Schopfheim Glanzklang voll betörender Melodik

Ein begeisterndes Konzert gaben das Fritz Busch Quartett, Mitglieder der Dresdner Staatskapelle, und Andrea Kauten im Krafft-Areal. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Sie tragen einen großen Namen: Fritz Busch Quartett. Die vier Musiker, Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden, nennen sich nach einem ihrer bedeutenden Chefdirigenten, der das Orchester von 1922 bis 1933 leitete.

Von Jürgen Scharf

Schopfheim-Fahrnau . Das Quartett, zu dem im zweiten Teil die Pianistin Andrea Kauten stieß, brachte etwas vom „Glanz von altem Gold“, wie Herbert von Karajan den Klang der Dresdner Staatskapelle bezeichnete, ins Fahrnauer Krafft-Areal.

Dieser Dresdner Klang ist ja sowieso mythenumwoben. Ein ganz eigener Sound, der als traumhaft weich, rund und durchsichtig gilt, unvergleichlich einfühlsam. Eine Ahnung von diesem Glanzklang brachte das Fritz Busch Quartett mit nach Fahrnau, denn die Musiker sind sehr bemüht, den legendären Orchesterklang auch auf ihr Quartettspiel zu übertragen und dieses Klangideal zu erhalten.

So hörte man vor fast vollen Reihen bei Schubert und Mozart einen seidig glänzenden Streicherklang, gepaart mit einem höchst engagierten Spiel und technischer Bravour. Die vier Spitzenmusiker spielten ein spannendes erstes Streichquartett von Schubert und Mozarts wohl berühmtestes Streichquartett, das „Dissonanzenquartett“, ein Gipfel der Kammermusik überhaupt.

Man hörte gebannt zu, wie der erste Geiger Federico Kasik, stellvertretender Konzertmeister bei den ersten Violinen, Tibor Gyenge (in gleicher Funktion in Dresden), Florian Richter, Solobratscher in der Staatskapelle, und Cellist Titus Maack die klanglichen Reibungen in der langsamen Mozart-Einleitung in Wohlklang verwandelten und die betörende Melodik zum Blühen brachten.

Im zweiten Satz berührte der erfüllte Gesang für vier Streicher – geradezu berückend im gesanglichen Hauptthema –, und der schlank und dynamisch angegangene Finalsatz, mit virtuosem Laufwerk des Primarius. Das war Mozart-Spiel vom Feinsten und klang wohltuend harmonisch und kein bisschen „dissonant“.

Hier war er also zu hören, dieser warme, weiche, homogene, sehr kultivierte Klang, der in Dresden gepflegt wird seit Richard Wagners Zeiten, der das traditionsreiche Orchester als seine „Wunderharfe“ rühmte.

Nach der Pause stieß die künstlerische Leiterin der Reihe „Klassik im Krafft-Areal“, Andrea Kauten, zu den Gästen. Im Opus 1 von Ernst von Dohnányi, dem Klavierquintett, einem Jugendwerk, das nicht umsonst Brahms begeistert hat, ist es doch stellenweise noch sehr brahmsisch angelegt, aber weniger streng und leichter als das Vorbild.

Auch in dieses schöne Werk, das man nur selten hört, brachte das Fritz Busch Quartett seine superbe Tonqualität ein, im Verbund mit Andrea Kautens brillantem Klavierspiel. Die Pianistin zeigte sich als eine ausgezeichnete Sachwalterin dieses spätromantischen Kleinods aus Ungarn.

Und auch hier noch einmal das Dresdner Klangerlebnis: ein singendes Bratschensolo mit dunkeltoniger Klangfarbe im Adagio.

Der Repertoirewert war also beachtlich, der künstlerische ebenso. Vollends hingerissen war das Publikum nach der Zugabe, Leo Weiners wildem „Fuchstanz“, und hoffte auf ein Wiederhören mit diesem herausragenden Ensemble.

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