Schopfheim Friedhofsruhe im Containerdorf

Schopfheim - Container-Quartier im Tiefschlaf: In der einstigen Flüchtlingsunterkunft am Bläsiweg herrscht die gleiche Ruhe wie auf dem benachbarten Friedhof – Rollläden unten, Innenhof und Fahrradwerkstatt verwaist, keine Menschenseele zu sehen.

Das hat seinen guten Grund: Die einstige Not-Heimstatt für bis zu 200 Geflüchtete hat ausgedient. Ende dieses Monats gibt die Stadt die Wohncontainer an den Vermieter, den Landkreis, zurück. Dieser wiederum räumt alle Wohneinheiten samt Infrastruktur ab und übergibt der Stadt wieder ihr Eigentum – das auf maximal fünf Jahre gepachtete Gelände beim Friedhof.

Zur Erinnerung: Als im Mai 2015 die vorerst letzte Flüchtlingswelle nach Deutschland strömte, suchte der Landkreis händeringend ein Obdach für die Menschen. Die Stadt stellte für eine so genannte „Gemeinschaftsunterkunft“ (GU) das Gelände beim Friedhof in Fahrnau zur Verfügung. Bis zur Inbetriebnahme der Containersiedlung bot ein großes Zelt auf dem Bolzplatz im Oberfeld rund 100 Geflüchteten ein Obdach. Ab März 2016 stand dafür dann die GU zur Verfügung. Ab September 2017 war es laut Gesetz indes die Aufgabe der Kommunen, die Menschen aus der GU in der so genannten „Anschlussunterbringung“ (AU) mit Wohnraum zu versorgen.

Um diesen Kraftakt zu meistern, verfuhr die Stadt mehrgleisig, wie Fachbereichsleiter Jürgen Sänger und Patrik Bender von der Stadtverwaltung erläutern. Zum einen errichtete sie im Dammweg ein Wohngebäude für bis zu 70 Personen, das im März 2018 bezugsfertig war. Zum anderen nutzte sie die eigens dafür bis Ende dieses Monats angemieteten Container in Fahrnau zur Anschlussunterbringung.

Die Rechnung ging auf. Die 130 Menschen, die nach Angaben von Patrik Bender zeitweise in den Containern lebten, konnte die Stadt mittlerweile anderweitig unterbringen. 48 wohnen derzeit in der AU im Dammweg, für weitere 20 – vorwiegend junge, alleinstehende Geflüchtete – fand sich eine Bleibe im Markus-Pflüger-Heim. Für alle anderen – vorwiegend Familien – mietete die Stadt Wohnungen an: 14 von der Wohnbau Lörrach und 17 von Privatpersonen. Zudem stellte sie zwei eigene Wohnungen zur Verfügung.

Im Rückblick ziehen sowohl Jürgen Sänger als auch Patrik Bender ein positives Fazit in Bezug auf die AU-Erfahrungen. Nach anfänglichen „Annäherungsproblemen“ sei in Fahrnau beispielsweise „relativ schnell Ruhe“ eingekehrt, so Bender. Der Bedeutung des nahen Friedhofs seien die GU-Bewohner mit „Respekt“ begegnet. Reibungslos funktioniere auch im Markus-Pflüger-Heim das Zusammenleben von Flüchtlingen und den angestammten Bewohnern.

Das sei indes auch den guten „Einrichtungsleitungen“ von der Caritas, der Arbeit des Integrationsmanagers sowie dem ehrenamtlichen Einsatz von Vereinen wie AK Integration und „Schopfheim hilft“ zu verdanken, betonen Sänger und Bender. Ein „wertvolles Instrument“ sei zudem das so genannte „Integrationsforum“, in dem sich alle Beteiligten regelmäßig treffen und ihr Engagement koordinieren.

Weniger gut zu sprechen sind Jürgen Sänger und Patrik Bender indes auf das Land. Dieses unterstützte bisher die Kommunen bei der Flüchtlingsunterbringung zwar mit 1000 bis 1500 Euro pro Kopf und Jahr. Doch 2020 dreht es den Geldhahn zu.

„Das hat uns schockiert“, räumt Patrik Bender ein. Immerhin gehen der Stadt damit 220 000 bis 230 000 Euro durch die Lappen – Geld, das schon bisher nicht alle Kosten für die Betreuung und Unterbringung deckte. Die Ausgaben für die Mieten übernimmt zwar der Kreis, die Kosten für die soziale Betreuung oder die Einrichtung der Wohnungen indes trägt vor allem die Stadt. „Gerade vor diesem Hintergrund“, so Jürgen Sänger und Patrik Bender, „sind wir für die Arbeit unserer Vereine sehr dankbar.“

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