotion und Akzente sorgten die beiden musikalisch eindringlich gestaltenden Gesangssolisten, der Tenor Jonas C. Bruder als Samariter und – ganz eindringlich - der Bariton Uli Bützer als Reisender, der in einer Passage dem Wort „Plaga!“ schmerzlichen Ausdruck verleiht. Die von Harfenklang, Klavier und Pauke verstärkte Wirkung war unmittelbar.

Die moderatere Gangart passte dann zum introvertierten Charakter, dem sanften, diskreten und lyrisch-verinnerlichten Requiem von Gabriel Fauré, in dem eine Atmosphäre liturgischer Versenkung entstand.

Makellose Intonation

Der neue Chorleiter schaffte es, den leisen Tonfall bis hin zum milden Schlusssatz „In paradisum“ mit einer makellosen Intonation seines Chores durchzuhalten. Da hörte man, dass die transparent und textverständlich singende Studierendenkantorei in allen Stimmen hervorragend besetzt ist. Die Pianissimo-Anweisungen des Komponisten wurden verwirklicht, sodass sich eine stille Kontemplation einfand. Kirstein gab auch den wunderbaren instrumentalen Überleitungen den ihnen gebührenden Raum. Ein Höhepunkt und eine Ruheinsel an zentraler Stelle ist das „Pie Jesu“, das auf die helle, kristallklare Stimmlichkeit der Sopranistin Anna Schote vertrauen konnte, die auch über eine substanzielle Höhe verfügt. Die Frauenstimmen im „Sanctus“ wurden von sanften Geigen umspielt, das „Hosanna“ mit einem ekstatischen Bläsereinsatz begrüßt, das „Libera me“ mit baritonaler Wärme und Kantabilität von Uli Bützer mitgetragen. Faurés tröstliche Musik mit ihrer Zuversicht und Mut machenden Aussicht auf ein Paradies und die ewige Ruhe kam in einem ruhigen, weichen Duktus daher. Engelsgleiche, schwebende Klänge, die in einen Paradiesgesang münden, ein Engelschor wie aus dem Jenseits.

Das klang so harmonisch lieblich und voller stimmlicher Natürlichkeit, dass es eine Freude war, diesem ätherischen Gesang zuzuhören. Für einen Konzertmoment lang stand die Tür zum Paradies offen.

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