Schopfheim (jab). Literatur bewegt - buchstäblich: Auf einen vergnüglichen Streifzug durch Literatur und Landschaft begaben sich am Freitag die achtzig Teilnehmer der sechsten Literaturmeile, die der gemeinsamen Einladung der Gemeinden Schopfheim und Hausen sowie der Museumsgesellschaft gefolgt waren.

Der Weg, den die Literatur- und Kulturfreunde in diesem Jahr zurücklegten, überschritt die namensgebende „Meile“ ein gutes Stückchen: Unterm Motto „Gegen den Strom“ spazierte die Literaturgesellschaft vom Schopfheimer Stadtmuseum aus über das Technikmuseum im Fahrnauer Krafft-Areal und die Niederberghütte am Waldrand zwischen Schopfheim und Hausen an der Wiese und am Entegast entlang ins Hausener Hebelhaus. Insgesamt vier Vorlesestationen inklusive kleiner Wegzehrung, die angeregte Unterhaltung mit dem Nebenmann und natürlich das schiere gemeinsam-entspannte Unterwegssein an einem lauen Sommerabend machten die etwa fünf Kilometer zum vergnüglichen Unterfangen.

Immer auch spielt die „Literaturmeile“ mit der Neugier und der Lust an der Überraschung, und so wussten die Teilnehmer vorab weder, wo die Litera-Tour Station machen würde, noch, welche Texte, Gedichte und Geschichten vorgetragen würden. Bei all der kultivierten Spannung war zumindest sicher, dass die künstlerische Gestaltung des Literaturabends in versierten Händen lag: Heidi Knoblich und Markus Manfred Jung - beide im Wiesental verwurzelt und beide als Mundartautoren über die Region hinaus bekannt - hatten für ihre Zuhörer eine feine Auswahl an literarischen Texten zusammengestellt. Darunter waren Texte aus jeweils eigener Feder, ebenso jedoch auch bekannte und weniger bekannte Werke alt hergebrachter und aktueller Autoren aus der Region.

Inhaltlichen spannten die Texte den Bezug zum Thema „Gegen den Strom“ auf ganz verschiedenen Ebenen, und oft verwoben sich die Bezüge auf stimmige Weise. Da war zunächst der Strom „Wiese“, mit eindeutigem Bezug zum Wiesental, zur Heimat, und zur alemanischen Mundart. Da war jedoch ebenso das „Gegen den Strom“ als Widerborstigkeit und als Behauptung gegen den vorherrschenden „Mainstream“, als politische Gegen-Position oder als ganz individuelle Entscheidung zum Anderssein.

Jung und Knoblich gaben einen ganz persönlichen Einblick in ihre private Dichter-pubertät, und während Heidi Knoblich unter anderem den 1888 in Schopfheim geborenen Arzt Dr. Max Picard in einer farbigen Schilderung der Wiese zu Wort kommen ließ, hatte Markus Manfred Jung ein echtes Mundart-Fundstück des Schopfheimer Demokraten und Revolutionärs Georg Uehlin (1819-1893) ausgegraben.

Selbstredend kam auch Johann Peter Hebel zu Wort - die Niederberghütte war die ideale Szenerie für das Gedicht „Die Wiese“ in all seiner epischen Breite. Daneben kamen - vermittelt durch die Vorleser - Liesa Trefzer-Blum, Wernfried Hübschmann und Nicolaus Cybinski zu Wort - zeitgenössische Literaten aus der Region.

Als letztes Geheimnis am Ende der Litera-Tour fand das zum Abschluss angekündigte „Badische Essen“ schmackhafte Aufklärung: Tafelspitz mit Meerrettichsoße und Roter Beete setzte nach den literarischen Genüssen den kulinarischen Schlusspunkt.