Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Selten gelingt es einem Konzert so gut, beim Hören auch noch Aufhorchen zu lassen. Das Unerwartete geschah beim Trioabend in der Reihe „Klassik im Krafft-Areal“ in Schopfheim mit dem Geiger Jiri Nemecek, dem Klarinettisten Nikolaus Friedrich und der Pianistin Andrea Kauten. Fraglos eines der anspruchsvollsten Stiftungskonzerte, die man hier gehört hat, mit einem hoch ambitionierten Programm und spannenden Werkkoppelungen: einer Mischung aus Exotik und Balkan, überwiegend Klassikern der Moderne, namentlich Béla Bartók.

Jeder, der viel klassische Musik hört und in Konzerte geht, fragt sich: Warum hört man diese Stücke nicht öfters? Stücke wie Bartóks für den ungarischen Geiger Josef Szigeti und den amerikanischen Klarinettisten Benny Goodman geschriebenes Trio „Kontraste“ für Violine, Klarinette und Klavier, dessen Sätze wirklich sehr kontrastreich sind. Die Spieler müssen hier zwischen verschiedenen Instrumenten wechseln: zwei Klarinetten, einer normal gestimmten und einer umgestimmten Violine.

Schnell springt in den „Kontrasten“ der Funke der Inspiration über und man erlebt ein Feuerwerk an rhythmischem Drive in den Ecksätzen und tonlicher Intensität (Mittelsatz). Versteht sich, dass die drei begeisternden Interpreten Nemecek, Friedrich und Kauten mit allem ihnen zur Verfügung stehenden Temperament und feinnerviger Energie an diesen heiklen Brocken mit seinen vielen dynamischen Wechseln, Staccati, Pizzikati und Glissandi gingen!

Erwartungen schnellen naturgemäß hoch, wenn ungarische Interpreten Bartók spielen. Und mit Andrea Kauten sitzt ja eine ungarisch-schweizerische Pianistin am großen Steinway. Mit dem Tschechen Jiri Nemecek stand in Bartóks „Rumänischen Tänzen“ für Violine und Klavier (eigentlich ein Klaviersolowerk) ein Geiger zur Verfügung, der den Espressivo-Stil Bartóks in den einzelnen Tanzsätzen auf eindrückliche Weise herausarbeitet. Das Klavier hat Begleitfunktion, dennoch kommen unter Kautens fähigen Händen Bartóks vertrackte Polyrhythmen besonders prägnant heraus. Geigerisch wirkte die Interpretation mit ihren violintechnischen Meriten (fahle Flageoletts, Rubati) höchst tonintensiv, profiliert und engagiert.

Auch in Aram Chatschaturjans auf Volksweisen basierendem, erdverbundenen Trio – ein hübsches Stück, warum wird es nur so selten aufgeführt? – war der spielerische Gusto der drei Interpreten bemerkenswert. Dazwischen gab es als einzige Konzession an ein tradiertes Konzertprogramm die späte Klarinettensonate von Brahms: typische Herbststimmung. Die Klarinette mit ihrer so menschlichen Stimme bringt die Gelassenheit der Musik gut rüber. Vor allem, wenn sie so wohltuend klangschön, sanglich, weich und lyrisch geblasen wird wie von Nikolaus Friedrich.

Das zahlreiche Publikum zeigte sich in der Fahrnauer Tonhalle enorm begeistert nach diesem grandiosen Konzert und wurde für den tosenden Applaus mit einer kurzen, aber umso fetzigeren Zugabe belohnt: Strawinskys „Tanz des Teufels“ aus der „Geschichte vom Soldaten“.