Schopfheim Kritik: Massiver Lärm - mangelnde Reaktionen

Schopfheim -  Viel Lärm um nichts? Es gibt eine Resolution gegen Verkehrslärm, um die Behörden auf Kreis- und Landesebene zum Handeln zu bewegen, und einen Lärmaktionsplan – doch was passiert? In den Augen von Langenauern und Enkensteinern sowie Bewohnern weiterer Ortsteile – nichts oder zu wenig.

Werner Oswald von der IG Lärmschutz in Enkenstein erinnerte bei der Gemeinderatssitzung in der „Bürgerfragestunde“ daran, dass im Herbst 2020 zudem eine Befragung der Einwohner stattgefunden habe zu den Themen Straßenverkehr, Lärm und Verkehrssicherheit; die Stadt habe das wohlwollend aufgenommen und die Resolution verabschiedet. Doch welche Rückmeldungen seitens der Behörden, welche Ergebnisse gebe es, wollte Oswald wissen.

Flüsterbelag für L139 geplant

Bürgermeister Dirk Harscher versicherte, in engem Kontakt mit Landratsamt und Regierungspräsidium zu stehen. Es sei geplant, im Rahmen des Neu- und Umbaus der L 139 in Enkenstein einen Flüsterbelag einzubauen. Dies stehe sogar ganz oben auf der Prioritätenliste des Regierungspräsidiums, so Harscher. Umgesetzt werden solle die Maßnahme zwischen 2022 und 2025.

Letzteres dauere ihm zu lange, deshalb werde er darauf drängen, dass der Flüsterbelag so bald wie möglich eingebaut werde, teilte Harscher mit. Der Vorschlag, bis zum Einbau des Flüsterbelags Tempo 30 anzuordnen, sei indes von der Freiburger Behörde abgelehnt worden.

Unter der Woche Schwerlastverkehr, am Wochenende die Motorräder

Auch das Thema Holztransporter macht den Enkensteinern zu schaffen. „Wir sind da an höchster Stelle dran“, bekräftigte Harscher. In 14 Tagen werde ein Gespräch mit der Regierungspräsidentin stattfinden. Harscher sagte, die Stadtverwaltung bemühe sich auch um einen Flüsterbelag für Langenau; allerdings nicht in der dort schon geltenden Tempo 30-Zone. In Langenau komme dies indes nur langsam voran.

Eva Brutschin, Ortsvorsteherin von Enkenstein, erläuterte, dass der Schwerlastverkehr von Montag bis Samstag unterwegs sei, am Wochenende seien es die Motorräder, die den Lärm verursachten. Die Enkensteiner seien also an sieben Tagen in der Woche von Lärm geplagt. „Am Wochenende haut man am besten ab oder freut sich, dass es regnet.“

Tempo 30 würde den Bürgern helfen, betonte Eva Brutschin. Das sei ein pragmatischer Vorschlag, der wirklich helfe und kaum Geld koste, hieß es.

Masterplan für L139 gefordert

Der Langenauer Ortsvorsteher Walter Würger forderte einen Masterplan für die L 139. Die Straßen würden immer schlechter, Laster und Traktoren immer größer. Und nach dem Ausbau der Deponie werde es nicht besser werden. Wilhelm Tholen, Ortsvorsteher von Raitbach, sprach vielen aus der Seele, als er anmerkte, dass in Schwörstadt auf der Bundesstraße, über die der geballte Schwerlastverkehr rolle, Tempo 30 möglich sei. „Und bei uns soll das nicht möglich sein?“

Grünen-Stadtrat Ernest Barnet bezeichnete es als „Unverschämtheit“, dass es von Landratsamt und Regierungspräsidium in Sachen Lärmschutzforderungen keine Rückmeldung an den Gemeinderat gebe.

Es sei ein Unding, dass Bürger wegen des Lärms bei schönem Wetter nicht auf der Terrasse sitzen könnten. Wenn der Kreis etwas wolle, etwa die Verlängerung für die Flüchtlingsunterkunft, dann müsse die Stadt handeln, aber wenn die Stadt etwas wolle, stoße sie auf taube Ohren. „So kann man mit der Bevölkerung nicht umgehen“, sagte Barnet.

Zeithorizont für Maßnahmen nötig

Er bedauere, dass bei der vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Ulrich initiierten Veranstaltung zum Thema Lärm so wenig Leute da gewesen seien. Fraktionskollege Felix Straub sagte, die Bürger bräuchten einen Zeithorizont, wann sie mit Maßnahmen rechnen können.

Die Bürger beschleicht indes das Gefühl, dass alles im Sande verläuft.

Was macht der Hochwasserschutz?

Bürgermeister Harscher versicherte einer Bürgerin aus Enken­stein, dass sich die Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahmen nicht durch andere Maßnahmen verzögern würden; allerdings herrschten in Enken­stein nicht die besten Rahmenbedingungen für die Realisierung des Hochwasserschutzes.

Dieser war ebenfalls ein Thema der „Bürgerfragestunde“. Wolf-Dieter Hänßler hatte darauf aufmerksam gemacht, dass in Langenau der Aushub, der durch die Renaturierung der Kleinen Wiese angefallen ist, auf der Wiese beim Sportplatz lagere. Er warnte davor, das Material rückzuverfüllen.

Das möge zwar von Vorteil für die Fische sein, aber nicht für vom Hochwasser betroffenen Anwohner, sagte Walter Würger. Auch wenn es teurer sei, sollte das Material woanders verbaut werden, so Hänßler. Man werde das prüfen, so Bürgermeister Harscher; allerdings sei aus Kostengründen eine Rückverfüllung geplant.

Funktionierende Sirenen wichtig

Bürgermeister Harscher betonte, wie wichtig es sei, dass die Sirenen als Warnung vor Hochwasser funktionierten. Er hoffe zudem, dass eines Tages in allen Städten grundsätzlich Tempo 30 gelte und Elektroautos für eine Reduzierung des Lärms sorgten.

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