Schopfheim Für den Klimaschutz: Kleinbauern fördern

Ein riesiges Feld beackert der SPD-Ortsverein: Mit einem „Antragspaket“ wollen die Schopfheimer Genossen die brandaktuellen Themen „Klimaschutz“ und „Landwirtschaft“ unter einen Hut bringen – und zugleich auf die große politische Bühne hieven.

Von Werner Müller

Schopfheim . Denn das Paket hat keinen geringeren Adressaten als den Parteivorstand in Berlin. Der soll nach den Vorstellungen der Absender aus der Markgrafenstadt die komplexe Thematik aufgreifen und in konkrete politische Maßnahmen ummünzen – idealerweise in der Bundesregierung.

„Wir hätten schon gerne, dass unser Antrag dort hin kommt, wo entschieden wird“, betont Rolf Strohm, auf dessen Mist (um im Landwirtschaftsbild zu bleiben) das Klimaschutz- und Umweltpaket gewachsen ist.

Höhenlandwirte fördern

Mit dem Antrag will der Ortsverein zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – einmal den Klimaschutz forcieren und zugleich die kleinbäuerliche (Höhen-)Landwirtschaft unterstützen. Denn für die Genossen sind beide Themenbereiche eng miteinander verbunden.

Der Klimaschutz sei „so existenziell“ geworden, dass jede realisierbare Chance zur Verlangsamung der Erderwärmung ins Kalkül zu ziehen sei, heißt es im SPD-Antrag. Dazu müsse auch die Landwirtschaft als „großer Flächennutzer einen nachhaltigen Beitrag“ leisten. Viele Bauern täten dies bereits, so die Genossen weiter, beispielsweise in Form von ökologischerem Landbau und nachhaltigem Wirtschaften. Diese Engagement gelte es „gesellschaftlich“ zu würdigen.

Zu diesem Zweck schlägt die SPD eine „zügige Umschichtung“ der staatlichen Fördermittel zugunsten der Landwirte vor, die einen „nennenswerten Beitrag“ gegen Klimaerwärmung und für mehr Biodiversität leisten, das Grundwasser schützen (beispielsweise durch Verzicht auf flächendeckenden Pestizideinsatz) und zugleich regional erzeugte, gesunde Lebensmittel produzieren.

Davon würden nach Auffassung der Genossen vor allem die heimischen, kleinbäuerlichen Betriebe in Höhenlage profitieren, die längst ums Überleben kämpfen. Dabei schonen sie mit ihrer extensiven Weidewirtschaft und selbst erzeugtem Tierfutter den CO2-Haushalt, vermeiden weite und umweltschädliche Transportwege und schützen durch bodengerechte Düngung das Grundwasser. Im Gegensatz zur industriellen Massentierhaltung in großen Betrieben setzen kleine Höfe zudem weder Hormone noch Antibiotika ein, die über Gülle und Mist ins Grundwasser gelangen

Aus all diesen Gründen müssten sich staatliche Zuschüsse künftig am „Grad der ökologischen Bewirtschaftung“ orientieren –­ und zwar „unabhängig von der Größe des Betriebs und des Tierbestands“, heißt es im SPD-Antrag weiter. Es dürfe jedenfalls nicht mehr profitabler sein, Tiere in subventionierter Massenhaltung mit Antibiotika hochzuzüchten, als sie artgerecht heranwachsen zu lassen.

Fördermittel umschichten

Mit dem detaillierten Antrag hat sich Rolf Strohm wahrlich viel Mühe gemacht. Er weiß denn auch nur zu gut, wovon er spricht. Stand er mit dem damaligen Pfarrer Gerhard Trautwein doch gemeinsam Pate, als Landwirte in Gersbach die Fleischdirektvermarktung aus der Taufe hoben – und sich dabei Regeln gaben, die in Zeiten der Klimakrise besser in die Welt passen denn je.

Die Höhenlandwirte sind denn auch ganz bewusst eine Zielgruppe des SPD-Antrags, wie Strohm unumwunden einräumt. „Viele von unseren Bauern machen ja schon lange, was dem Klimaschutz hilft“, betont der engagierte Sozialdemokrat und ärgert sich zugleich, dass ausgerechnet sie bei der bisherigen Förderpraxis zu kurz kommen.

Er hofft denn auch, dass der Antrag des Ortsvereins zügig seinen Weg durch die Parteinstanzen nimmt. Beim Kreisverband liegt er schon auf dem Tisch, auch der SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Stickelberger und die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter halten ihn bereits in Händen. „Wir sind zuversichtlich, dass sie ihn weiter tragen“, so Rolf Strohm.

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