Schopfheim Frischzellenkur für Barockklänge

Als Solist präsentierte sich Andrey Smirnow, der Konzertmeister des Kammerorchesters der Basler Chemie, beim Auftritt in St. Bernhard. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Bereits zum zweiten Mal gastierte das Kammerorchester der Basler Chemie (KOBC) in St. Bernhard. Und wie 2017 brachten die Musiker wieder ein spezielles Wetter mit. Beim ersten Mal war ein Schneeeinbruch nach dem Konzert, dieses Mal kündigte sich Sturmtief „Sabine“ an.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim . Aber das ins Jahresprogramm der katholischen Kirchengemeinde Mittleres Wiesental integrierte Konzert war weniger durch Wetterunbill belastet als durch eine parallele Konkurrenzveranstaltung in der Stadtkirche.

So fanden weniger Besucher, als vielleicht sonst gekommen wären, den Weg zu den „Orchesterklängen“. Denn eigentlich war das vom Cellisten Ulrich Bellot moderierte Programm mit Werken von Grieg, Hummel, Fauré und Prokofjew apart und ungewöhnlich zusammengestellt.

In Griegs etwas verzopfter Barock-Verbeugung „Aus Holbergs Zeit“ ließen die Streicher wenig geschönten Klang hören, das war gut, denn so gab es eine Art Frischzellenkur für diese Suite mit ihren fünf Sätzen, denen dieses ambitionierte Laienorchester, das von einem professionellen Konzertmeister geleitet wird, reichlich Belichtungsvielfalt in Sarabande, Gavotte, Air und Rigaudon abgewann.

In Johann Nepomuk Hummels bislang offenkundig unterbewertetem „Potpourri für Viola und Orchester“ g-Moll konnte sich Konzertmeister Andrey Smirnow als Solist an der Bratsche profilieren.

Er meisterte seinen Part frei von eitler Virtuosität und konnte mit seinem unverkrampften, erfrischenden und exakten Spiel solistisch voll und ganz überzeugen.

Mit Spielfreude und sorgfältiger Detailarbeit, gerade was die Klangfarben der Bläser betrifft, wurde der Charme von Gabriel Faurés „Pavane“ ausgekostet. Das war eine wirklich stimmungsvolle Wiedergabe, die die Welt der französischen Spätromantik farbenreich darstellte.

Hatte das Basler Amateurorchester, dessen Name auf die chemische Industrie hindeutet, dessen Mitglieder aber nicht nur auf diese Branche beschränkt sind, sondern aus verschiedenen Nationen und Berufen kommen, die Gattungen der Werke und ihre Charaktere schon mal gut getroffen, so war die abschließende „Romeo und Julia“-Suite das Tüpfelchen auf dem i.

Ballettmusik ist oft eine instrumentale Delikatesse und auch diese Bearbeitung von Andreas Wins, der die Stimmen aus dem großen Orchester für eine kleine Besetzung umsetzte, konnte sich hören lassen.

Temperamentvoll und gefühlvoll wurden die einzelnen Szenen wie Romeo, die Amme, die junge Julia, Tanz der Ritter, die Balkonszene, Pater Lorenzo, Romeos Rache für Mercutios Tod und Julias Tod geschildert.

Dass man die dramatischen Szenen so richtig mitbekam, war der handlungsstiftenden Kraft eines Videos zu verdanken, einer Ballettaufführung des Mariinsky-Balletts, die das KOBC auf Youtube gefunden hat und auf Leinwand projizierte.

So bekam man viel von der tragischen Geschichte Shakespeares mit, zur live gespielten packenden Musik Prokofjews. Dem konnte sich niemand entziehen - zumal in dem starken Nachhall des Kirchenraums.

Das nächste Konzert in der Kirchenmusikreihe, eine Matinee am 17. Mai („Sax und Hall“) spielt sogar speziell mit dem Klang des Raums.

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