Schopfheim Freundeskreis St. Agathe gibt auf

Hans-Jürgen Hege
Der Freundeskreis von St. Agathe ist Geschichte: (von links) Gerhard Brutschin, Bettina Bethlen, Jürgen Jäckh und Ruthard Hirschner, der dem Vorstandstrio als Dank eine Zeichnung Jeannot Weißenbergers überreichte. Foto: Hans-Jürgen Hege

Das war’s dann: Der Freundeskreis von St. Agathe in Fahrnau ist nach dem Schlussbericht des Liquidators Ruthard Hirschner Geschichte. Am Freitag war die kleine Kirche, die erstmals vor 800 Jahren urkundlich erwähnt wurde und sich längst als exklusive Veranstaltungsstätte ins kulturelle Leben der Markgrafenstadt integriert hat, zum letzten Mal offizieller Treffpunkt der Menschen, welche sich dem Vermächtnis von Walter Flößer aus dem Jahr 1997 verpflichtet fühlten und alles daransetzten, aus der bereits 1965 zur Rumpelkammer verkommenen Kirche im Bestand der Evangelischen Kirchengemeinde das heutige Schmuckstück zu formen.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Nun: Das Werk ist vollbracht. Gerhard Brutschin, der nach Walter Flößers Tod im Jahr 2003 das Amt des Vorsitzenden des im Jahr 2000 gegründeten Vereins übernahm, hat zusammen mit Bettina Bethlen, Jürgen Jäckh und einer stattlichen Anzahl spendenfreudiger Mitglieder weiter Nägel mit Köpfen gemacht und die größtenteils erledigte Innenrenovation auch auf den Außenbereich ausgedehnt. Rund 52 000 Euro haben die Freunde investiert und damit „hochprofessionell Großartiges geleistet“, wie Bürgermeister Dirk Harscher betonte. „Was sie hier geleistet haben, ist aller Ehren wert“, lobte Harscher das Trio an der Vereinsspitze und dessen ehrenamtliches Engagement, dem „dieses für die Stadt inzwischen ganz, ganz wichtige Gebäude“ zu verdanken sei. „Wir brauchen solche Einrichtungen, um das gerade in diesen Zeiten bedeutungsvolle Kulturszenario zu stärken“, fuhr der Bürgermeister fort. Das habe das Dreigespann bewundernswert hartnäckig geschafft. Vor allem Gerhard Brutschin habe allein mit seinem Engagement, mit seiner Ausstrahlung unglaublich viel Geld „an Land gezogen“. Und dafür gebühre ihm und allen anderen Beteiligten großer Dank im Namen der Stadt und ihrer Bürger.

Zur Geschichte des Freundeskreises

Ruthard Hirschner ließ die Vereinsgeschichte nochmals Revue passieren. Er erinnerte daran, dass der damalige Bürgermeister Klaus Fleck bestrebt war, die Aufgaben von Walter Flößers „Kuratorium“, in dem viele Bürger sowie politische und kirchliche Vertreter ab 1979 an der Zukunft der kleinen Kirche bastelten, einem Trägerverein zu überlassen. Der Verein sollte „ein echtes bürgerschaftliches Engagement werden, das nicht danach fragte, was die Stadt tun kann, sondern als Teil der städtischen Zivilgesellschaft die Sache eigenverantwortlich in die Hand nimmt.“ Der Liquidator stellte fest: „Mit der Sanierung wurde eine Gemeinschaftsaufgabe übernommen und erfüllt.“ Zahlreiche Mitglieder hätten mit ihren Beiträgen und Spenden die Grundlage dafür gelegt, dass aus der Kirche „ein schmuckes Kleinod“ geworden sei, dessen Nutzung „nunmehr von der Stadt zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde verwaltet“ werde.

Zukunft der Kirche ist ungewiss

Nun sorgen sich die bisher Verantwortlichen zusammen mit Walter Flößers Tochter Leni Mangold und der Fahrnauer Pfarrerin Ulrike Krumm um die Zukunft der Kultstätte. „Ich hoffe, dass wir trotz der Veränderung der Kirche und allen, die sie ins Herz geschlossen haben, eine gute Zukunft ermöglichen können“, ließ Ulrike Krumm ausrichten.

Nötig geworden war die Veränderung, weil (bisher) niemand gefunden wurde, um die Vorstandsarbeit im Verein zu übernehmen. Es blieb – nach mehr als 22 Jahren – schließlich nur die Auflösung, die Ruthard Hirschner über die Bühne gebracht hat. Das Vereinsvermögen von aktuell 9901 Euro falle dem Wunsch Walter Flößers entsprechend an die Stadt Schopfheim „mit der Verpflichtung einer unmittelbaren Zuwendung für die Belange der Kirche St. Agathe“. Und zwar dem Vereinszweck entsprechend zur „Unterstützung kultureller Nutzung“ und um das Bewusstsein um die historische Bedeutung von St. Agathe mit ihren während der Restaurierung entdeckten Wandbildern im alten Dorf und der Stadt wach zu halten, sagte Ruthard Hirschner zum Abschluss seiner „Amtshandlung“, die eine Abordnung des Musikvereins Fahrnau musikalisch umrahmt hatte und nach der Dirk Harscher versprach: „Sie können sicher sein, dass wir auf das Erbe unseres Ehrenbürgers Walter Flößer zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde, der das Gebäude gehört, ein waches Auge haben werden.“

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