Schopfheim Furioser Tanz auf der Orgel

Selten gehörte Orgelmusik spielte Travis Baker beim Schopfheimer Orgelsommer in der Stadtkirche. Foto: Jürgen Scharf

Schopfheim - Nach dem Preisträgerkonzert das „Meisterkonzert“: Beim Schopfheimer Orgelsommer gastierte bereits zum dritten Mal der in London lebende Australier Travis Baker und brachte beide Orgeln der Evangelischen Stadtkirche voll zur Geltung.

Was auf den ersten Blick wie ein „buntes Programm“ aussah, das mit dem bewährten Dietrich Buxtehude begann, erwies sich schon beim zweiten Stück als ein Programm der Entdeckungen.

Wunderbar, dass sich Baker Paul Hindemiths 1937 entstandener zweiter Sonate annahm, die heute nur noch selten erklingt. Das knappe, klassizistische Stück kommt überraschend heiter, locker und sanft daher – alles andere als sperrig. Baker interpretierte den Hindemith bis zur spielerischen Schlussfuge mit Stilgefühl für das richtige Tempo und die Registerauswahl.

Auch die anderen interessanten Stücke, die er für sein neuerliches Gastspiel zusammengestellt hatte, konnten sich hören lassen. Selbst dass er für einmal keinen Bach im Programm hatte, war etwas Ungewöhnliches. Das war also mal ein Repertoire für Kenner und Liebhaber des königlichen Instruments mit alter und neuer Orgelmusik.

Travis Baker ist ein sehr dynamischer, agiler Spieler, der sich voll ins Instrument und in die Musik hineinkniet. Schon bei Buxtehudes „pedaliter“ zu spielendem Präludium geht er gleich in die Vollen, registriert den norddeutschen Barock des Lübecker Orgelmeisters fesselnd.

Bei der Orgelnacht hatte man bereits Christoph Bogon mit der zweiten Mendelssohn-Sonate gehört, aber der Orgelfreund vergleicht gern mal verschiedene Interpretationen miteinander und konnte Bakers farbenreiche und zügige Version erleben.

Überhaupt hörte man intensive und durchweg souveräne Gestaltungen, auch einen feinfühligen César Franck (Pastorale) an der Emporenorgel.

Die französische Orgelromantik erscheint ja öfter in Orgelrecitalen, aber ein Name wie Peter Racine Fricker überhaupt nicht. Die kurzen, sehr farbigen charakteristischen Stücke („Five short pieces“) des britisch-amerikanischen Komponisten registrierte Baker an der Schuke-Orgel erfreulich intelligent und abwechslungsreich.

Etwa die „Meditation“ mit schwebenden Klängen oder das satztechnisch raffinierte „Varied Ostinato“. In diesen hübsch klingenden Miniaturen fand der Organist zu angemessenen und überzeugenden Interpretationen.

Dass Baker ein mit allen Wassern gewaschener Virtuose ist, zeigte er im Schlussstück „Salamanca“ des Schweizer Organisten Guy Bovet, der an der Basler Musikhochschule und 20 Jahre an der Universität in Salamanca spanische Orgelmusik unterrichtete und sein Stück auch selber auf CD aufgenommen hat.

Es ist ein furioser Tanz auf der Orgel mit spanischem Rhythmus. Der wirbelnde Volkstanz wird in der Art von Kastagnettenklang im Bass erzeugt und klingt trommelartig. Travis Baker spielte diesen „Rausschmeißer“ mit makelloser Technik und, wie alles an diesem Abend, mit enormem Rhythmusgefühl.

Man merkte dem Interpreten danach an, dass er sich bei dieser wilden Musik richtig verausgabt hatte, denn er gab keine Zugabe – trotz anhaltenden Beifalls des aufmerksamen Stammpublikums des Schopfheimer Orgelsommers.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    0

Newsticker

blank

Umfrage

Abgase

Die Bundesumweltministerin plant die Einführung einer CO2-Steuer. Was halten Sie von dem Vorhaben?

Ergebnis anzeigen
loading