Schopfheim Gefaltetes Bild ist der Hingucker

Jürgen Scharf

Eine anonyme Kunstausstellung im Museum der Stadt mit 50 Arbeiten ist Neuland für den Kunstverein und für die Besucher.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Ist das dort an der Wand nicht ein Gerhard Richter? Augentäuschung? Kann das sein? Möglich ist alles in dieser Sammelschau des Kunstvereins Schopfheim. Denn auch der bekannteste und teuerste Maler der Welt wurde angefragt, ob er bei der Ausstellung „auf Sicht“ mitmacht – aber anonym wie alle anderen Künstler auch.

Alles in einer Klarsichtfolie

Kunst, die in eine DIN-A4-Klarsichtfolie passt. Das ist es, das muss es sein, sagte sich Gerit Koglin vom Vorstand des Kunstvereins. Seine Idee ist mal etwas Anderes, eine Kollektivausstellung mit Teilnehmern, deren Namen nicht genannt werden und deren Werke keinen Titel tragen dürfen. Erst wenn eine Arbeit gekauft ist, wird der Urheber aufgedeckt.

Per E-Mail angeschrieben hat Koglin für dieses ungewöhnliche Projekt an die 100 Künstler, darunter Kunstgrößen wie eben Richter und die gern Grenzen sprengende Katharina Grosse – ob sie unter den 40 Kunstschaffenden sind, die Arbeiten eingeschickt haben, bleibt aber ebenso geheim und kann allenfalls anhand des Preises abgelesen werden, der einen dezenten Hinweis gibt.

Was man in die Hand bekommt, ist tatsächlich nur eine Preisliste; die Preise haben die Künstler selbst festgelegt. Eine Auflage war es, dass die Kunstwerke in eine handelsübliche Klarsichtfolie passen müssen, gerahmt hat sie der Kunstverein. Erstaunlich, dass sogar eine höhere Vollkeramik in eine solche Folie passt. Gut die Hälfte der angefragten Künstler hat sich auf dieses Abenteuer eingelassen. Die meisten haben die Formalien eingehalten, andere diese wiederum gesprengt. Manche Künstler waren sehr fantasievoll und sogar etwas subversiv, indem sie ihre Bilder gefaltet haben wie einen Stadtplan.

Das Bild zum Aufklappen, von einer Frau, die etwas aus einem Becher trinkt, das größte im Raum, ist teilweise sogar aufgeschnitten und umgefaltet - der Hingucker in der Schau. Gemäß der Vorgabe sind es vorwiegend Kleinformate und Kleinplastiken.

Für die Betrachter ist das Ganze insoweit interessant, weil es auch eine Art Suchspiel ist und ein Spiel mit der Wahrnehmung, denn viele Künstler dürfte man kennen, allein schon von Ausstellungen her. Ob man sich an ihre Handschrift und ihren Namen erinnert?

Immerhin: Diese Art der Kunstbetrachtung, das war auch die Meinung bei der gut besuchten Vernissage, ist mal etwas Ausgefallenes. Darauf muss man erst einmal kommen. Koglin behauptet, dass er dieses Konzept von anonymen Zeichnern in Berlin entlehnt, es aber erweitert habe. Der Kunstverein will den Blick des Betrachters damit auf das Wesentliche der Kunst lenken, auf Form, Farbe, Inhalt, ohne Beiwerk wie Name, Titel, Materialangabe.

Abenteuer für die Künstler

Dass auch mal drei Arbeiten aus einem Atelier gezeigt werden – damit kann man sicher umgehen. Das Spektrum reicht von Malerei, Zeichnung, Fotografie, Collagen bis zu Skulpturen und Objekten. Dass man sich einmal nur auf das Werk konzentriert, ohne auf die Signatur schielen zu müssen, ist ganz im Sinne des Veranstalters, dem es auch um die Frage geht, ob ein Künstler vollständig hinter seinem Werk zurücktreten kann.

Der Vorsitzende des Kunstvereins, Johannes Kehm, verwies darauf, dass diese Schau ein bisschen anders als gewohnt sei. Aber es sei spannend, was man im Rahmen sehe und was nicht. Kehm hofft, dass viele Kunstwerke gekauft werden. Ob man jemals die Namen erfahren wird? Vielleicht wird das Geheimnis ja bei der Finissage gelüftet, ob ein echter Richter darunter war... .

  Bis 30. Oktober, Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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